Home
http://www.faz.net/-gpg-70sub
Mittwoch, 19. Juni 2013
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

ENBW-Affäre „Ich war keine Marionette“

 ·  Der frühere baden-württembergische Ministerpräsident Stefan Mappus widerspricht Berichten, er habe sich auch politisch vom Investmentbanker Notheis beraten lassen.

Artikel Bilder (1) Lesermeinungen (6)

Der frühere baden-württembergische Ministerpräsident Mappus (CDU) hat den Vorwurf, er habe sich beim Rückkauf der ENBW-Anteile wie eine „Marionette“ der Investmentbank Morgan Stanley verhalten, als „absurd“ bezeichnet. Der Deutschland-Chef von Morgan Stanley, Notheis, habe ihn „nie zu etwas gedrängt“, sagte Mappus der „Pforzheimer Zeitung“.

Ein auch in der F.A.Z. veröffentlichter Mailverkehr zwischen Mappus und Notheis hatte offengelegt, dass der Investmentbanker den Ministerpräsidenten auch politisch beraten und ihm ein Drehbuch für die Pressekonferenz geschrieben hatte. Mappus dringt nun darauf, vom Untersuchungsausschuss „kurzfristig gehört zu werden“, um zu diesen „abenteuerlichen Behauptungen“ Stellung beziehen zu können. Eine zweite Ladung des früheren Ministerpräsidenten vor den Untersuchungsausschuss ist ohnehin vorgesehen.

Die Aufarbeitung der ENBW-Affäre belastet den Reformprozess in der baden-württembergischen CDU: Am Donnerstag wollten der Landesvorsitzende Thomas Strobl und sein Stellvertreter Winfried Mack eigentlich einen programmatischen „Zukunftsentwurf“ vorstellen, sie mussten jedoch eine halbe Stunde lang Fragen zu den neuen Vorwürfen gegen ihren früheren Landesvorsitzenden Mappus beantworten. Strobl vermied eine allzu klare Distanzierung von Mappus und sah die Verantwortung vor allem bei dessen juristischen Beratern. Sein „früher Eindruck“, so Strobl, dass bei dem Rückkauf der ENBW-Anteile „handwerklich sowie inhaltlich falsch und schlecht“ gearbeitet worden sei, habe sich nun bestätigt. Zur Verantwortung von Mappus sagte Strobl: „Es ist aber auch so eine Sache mit den einsamen Entscheidungen.“

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen

Jahrgang 1966, politischer Korrespondent in Baden-Württemberg.

Jüngste Beiträge