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KSK : In geheimer Mission verschlissen

  • -Aktualisiert am

Bild: Robert Bochennek

Kommandosoldaten der Bundeswehr werden für harte Einsätze gedrillt. Doch irgendwann streikt der Körper. Und dann? Dann beginnt ein Kampf, in dem sie den Kürzeren ziehen.

          Der Mann behauptet, er habe Menschen getötet. Zehn Jahre lang war er Elitesoldat im Kommando Spezialkräfte der Bundeswehr in Calw (KSK). In Afghanistan jagte er Aufständische, in Afrika spähte er Terroristen aus. Er lebte für den Job, hat seine Gesundheit ruiniert, Freunde und Familie aufgegeben. Nach seiner Kommandozeit wollte er dauerhaft in der Armee bleiben. Die Bundeswehr, sagt er, habe ihm das mündlich garantiert, eine Abmachung als Dank für den entbehrungsreichen Dienst. Nun steht er auf der Straße und fühlt sich auch seinerseits nicht mehr an das Übereinkommen gebunden. Kommandosoldaten sind zur Verschwiegenheit verpflichtet, auch ehemalige. Doch der Mann will reden.

          „Ihr müsst für den Job leben“

          Treffpunkt ist ein kleines Café in einer deutschen Großstadt. Regen peitscht gegen die Fenster, es ist kaum etwas los. Der Mann trägt eine Jeans, blaue Sneakers und einen enganliegenden hellblauen Pullover, unter dem sich ein schmaler Oberkörper abzeichnet. In seinem Haar steckt eine Sonnenbrille. In den Einsätzen, erklärt er, habe er stets Brillen tragen müssen: tagsüber Sonnenbrille, nachts Restlichtverstärkerbrille. Seitdem gehe er nicht mehr ohne aus dem Haus. „Fast jeder Soldat in Calw hat eine Macke“, sagt er lächelnd. Nicht jede sei so harmlos wie seine.

          Vor einiger Zeit hätten sie einen Kameraden mit einem ungeladenen Scharfschützengewehr an der Mittelleitplanke einer Autobahn gefunden. Er habe stundenlang Autos anvisiert, die KSK-Führung sei bemüht gewesen, den Vorfall herunterzuspielen. Doch wie ihre „normalen“ Kameraden kehrten auch KSK-Soldaten mit psychischen Problemen aus ihren Einsätzen zurück. Weil sie Geheimnisträger mit einer besonderen Sicherheitseinstufung seien, gebe es jedoch kaum Psychologen, die sie behandeln dürften, berichtet er. Denn die Psychologen müssten dieselbe Sicherheitseinstufung haben – und dafür langwierige Nachforschungen über sich ergehen lassen.

          Der Mann war 25 Jahre alt, als er Elitesoldat wurde. Er erinnert sich noch gut an den ersten Tag. Ein Ausbilder sei vor die Neulinge getreten und habe gefragt, wer von ihnen eine Freundin habe. Einige Soldaten hoben die Hand. Wenn sie nichts kann, dann schmeißt sie raus, habe der Stabsfeldwebel gesagt. Am Wochenende darauf trennte sich der Mann von seiner Freundin. Er traute ihr nicht zu, dass sie monatelange Abwesenheiten klaglos ertragen und treu bleiben würde. Beziehungsprobleme lenken nur ab, hatte der Ausbilder erklärt. „Das Kommando braucht Leute, die nur für den Job leben“, sagt der Mann.

          Terroristen gefangen nehmen – oder töten

          Seine Ausbildung zum Kommandofeldwebel dauerte zwei Jahre. Er trainierte im österreichischen Hochgebirge, in der kanadischen Arktis, im Dschungel von Französisch-Guayana und in der Wüste Dschibutis. Auf Übungen verschoss er in einer Woche mehr Munition als 600 Soldaten eines Bataillons während eines ganzen Jahres. Dann war er einsatzbereit. Es folgte der erste Einsatz in Afghanistan. Er gehörte der Task Force 47 an, der geheimen Einheit der Bundeswehr, die in einem eigenen Camp im Feldlager Kundus stationiert war.

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