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SPD vor Gesprächen mit Union : Keine roten Linien, aber elf Punkte

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Der Juso-Bundesvorsitzende Kevin Kühnert hält am Samstag auf dem Parteitag in Berlin während einer Abstimmung seine Stimmkarte hoch. Bild: dpa

Nach dem SPD-Parteitag bleibt ungewiss, ob es zu einer Neuauflage der großen Koalition kommt. Rote Linien soll es bei den Gesprächen mit der Union nicht geben. Doch die Sozialdemokraten legen trotzdem hohe Hürden. Ein Überblick über ihre Kernforderungen.

          Am Mittwoch starten in Berlin erste Gespräche zwischen den Spitzen von Union und SPD. Der SPD-Vorsitzende Martin Schulz wartet noch auf die Vorlage von Vorschlägen durch CDU-Chefin Angela Merkel und CSU-Chef Horst Seehofer. Die Sozialdemokraten wollen ohne rote Linien in die „ergebnisoffenen“ Gespräche mit der Union gehen.

          Sie haben beim Parteitag aber elf Kernforderungen für eine mögliche neue große Koalition aufgestellt. Diese basieren auf einem Beschluss des Vorstandes vom 4. Dezember – und setzen hohe Hürden für Gespräche mit der Union, etwa beim Thema Bürgerversicherung, deren Einführung die Union bereits ausgeschlossen hat, oder in der Flüchtlingspolitik. Die elf Kernthemen im Überblick:

          1. Ein „demokratisches, solidarisches und soziales Europa“: Zusammen mit Frankreichs Präsidenten Emmanuel Macron soll die EU gestärkt werden. Die SPD ist für eine finanzielle Stärkung der EU, Steueroasen sollen ausgetrocknet und eine gemeinsame Flüchtlingspolitik entwickelt werden. Ein Europäischer Währungsfonds soll helfen, Finanzkrisen oder Krisen in Euro-Mitgliedsländern besser abzufedern.

          2. Für sichere Arbeitsplätze, gute Löhne und eine innovative Wirtschaft: Arbeitsverhältnisse sollen nicht länger ohne triftige Gründe befristet werden, die Tarifbindung soll gestärkt werden. Zudem sollen die Möglichkeiten zur Weiterbildung und Mitbestimmung mit Blick auf den digitalen Wandel deutlich ausgebaut werden.

          3. Gleichberechtigung: Gleicher Lohn für gleiche und gleichwertige Arbeit für Frauen und Männer. Berufe, in denen viele Frauen arbeiten, wie in der Pflege, sollen besser bezahlt werden. Wer vorübergehend in Teilzeit arbeitet, muss einen Rechtsanspruch bekommen, um auf eine Vollzeitstelle zurückkehren zu können. Für Familien und die Pflege von Angehörigen soll ein neues Familiengeld eingeführt werden.

          4. Bildungsoffensive: Keine Gebühren von der Kita bis zur Uni oder zum Meisterbrief. Rechtsanspruch auf Ganztagsschulplätze. Da es dem Bund bisher verfassungsrechtlich verboten ist, die Länder und Gemeinden im Bildungsbereich finanziell zu unterstützen, soll das sogenannte Kooperationsverbot aufgehoben werden.

          5. Rentenreform: Das heutige Rentenniveau soll gesichert, und die Beiträge sollen durch „einen neuen Generationenvertrag“ stabilisiert werden. Zudem will man eine Solidarrente, damit alle, die Vollzeit gearbeitet und Sozialbeiträge gezahlt haben, nicht von Altersarmut bedroht sind.

          6. Gesundheits- und Pflegereform: „Wir wollen alle Menschen in Deutschland auf die gleiche Weise versichern und dazu eine Bürgerversicherung einführen.“ Die Beiträge zur Krankenversicherung sollen in gleichem Maße von Arbeitgebern und Beschäftigten gezahlt werden und auch Beamte und wohlhabende Bürger in die Versicherung einzahlen – bisher sind sie in der Regel privat versichert. In der Pflege soll es viel mehr Personal und eine bessere Bezahlung geben.

          7. Investitionen, Stärkung von Kommunen und Entlastung von Familien: Es soll massiv in ein schnelles Internet, bessere Straßen und sozialen Wohnraum investiert werden, Kommunen sollen besser unterstützt werden. Familien mit Kindern, Alleinerziehende und Haushalte mit kleinen und mittleren Einkommen sollen stärker entlastet werden. Höchste Einkommen und Vermögen sollen stärker besteuert werden und Steuerhinterziehung und Steuervermeidung stärker bekämpft werden.

          8. Neue Mietpreisbremse: Der soziale Wohnungsbau soll ausgeweitet werden, um die hohen Mieten gerade in den Großstädten zu bekämpfen. Nach der weitgehend wirkungslosen Mietpreisbremse sollen mit einem neuen Gesetz die Rechte der Mieter gestärkt werden.

          9. Einwanderungs- und Flüchtlingspolitik: Die SPD will ein modernes Einwanderungsgesetz, das den Zuzug qualifizierter Arbeitskräfte ermöglicht und legale Einwanderung besser steuert. Menschen, die vor Krieg und Verfolgung fliehen müssen, erhalten weiterhin Schutz. „Eine Obergrenze, die diesen Grundsatz in Frage stellt, lehnen wir ab.“ Und: Die temporäre Aussetzung des Familiennachzugs bei Flüchtlingen soll nicht verlängert werden – die Union lehnt das strikt ab. Das Angebot von Sprach- und Weiterbildungskursen soll ausgeweitet werden.

          10. Mehr Polizei: „Die offene Gesellschaft muss sich gegen ihre Feinde schützen“, betont die SPD. Das setze einen handlungsfähigen Rechtsstaat voraus, mit mehr Polizei und einer starken Justiz.

          11. Klimaschutz und Energiewende: Konsequenter Ausbau erneuerbarer Energien, schrittweiser Kohleausstieg. Die von Strukturwandel betroffenen Regionen sollen finanziell unterstützt werden.

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