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Alkoholverbot in Duisburg : Kein Alkohol ist auch keine Lösung

Morgens um neun: Mücke (links) und andere Obdachlose am Kältebus in der Duisburger Innenstadt Bild: Stefan Finger

In der Duisburger Innenstadt darf kein Alkohol mehr getrunken werden. Vertreibungspolitik, rufen die Kritiker. Das soll die Attraktivität der Einkaufsstraße erhöhen, sagen die anderen. Und, funktioniert’s?

          Duisburg hat es nicht leicht. Die Schwerindustrie verabschiedet sich, die Arbeitslosigkeit ist hoch, Geschäfte schließen. Aber in der Mitte der Einkaufsstraße, die nicht Königsallee wie im benachbarten Düsseldorf heißt, sondern Königsstraße, haben die Stadtplaner ihren ganzen Stolz zusammengenommen. Dort steht ein vor wenigen Jahren errichtetes Casino, ein modernes Einkaufszentrum, gegenüber einem hell strahlenden Theater und einigen Plateaus mit Rasenflächen, dazu zwei Brunnen. Früher wäre das für die Duisburger ein Ort gewesen, um an lauen Sommerabenden ein Bier zu trinken. Heute nicht mehr. Denn Alkohol ist hier verboten.

          Timo Steppat

          Redakteur in der Politik.

          Verbotsschilder mit durchgestrichenen Flaschen oder Pilstulpen sucht man vergebens. Doch wen das Ordnungsamt beim Trinken erwischt und wer das Bier oder den Schnaps nicht gleich wegschüttet, der muss 35 Euro bezahlen. Es ist eine Testphase, die sich Duisburg bis November gegeben hat – Ziel soll es sein, die Innenstadt attraktiver zu machen.

          Jörg Brotzki, der für die CDU im Stadtrat sitzt, macht sich Sorgen um seinen Wahlkreis. „Wir müssen gucken, dass unsere Stadt nicht kippt“, sagt er. Duisburg sei keine Schönheit, wenn es dann noch Probleme gebe, beschleunige sich der Prozess. Seit Jahren schließen inhabergeführte Geschäfte, wie in anderen Städten. Entweder die Ladenlokale bleiben leer, oder es eröffnen Ein-Euro-Shops und Filialen großer Ketten. „Wenn es immer gleich aussieht, kommt keiner, dann gibt es kein Einkaufserlebnis“, sagt Brotzki. Mit einer anderen Abgeordneten machte er sich im vergangenen Herbst auf den Weg durch die Geschäfte. Er wollte hören, was die Inhaber stört. Viele erzählten von zu hohen Mieten als dem größten Problem, gleich danach erzählten sie von der täglichen Randale. Betrunkene Männer, die mittags in die Geschäfte torkeln, gegen die Schaufensterscheibe pinkeln, Mitarbeiter und Kunden anpöbeln, bespucken. Einem Händler soll in die Auslage gekotzt worden sein.

          Das Problem ist Ordnungsamt und Polizei schon bekannt. Polizisten schildern, dass sie mal einen Platzverweis ausgesprochen hätten, dass die Leute dann aber nur ein paar Meter weiter zögen. Auch die Anzeigen wegen Ruhestörung oder Erregung öffentlichen Ärgernisses hätten nur kurzfristig geholfen, heißt es. Brotzki wollte eine grundsätzlichere Lösung, eine, deren Logik so einfach wie bestechend klang: Verbietet man den Alkohol in einer Gegend, gibt es auch keine Probleme mit Alkoholikern mehr. Im Februar dieses Jahres stellte die CDU im Stadtrat einen Antrag, dem auch die SPD zustimmte. Das Ordnungsamt wurde beauftragt, der Sache nachzugehen. Monika Lesmeister erarbeitete als Ordnungsdezernentin der Stadt ein Konzept. Die Unterlagen dazu hat sie in einem blauen Ordner auf ihrem Tisch liegen. Jeder Schritt ist dokumentiert. Lesmeister wägt ihre Worte genau, Alkohol ist kein einfaches Thema. Ob sie es für sinnvoll halte? Sie räuspert sich, nennt Für und Wider. Sie möchte sich lieber nicht dazu äußern.

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