Auf einen Schulaufsteiger kommen in Deutschland mehr als zwei Absteiger. Im Schuljahr 2010/11 wurden etwa 50.000 Schüler zwischen Klasse fünf und zehn auf eine niedrigere Schulform herabgestuft, 23.000 Schülern hingegen gelang der Aufstieg in eine höhere Schulform. Das geht aus einer Studie der Bertelsmann Stiftung zur Durchlässigkeit der Schulsysteme hervor, die am Dienstag in Berlin vorgestellt wurde.
Der Anteil der Schulformwechsler unterscheidet sich in den Bundesländern erheblich. Mehr Auf- als Absteiger gibt es nur in einem einzigen Bundesland, in Bayern. Das hängt mit der Zugangsbegrenzung zum Gymnasium (Notendurchschnitt 2,33 am Ende der vierten Grundschulklasse) zusammen. Jeder zweite Schulaufsteiger in Bayern wechselt nach der fünften Klasse von der Haupt- oder Realschule auf eine höhere Schulform, wiederholt dabei jedoch die fünfte Klasse. Im mehrgliedrigen Schulsystem Baden-Württembergs kamen auf einen Aufsteiger 1,5 Absteiger.
Das ungünstigste Verhältnis zwischen Auf- und Absteigern weise das ebenfalls mehrgliedrige niedersächsische Schulsystem auf, wo auf einen Aufsteiger mehr als zehn Absteiger kämen. Ähnlich ungünstig zeige sich das Berliner Schulsystem, das pro Aufsteiger sieben Schüler herabstufe sowie das nordrhein-westfälische, wo für einen Aufsteiger 5,6 Schüler zurückgestuft würden.
Länder mit starker Hauptschule zeigen größere Durchlässigkeit
Die Struktur der Schulsysteme beeinflusse zwar deren Durchlässigkeit, so die Studie, allerdings sei es nicht ausschlaggebend, ob es sich um ein mehrgliedriges oder zweigliedriges Schulsystem handle. Eindeutig ist, dass Länder mit einer starken Hauptschule, die nicht als Sammelbecken schulisch Gescheiterter gilt - etwa in Bayern oder Baden-Württemberg - über eine größere Durchlässigkeit von unten nach oben verfügen.
Noch geht in Baden-Württembergs Schulen, die sich schon in der ersten Pisa-Studie als die durchlässigsten in Deutschland erwiesen, jeder vierte auf eine Hauptschule oder Werkrealschule. Das Aufstiegspotenzial an Baden-Württembergs Hauptschulen sei aber größer, heißt es in der Studie, weil dort deutlich mehr leistungsstarke Schüler lernten als in den Bundesländern, in denen die Hauptschule mittlerweile als Restschule gelte. Obwohl nach der Grundschule vergleichsweise wenige Kinder aufs Gymnasium gingen (37 Prozent) und bis zur zehnten Klasse wesentlich mehr Schüler das Gymnasium verließen als aus anderen Schulformen hinzukämen, biete das Schulsystem gute Chancen auf das Abitur.
Positiv bemerkbar mache sich die Vielzahl der Wege, die in Baden-Württemberg zur Hochschulreife führten. Mit 53,5 Prozent Studierberechtigten liege Baden-Württemberg deutschlandweit auf Platz zwei hinter Nordrhein-Westfalen. Baden-Württemberg hat bisher an beruflichen Gymnasien vielen Realschülern den Weg zu einem Abitur nach 13 Schuljahren geöffnet. Wie sich die Durchlässigkeit des Schulsystems dort künftig entwickle, sei angesichts der Strukturänderungen ungewiss, hieß es in Berlin.
Fehlen von Anerkennung (von Beitragen zum Gemeinwesen)
Rolf Joachim Siegen (rolfS2)
- 31.10.2012, 17:56 Uhr
Armutszeugnis fuer die deutsche Paedagogik
Rolf Joachim Siegen (rolfS2)
- 31.10.2012, 17:14 Uhr
Systemverschleiernde Scheindiskussion!
Kobech Franz (seichtsichter)
- 31.10.2012, 10:23 Uhr
Je anspruchsvoller, desto leistungsfördernder
Robert Norman (robertnorman)
- 31.10.2012, 09:58 Uhr
Abitur für jedermann?!?
Pierre Bruns (PierreBruns)
- 30.10.2012, 22:03 Uhr