Wer hat nun recht, Jürgen Habermas, der Wolfgang Schäuble „den letzten profilierten Europäer im Kabinett“ genannt hatte? Oder das Karlspreis-Direktorium, das den Bundesfinanzminister Schäuble in diesem Jahr mit dem Internationalen Karlspreis zu Aachen auszeichnet? Dass zwischen dem Philosophen und der Jury ein kleiner, aber wichtiger Widerspruch in der Einschätzung Schäubles besteht, zumindest bestehen könnte, wird nur dem klar, der sich in Erinnerung ruft, dass Angela Merkel den Karlspreis schon 2008 erhalten hat und es im Bundeskabinett somit mindestens zwei „profilierte Europäer“ gibt. Doch Wolfgang Schäuble ist dabei der weitaus dienstälteste europäisch nicht nur fühlende, sondern vor allem denkende und gestaltende in Regierung und Parlament aktive Amtsträger Deutschlands.
Als Kind der badisch-elsässischen Region hat der 1942 geborene CDU-Politiker früh den Unterschied zwischen Aufgeschlossenheit und Entschlossenheit in Sachen Europa wahrgenommen. Schon in seiner zweiten Periode als Abgeordneter des Wahlkreises Offenburg leitete er von 1979 an die Arbeitsgemeinschaft Europäischer Grenzregionen. Nach dem Wechsel von der Opposition zur Regierungsmehrheit rückten im Auftrag des Bundeskanzlers und Parteivorsitzenden Kohl für Schäuble andere Themen in den Vordergrund.
Sparforderungen als Ausdruck deutscher Übermacht?
Als Bundesinnenminister, dem die Verantwortung für den deutsch-deutschen Einigungsvertrag oblag, lernte er die Vorzüge der Europäischen Gemeinschaft auch und gerade in weltpolitischen Umbrüchen kennen. „Ohne unsere Einbettung in die Europäische Union wäre die friedliche Wiedervereinigung Deutschlands unendlich schwieriger geworden - wenn nicht unmöglich“, stellte er rückblickend fest. Ohne „die tiefe Verwurzelung Deutschlands im vereinten Europa“, so lässt sich sein Gedanke zu Ende denken, hätten wohl viele Nachbarvölker den Deutschen nicht einmal fünf Jahrzehnte nach dem Kriegsende die Einheit der Nation wohl (noch) nicht gegönnt.
Jetzt, zwei Jahrzehnte später, ist Schäuble, der inzwischen das Konzept eines Europas der zwei Geschwindigkeiten mit ausgearbeitet hat, welches sich heute als die Zweiteilung der EU-Mitglieder mit und ohne Euro darstellt, mit einem ähnlichen politischen Klima wie 1989/90 konfrontiert. Manche Länder und die politischen Widersacher im linken Parteienspektrum Europas verdächtigen die Forderungen und Auflagen Frau Merkels und ihres Finanzministers zum Sparen und Schuldenvermeiden als Ausdruck deutscher Übermacht in der Eurozone und in der gesamten EU.
Schäuble sucht dem nach Kräften entgegenzuwirken und ist nun sogar bereit, den Vorsitz in der Eurogruppe zu übernehmen. Welches Gespür für die Seelenlage der anderen Nationen dies von ihm verlangen wird, wird durch den Vergleich mit seinem luxemburgischen Vorgänger Juncker, dem Karlspreisträger des Jahres 2006, deutlich. Auf den Vertreter des kleinsten Landes folgt der Beauftragte des größten Mitgliedslandes. Ein gewaltiger Eignungstest für den Europäer Schäuble. Der Karlspreis des Jahres 2012 könnte ihm dabei helfen.
Staatenbund oder Bundesstaat
Horst Ziegler (pacificatore)
- 19.05.2012, 09:44 Uhr
Jesus: Ihr sollt nicht Ehre voneinander nehmen
Christoph Rohde (prediger1)
- 17.05.2012, 22:13 Uhr
Euro-Krise könnte Deutschland nach Einschätzung d
Ifo-Präsidenten Sinn bis zu ca 1 Billion E kosten
günther reichert (g.reichert)
- 17.05.2012, 21:13 Uhr
Die EU wird den Bach runter gehen...
Bernd Seggewiß (Der4telVorZwoelfte)
- 17.05.2012, 20:07 Uhr
Dieser Preis kostet uns als Steuerzahler hunderte von Milliarden €
- und eine Schande ist es zudem!
Rüdiger Noll (krn)
- 17.05.2012, 19:27 Uhr