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Veröffentlicht: 25.01.2013, 16:10 Uhr

Ein Mordfall und Mobilfunkdaten Eine Nummer zu viel

Ein Augsburger Mordfall führte schnell zu den Tätern: Die Frau und deren Geliebter waren es. Eine Telefonnummer verriet sie, die auf Vorrat gespeichert war. Heute wären sie entkommen.

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© Polizeipräsidium Augsburg Auch Funkdaten sind nur Spuren: Nutzlos, wenn sie gelöscht werden

Weil er A. über alles liebte, nahm B. einen Kredit auf und kaufte für seine Ehefrau und sich eine geräumige Eigentumswohnung in Augsburg. Er arbeitete tagsüber in einer Kunststofffabrik und fuhr danach bis in die Nacht Taxi. Die Wohnung wollte er so schnell wie möglich abbezahlen. Denn A. sollte es gut haben bei ihm. Die Liebe würde dann von ganz allein kommen, das war der Plan. Auch A.s Familie sah es so. Schon vor der Hochzeit hatte sie die Einwände ihrer Tochter gegen die arrangierte Ehe mit B. abgetan. Doch es half alles nichts. A. würde B. nie lieben.

Karin Truscheit Folgen:

Während B. arbeitete, traf sich A. mit Freundinnen im Café. Und mit M., einem entfernten Verwandten, den sie seit ihrer Kindheit kannte und der in England wohnte. Die Liebe, die sie B. nicht entgegenbringen konnte, empfand sie für M. Aber auch M. war verheiratet. Die Sache war aussichtslos. Eine Scheidung verboten Kultur und Familienehre. Man traf sich also im Verborgenen, jahrelang. In Deutschland oder auch in der Türkei, wo A. oft viele Monate ohne ihren Mann bei ihrer Familie verbrachte. Wenn man sich nicht sah, wurde telefoniert. Und es wurden unzählige SMS verschickt, meistens wenn B. arbeitete. Er werde sie befreien, sagt M. immer wieder. Er werde B. umbringen.

Tödliche Messerstiche

Es dauerte, bis A. und M. gemeinsam beschlossen, das wirklich zu tun. Am 8. September 2009 sollte es so weit sein. Schon im Juli war A. in die Türkei gereist. Einen Monat später folgte ihr M. aus England in die Türkei. Niemand würde sie als Täter verdächtigen, wenn sie doch beide in der Türkei waren. Am 8. September flog M. von Ankara nach München, im Gepäck den Schlüssel zur Wohnung von A. und B. Er wusste von A., dass B. erst um 22.30 Uhr von seiner Schicht nach Hause kam. Um kurz vor acht Uhr rief er vom Festnetzanschluss der Augsburger Wohnung bei A. in der Türkei an. A. sagte ihm, wo in der Küche die großen Messer und wo eine große Vase zu finden seien. Also holte sich M. zwei Messer und eine Marmorvase, zweieinhalb Kilogramm schwer. Er streifte sich Einmalhandschuhe über, wie man sie im Baumarkt kaufen kann. Dann versteckte er sich in der Wohnung.

Gegen 22.30 Uhr kam B. nach Hause. Noch vor der Tür zog er wie immer die Schuhe aus, öffnete die Haustür und ging zum Flur, um aus dem Schuhschrank seine Pantoffeln zu holen. Als er gerade seine Hausschuhe anziehen wollte, kam M. aus seinem Versteck und schlug B. die Vase auf den Hinterkopf. B. stürzte, M. schlug weiter zu und stach mit beiden Messern auf B. ein. Die Klingen verbogen, so dass sich M. ein weiteres Messer aus der Küche holte. Dann schlug er mit dem Rest der Vase weiter auf seinen Kopf ein, bis die Vase vollständig zerbrach. Zu diesem Zeitpunkt lag B. schon schwer verletzt am Boden. Zwei Messerstiche schließlich waren tödlich. M. ging ins Badezimmer, wusch sich und nahm aus B.s Kleiderschrank frische Kleidung. Er löschte das Gespräch, das er vorher mit A. geführt hatte, aus dem Festnetzspeicher des Telefons. Er warf die blutige Kleidung und die Einmalhandschuhe, die während des Kampfes gerissen waren, in den Müll. Dann fuhr er zum Hauptbahnhof in Augsburg und mit dem Zug nach München. Von dort nahm er die S-Bahn zum Flughafen. Am nächsten Morgen flog er zurück nach Ankara.

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Vor der Tat hatte er mit A. 37 SMS ausgetauscht, nach der Tat und bis zu seiner Ankunft in der Türkei rund 50 SMS. Am 9. September wurde B. von einem Arbeitskollegen in der Wohnung tot aufgefunden, noch am selben Tag wurde seine Ehefrau in der Türkei verständigt. Einen Tag später besuchte M. sie in ihrem Elternhaus in der Türkei, um ihr zu kondolieren. Kurz darauf flog die junge Witwe mit Verwandten nach Deutschland. Am 24. September, 16 Tage nach der Tat, wurde sie festgenommen. M. blieb zunächst in der Türkei, flog erst am 29. Oktober zurück nach London. Am Flughafen wartete schon die Polizei.

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