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Freitag, 10. Februar 2012
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Einsturz des Kölner Stadtarchivs Schramma tritt nicht mehr an

29.03.2009 ·  Der Kölner Oberbürgermeister zieht die Konsequenzen aus der Kritik an seinem Krisenmanagement und wird Ende August nicht für eine weitere Amtszeit kandidieren. Seit dem Einsturz des Kölner Stadtarchivs werde „spekuliert, verdächtigt, verunglimpft, vorverurteilt“, schimpft Schramma.

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Wegen der wachsenden Kritik an seinem Krisenmanagement nach dem Einsturz des Historischen Stadtarchivs verzichtet der Kölner Oberbürgermeister Fritz Schramma auf eine abermalige Kandidatur als Stadtoberhaupt.

Der 61 Jahre alte CDU-Politiker sagte am Sonntag, er sehe in diesem Schritt die einzige Möglichkeit, das Unglück aus dem Wahlkampf herauszuhalten und so Schaden von der Stadt abzuwenden. Die nordrhein-westfälische SPD-Vorsitzende Hannelore Kraft sprach dagegen von einem „überfälligen Schritt“. Schramma habe sich „endlich seiner politischen Verantwortung gestellt“.

„Spekuliert, verdächtigt, verunglimpft, vorverurteilt“

Schramma betonte, das Unglück und seine Folgen für Köln seien so schwerwiegend, dass es sich verbiete, zu den üblichen politischen Ritualen überzugehen und politischen Profit daraus zu schlagen. Er habe deshalb mehrfach an alle Beteiligten appelliert, das hochsensible Thema aus dem politischen Gezänk herauszuhalten. „Meine Appelle stießen auf taube Ohren. Stattdessen wird weiter spekuliert, verdächtigt, verunglimpft, vorverurteilt. Offensichtlich ist vielen der Wahlausgang wichtiger, als das langfristige Wohl unserer Stadt“, sagte Schramma udn fügte hinzu: „Offensichtlich gibt es viele, die aus wahltaktischen Gründen keine Tabus kennen.“

Sein Auftrag als Oberbürgermeister sei es jedoch, Schaden von der Stadt und ihren Bürgern fernzuhalten. Deshalb habe er sich entschlossen bei der nächsten Kommunalwahl am 30. August nicht mehr für den Posten des Oberbürgermeisters der viertgrößten deutschen Stadt zu kandidieren.

Bei dem Gebäudeeinsturz waren zwei junge Männer im Alter von 17 und 24 Jahren ums Leben gekommen. Zudem wurden Tausende wertvolle historische Dokumente vernichtet. Er habe es als seine politische Verantwortung angesehen, alles zu tun, damit diese Krise in Köln so verarbeitet werden kann, wie es ihr angemessen ist, erklärte Schramma. Dazu gehöre es auch, alles zu tun, um den Opfern und Betroffenen zu helfen und verlorenes Vertrauen zurückzugewinnen.

Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Schramma

Schramma hatte im Zusammenhang mit dem Einsturz des historischen Stadtarchivs mehrfach unglücklich agiert. Seine heftige Kritik am Kölner Baudezernenten, dem er vorwarf, ihn nicht ausreichend über Probleme beim U-Bahn-Bau informiert zu haben, erweckte außerdem bei vielen Beobachtern den Eindruck, dass er seine Verwaltung nicht im Griff habe. Zuletzt hatte zudem die Kölner Staatsanwaltschaft Ermittlungen gegen Schramma eingeleitet. Anlass sind angeblich ungenehmigte Tonbandaufzeichnungen von internen Sitzungen des Koordinierungsstabs zum Archiveinsturz.

Die Fehler beim Krisenmanagement ließen zuletzt auch seine Chancen bei der Kommunalwahl sinken. In einer repräsentativen Umfrage, die „Kölner Stadt-Anzeiger“ und Kölner „Express“ vorab veröffentlichten, gaben in der vergangenen Woche nur noch 37,6 Prozent der Befragten an, bei der OB-Wahl für Amtsinhaber Schramma zu stimmen. 50 Prozent sprachen sich für Schrammas Herausforderer Jürgen Roters (SPD), 12,4 Prozent für einen anderen Kandidaten aus. Der frühere Polizei- und Regierungspräsident Roters (SPD) ist gemeinsamer Kandidat von SPD und Grünen.

Kandidat Adenauer?

Wie aus Kölner CDU-Kreisen verlautete, erwägt die Partei den stellvertretenden Vorsitzenden der CDU/CSU- Bundestagsfraktion, Wolfgang Bosbach, aufstellen. Eine Zusage von ihm galt jedoch als unwahrscheinlich. Konrad Adenauer, ein Enkel des ersten Bundeskanzlers, sagte der Zeitung „Die Welt“, er stehe nicht zur Verfügung. Zuvor hatte ihn die der Zeitschrift „Spiegel“ anders zitiert: „Wenn die Parteiführung auf mich zukäme, dann würde ich mir das sehr gründlich überlegen.“

CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla und Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) dankten dem aus dem Amt scheidenden Oberbürgermeister. Der Generalsekretär der nordrhein-westfälischen SPD, Michael Groschek, vertrat dagegen die Ansicht, Schramma sei „Opfer eines politischen Attentats von sogenannten Parteifreunden“ geworden.

Bis zur Übergabe der Amtsgeschäfte an seinen Nachfolger voraussichtlich am 20. Oktober will Schramma noch weitermachen. Die Entscheidung, nicht mehr anzutreten, gebe ihm nun gerade die Möglichkeit, sich voll auf das Krisenmanagement zu konzentrieren. „In diesem Sinne wünsche ich mir einen Neuanfang für die politische Kultur in unserer Stadt“, sagte er.

Schramma war seit 2000 direkt gewählter Oberbürgermeister in Köln. Der Verzicht auf eine abermalige Kandidatur sei ihm sehr schwer gefallen, gestand Schramma ein: „Köln ist mein Traumjob“.

Quelle: FAZ.NET mit AP/Reuters/ddp
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