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Einfluss auf Debatten : Ist die Politikwissenschaft irrelevant?

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Vorlesung an der Uni Kiel Bild: dpa

Der Vorwurf der Granden des Faches: Die großen Debatten geraten im Kampf der Jungen um Drittmittel aus dem Blick. Drei junge Professoren setzen zur Verteidigung an.

          Sind Teile der Politikwissenschaft irrelevant? So lautet der abermals aufgewärmte Vorwurf eines Kollegen, der sich besonders an die Jüngeren richtet: Sie seien zu wissenschaftlich und zu stark spezialisiert. Die wichtigen Fragen gerieten dadurch aus dem Fokus. Große, bedeutende, eben politische Fragen bearbeiteten dagegen diejenigen, so legt es der Umkehrschluss nahe, die die eigene Arbeit einer Qualitätsprüfung entziehen, nicht in englischsprachigen Fachzeitschriften veröffentlichen und die keine Drittmittel einwerben. Diese Vorwürfe haben Frank Decker und Eckhard Jesse letztes Jahr in der F.A.Z. erhoben und sie wurden kürzlich durch Carlo Masala in der „Zeit“ wiederholt.

          Diese Debattenbeiträge machen einen unhaltbaren Gegensatz auf. Da wird die öffentlich sichtbare, in Zeitungen und Talkshows präsente, bei Parteien, „Militärs“ und Ministerialbeamten gerne gesehene Politikwissenschaft der vermeintlich unsichtbaren gegenübergestellt, die im Streben nach möglichst vielen Zeitschriftenartikeln und Drittmitteln das Wesentliche aus den Augen verliert. Sie schüren damit, möglicherweise unbewusst, das Vorurteil, dass sich nur diejenigen öffentlich äußern, die im Fach wenig anerkannt sind. Dabei müsste doch das Ziel sein, sowohl wissenschaftlich anerkannt als auch öffentlich sichtbar zu sein. Im Idealfall bilden wissenschaftliche Erkenntnisse, die vorab durch ein zugegeben kritisches Fachpublikum geprüft worden sind, die Grundlage von Politikberatung oder öffentlichen Äußerungen. Wer eine starke Politikwissenschaft möchte, muss das eine tun, ohne das andere zu lassen. Und zahlreiche Kolleginnen und Kollegen schaffen beides.

          Der gerne erhobene Vorwurf mangelnder Sichtbarkeit beruht vermutlich auf den Grenzen der eigenen Rezeptionsfähigkeit. Wir als Politikwissenschaftler nehmen quasi stündlich „Analysen des Politischen“ vor und verbreiten die Ergebnisse, wenn sie theoretisch-kausal begründbar sind, adäquaten Methoden bzw. empirischen Überprüfungen standhalten und damit für andere nachvollziehbar sind, nicht nur über Fachmedien, sondern auch über die Pressestellen der Universitäten und Institute sowie über Webseiten und Blogbeiträge national wie international. Diese Forschungserkenntnisse werden – so ist unser Eindruck – immer häufiger von den Medien aufgegriffen und in der Politik nachgefragt. Von einem Rückzug der Politikwissenschaft kann keine Rede sein. Wenn wir uns äußern, sollte sich dies aber immer auf Forschungsergebnisse beziehen. Falls sich die politischen Universalgelehrten, die sich wahllos zu allem äußern, wozu sie gefragt werden, auf dem Rückzug befinden, wäre das dagegen nur zu begrüßen.

          „Peer Review“ steigert Qualität

          Nun mag es Außenstehenden nicht immer klar sein, warum die Hilfskrücke peer review wichtig ist. Gemeint ist damit die anonyme Bewertung der eigenen Arbeit durch Fachkolleginnen und -kollegen. Dieses Verfahren dient dazu, möglichst objektive Urteile darüber zu erlangen, ob ein Aufsatz oder ein Buch neue Erkenntnisse bietet, theoretisch interessant ist und methodisch überzeugt. Auch bevor öffentliche Mittel für ein Forschungsprojekt bewilligt werden, muss geprüft werden, ob sich die Ausgabe lohnen wird. Manchmal geht diese Begutachtung schief, weil sie von Menschen verfasst wird, die selbst wissenschaftliche Vorlieben haben, mit bestimmten Theorien nicht so vertraut wie notwendig sind oder schlicht zu viel zu tun haben. Im Großen und Ganzen funktioniert dieses Verfahren jedoch. Meistens bekommen wir Rückmeldungen, die hilfreich sind und durch die wir etwas lernen. Die besten Kommentare bekommt man häufig bei Fachzeitschriften, die international besonders anerkannt sind. Wer dieses, sicher nicht perfekte Verfahren kritisiert, muss zumindest andeuten, was an dessen Stelle treten sollte.

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