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Eichsfeld Wo selbst das Brot katholisch ist

 ·  Ohne die Stimmen aus dem konservativen Eichsfeld würde sich die thüringische CDU auf Augenhöhe mit der Linkspartei bewegen. Immer waren die eigensinnigen Bewohner dieses Landkreises von Andersdenkenden umzingelt. Jetzt droht dem besonderen Milieu dieser Gegend der Zerfall.

Artikel Bilder (3) Lesermeinungen (17)
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Lang Hafer
Lang Hafer (Langhafer) - 10.01.2013 10:19 Uhr

Der Niedergang des katholischen Milieus im Eichsfeld

Der Niedergang des Milieus im Eichsfeld ist sicherlich wohl eine zutreffende, doch keineswegs neue Beobachtung. Diese Tendenz lässt sich schon seit längerem erkennen. "Bismarck, Hitler, Honecker haben das katholische Milieu nicht in die Knie zwingen können. Der bundesdeutschen Demokratie und Marktgesellschaft wird das aber mühelos gelingen", prognostizierte bereits vor einigen Jahren der Politikwissenschaftler Franz Walter. Herr Müller weiß aber in seinem Beitrag nicht nur Altbekanntes, sondern auch grundsätzlich Falsches zu berichten. Etwa ist die These, man empfinde sich "in erster Linie als Eichsfelder, weniger als Niedersachse oder Thüringer" nicht richtig. Schon Mitte der 1990er Jahre wies Günther Weiss in seiner Studie darauf hin, dass die deutsche Teilung bei den Eichsfeldern deutliche Spuren hinterlassen hatte und man sich entweder als ost- oder westdeutscher Eichsfelder begreife. Ein übergreifendes Gemeinschaftsgefühl bestehe nach Weiss nicht.

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Stefan Rieger
Stefan Rieger (Sfan) - 05.01.2013 01:35 Uhr

Wir im Eichsfeld

Schön, dass es uns im Eichsfeld so gut geht!
Wir Eichsfelder waren schon vor der Wende "anders" und heutzutage auch wieder. Es hat uns wohl nicht geschadet!

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Antwort (1) zu dieser Lesermeinung anzeigen neueste Antwort: 05.01.2013 11:09 Uhr
Raika Geng
Raika Geng (Lailaps) - 05.01.2013 11:09 Uhr

@Stefan Rieger: Hoher Preis fürs Gut-Gehen

"Besucht man die Bäckereien der Region, fallen die nach Bischöfen, Kardinälen und sogar dem Heiligen Vater benannten Brotsorten auf - so mancher der Brotpatrone begann seine kirchliche Karriere als Kaplan im Eichsfeld."(FAZnet)

Es stellt sich mir bei solcher Volksfrömmelei die Frage, ob das "Gut-Gehen" im Eichsfeld durch die dauernde Verdrängung von Peinlichkeiten nicht doch recht teuer erkauft werden muß

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Klaus Letis

Dier Katholizismus bietet ein realitisches Modell

Wen alle sich an die Regeln halten, kann eine Gesellschaft daraus leben.

Aber:
Die katholishcen Menschen können nicht verlangen, dass sich alle zum Katholizismus bekennen.
Damit wir es schwierig. Auch für die Katholiken. Abgrenzung und Aufklährung sind dann zulässig. Kein Protestant kann ein gemeinsames Abenmahl einfordern. Dazu sind die Unterschiede zu groß.

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Michael Meier
Michael Meier (never1) - 04.01.2013 11:18 Uhr

Beschriebenes Utopia....

.... und das in einer hochkatholischen Gemeinde. Da müßten die stets progressiven Kirchenkritiker und links-grünen Sozialromantiker doch vor Gram im eigenen atheistischen Saft leiden :-) :-)

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Closed via SSO

Wo das Christentum noch lebendig ist, da prägt es die Menschen ...

und nicht zum Nachteil des öffentlichen Lebens und der Gesellschaft, wie der Artikel sehr schön beschreibt. Selbst der zwangsweise verordnete Sozialismus konnte das in der Region tief verwurzelte christliche Leben nicht auflösen, was deutlich belegt, dass hier kein Glaubenszwang am Werke war und ist. Entgegen dem vom Säkularismus immer wieder vorgebrachten Argument, christlicher Glaube hindere den gesellschaftlichen Fortschritt, zeigt das Beispiel Eichsfeld, dass das Gegenteil der Fall ist. Wo das Christentum seine Wurzeln verliert und an seine Stelle ein allein von Leistung und Konkurrenzkampf dominiertes Denken tritt, das zudem die letzten Fragen des Menschen einfach ausklammert, erschöpft sich das Gemeinwohl. Es ist dann nur noch geprägt von der Auseinandersetzung der sich immer neu definierenden Egoismen. Das Christentum ist eben nicht eine Ballast, der die Menschen beschwert und das freie Denken erstickt, sondern das Sinnstiftende, das menschliche Gemeinschaft lebendig erhält.

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Antworten (7) zu dieser Lesermeinung anzeigen neueste Antwort: 04.01.2013 17:25 Uhr
Günther Werlau

@RAIKA GENG: Kennen Sie den Landstrich oder jemanden von dort?

Die Menschen, die da wohnen, leben mit ihrer Art, nach ihrer Art. Oder wie wachsen Menschen "nach ihrer Art heran" - doch wohl nur durch Nachleben dessen, was ihnen vorgelebt wird. Wenn Sie behaupten, es gäbe genau eine "richtige" Art des Heranwachsens, dann sind Sie auf der gleichen Ebene wie ein Mensch mit Konfession, der geht nämlich auch von der Existenz einer allgemeingültigen Wahrheit aus.

Nur weil die Bevölkerung einer ländlichen Gegend homogener ist als eine durchschnittliche deutsche Großstadt, heißt das nicht, dass alles andere unterdrückt wird. Und indoktriniert wird heute in christlichen Gemeinschaften auch kaum noch - dazu ist die eigene Unsicherheit viel zu groß geworden. Das ist ähnlich der Kindererziehung, heute gibt es 100 verschiedene Erziehungsstile und keiner ist sich mehr sicher, ob sein Stil richtig ist. Im Eichsfeld wird diese Unsicherheit erst in der nächsten Generation flächendeckend sein. Aber, und das wird Sie beruhigen, sie kommt.

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Raika Geng
Raika Geng (Lailaps) - 04.01.2013 15:43 Uhr

@Marvin Parsons: Lebensart wird vorgegeben, nicht zugelassen

"Von der Konfession geht bis heute eine tiefe kulturelle Prägung aus, der sich keiner, der dort aufwächst, entziehen kann." (FAZnet)

"Lassen Sie die Menschen doch nach ihrer Art leben." (Parsons)

Wenn es nach mir ginge, würde ich die heranwachsenden Menschen dort gerne nach ihrer Art leben lassen.
Ganz offensichtlich läßt das dort aber eine ganz bestimmte Konfession mittels ihrer tief- greifenden Indoktrinations-"Erfolge" (siehe obiges Zitat) nicht zu.

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Marvin Parsons
Marvin Parsons (mapar) - 04.01.2013 14:50 Uhr

@ R. Geng: Alles hat seinen Platz

Lassen Sie die Menschen doch nach ihrer Art leben.

Ihren Materialismus und das Antireligiöse können Sie doch trotzdem genießen, zum Beispiel in Nordkorea. Da werden Sie nicht von sichtbaren religiösen Aktivitäten am Genuß Ihrer Freiheit gestört; dort herrscht die reine Aufklärung.

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Raika Geng
Raika Geng (Lailaps) - 04.01.2013 12:42 Uhr

@Ralf Vormbaum: Selbstverschuldete Unmündigkeit durch Unterwerfung unter Rom

Mein Beitrag ist keine Polemik, sondern er gründet sich auf eine sehr berechtigte Kritik an religiösen Gemeinschaften, deren Kennzeichen gerade das "freie Denken" nicht ist, sondern das althergebrachte, traditionelle Denken.

Der gelebte, "lebendige" Glauben an die katholischen Wahrheiten und Dogmen zeugt von der Selbstbegrenzung des Denkens und spricht durch die Unterwürfigkeit unter Rom trotz reformatorischer und besser noch aufklärerischer Alternativen für eine selbstverschuldete Unmündigkeit dieser Region.

Mich ärgern solche Anachronismen nicht so sehr, sie machen mich eher traurig.

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Günther Werlau

@RAIKA GENG: Kennen Sie den Landstrich oder jemanden von dort?

Bevor Sie die Bazooka auspacken, vielleicht die Frage: Kennen Sie den Landstrich oder jemanden vor dort? Ich bin dort aufgewachsen und fühle mich nicht als Teil einer Sekte. Hirnwäsche gab es bei uns nicht und Denkverbote auch nicht. Vielleicht kann man dem Landstrich in Bezug auf Religiösität in kleinem Umfang ein Mehr an Oberfläche und ein weniger an Tiefe vorwerfen. Aber bei welcher "Massenbewegung" ist das nicht so?

Ihrem Kommentar betrachtend, scheint mir der zugrundeliegende Artikel dient Ihnen nur als Projektionsfläche für eine allgemeinen Hass auf die RRK oder Glaubensgemeinschaften allgemein. Das ist in seiner profanen Zeitgeistlichkeit weder erhellend noch sonst irgendwie interessant.

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Closed via SSO

Frau Geng,

Ihre reflexartige Polemik scheint mir auf einem Weltbild zu gründen, das die Eichsfelder über Jahrzehnte der Indoktrinationsversuche nicht hat beeindrucken können; fraglos zu recht.

Den lebendigen Glauben in einer ganzen Region (Eichsfeld ist kein Ort!) als sektenhaft zu bezeichnen, der "freies Denken" ersticke, offenbart deutlich den Ärger darüber, dass das Gemeinwesen in der Region Eichsfeld ein solches noch ist.

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Raika Geng
Raika Geng (Lailaps) - 04.01.2013 11:31 Uhr

@Ralf Vormbaum: Sektenhafte Gemeinschaft

"Das Christentum ist eben nicht eine Ballast, der die Menschen beschwert und das freie Denken erstickt, sondern das Sinnstiftende, das menschliche Gemeinschaft lebendig erhält."(Vormbaum)

Mit Verlaub, Herr Vorbaum, es geht in diesem Ort nicht ums "Christentum", schon gar nicht um eine gelebte jesuanische Ethik, sondern um einen praktizierten, in diesem Fall sektenhaft funktionierenden Katholizismus, der an sich schon wegen der Kriminalgeschichte der RKK und der jesusfernen Ästhetisierung bzw. Ritualisierung des Religiösen fragwürdig ist.

Solche "Gemeinschaften" funktionieren auch anderswo, beispielsweise in den USA.
Das "freie Denken" ist dabei selbstverständlich erstickt, genauso wie jegliche Individualität.

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Closed via SSO

Stunde der Spin-Doktoren

Nun kommen unsere Politiker und werden den Zustand dieses Ortes für das Volk erklären. Die CDU wird sagen, den Eichfeldern gehe es so gut, weil sie CDU wählen und denkt insgeheim darüber nach wie man den Eichsfeldern ein paar Obuli mehr für den Staat abpressen kann. Die SPD wird bemängeln, dass auch in Eichsfeld die Schere zwischen arm und reich immer weiter auseinandergehe und nur eine Reform des Schulwesens und höhere Abgaben könne diese Ungerechtigkeit beseitigen. Die Linke wird uns erzählen, dass der bescheidene Wohlstand dieser Region nur auf der Ausbeutung der Obdachlosen in dieser Region basiere. Und unsere Grünen werden den Eichsfeldern vorhalten, dass es ihnen noch viel besser ginge wenn nur genügend muslimische Migranten mit ihren Moscheen den katholischen Mief beseitigten.

Vielleicht geht es den Eichsfeldern so gut, weil sie von der Bundespolitik bislang verschont blieben. Aber es wäre doch gelacht, wenn unsere Elite nicht auch diesen Ort noch kleinbekäme.

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Dietmar Fleischhauer

Wenn die Union

den Zielgruppenwechsel vollends durchgezogen hat, kann sie locker auf solch altmodisches Stimmvieh verzichten. Ist das nicht toll?

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K Zinser
K Zinser (kzin) - 04.01.2013 08:46 Uhr

Bei einem derartigen Lob wäre doch ein Vergleich zu anderen Regionen in Deutschland sinnvoll

Schauen wir doch mal nach Baden-Württemberg. Das konservative Oberschwaben wird seit Jahrzehnten von der CDU beherrscht. Noch heute wird der CDU Kandidat wird in die Parlamente gewählt. Unabhängig von der Qualifikation. Andererseits,es gibt einige Bereiche wo ein Mangel an Demokratie herrscht. Transparenz ist teilweise zweitrangig.

In der Kommunalpolitik herrscht teilweise Willkür. Nicht die Sinnhaftigkeit entscheidet über die Verteilung der hart erarbeiteten Steuergelder sondern die Macht einiger Herrschenden welche die Gelder oft zum eigenen Wohl bzw dem Wohl der (Partei-) Freunde umverteilen. Selbst das Rechtssystem (Polizei und Gerichte) agieren unterschiedlich wenn es um Andersdenkende geht.
Hier wäre ein Vergleich der Regionen in Baden Württemberg sinnvoll. Die protestantischen Regionen um Stuttgart haben sich industriell schneller entwickelt.

Ob Eichsfeld oder Baden Württemberg: Es sind die Menschen und nicht die Partei oder der Glaube.

Filz und Korruption sind schädlich.

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Antwort (1) zu dieser Lesermeinung anzeigen neueste Antwort: 04.01.2013 11:40 Uhr
Gerhard Katz

Im protestantisch-pietistischen Alt-Württemberg

war durch die andauernde Landzersplitterung per Realteilung im Erbfalle ein existenzsichernder Betrieb der Landwirtschaft praktisch unmöglich geworden, die relativ frühe Industrialisierung wurde trotz der schlechten Verkehrslage und nicht vorhandener Rohstoffe geradezu erzwungen.

In Oberschwaben ging Grundbesitz durch das Anerbenrecht an EINEN Erben, der weitere Erbberechtigte abzufinden hatte. Dies und die weit geringere Bevölkerungsdichte liessen einen Zwang zur frühen Industrieentwicklung erst gar nicht aufkommen.

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04.01.2013, 07:43 Uhr

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