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Duisburg nach der Abwahl Sauerlands „Die Bewerber werden nicht Schlange stehen“

16.02.2012 ·  Nach der Abwahl Adolf Sauerlands sucht Duisburg nach Kandidaten für seine Nachfolge. Das Unterfangen gestaltet sich schwierig, denn die Stadt ist fast pleite.

Von Reiner Burger, Duisburg
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© dpa Letzter Tag im Amt: Adolf Sauerland verlässt das Rathaus

Es ist ein schlichter Verwaltungsakt, mit dem die Ära Adolf Sauerland am Mittwoch endgültig endet. Um 13 Uhr stellt der Wahlausschuss der Stadt Duisburg im Zimmer 300 des Rathauses das amtliche Endergebnis der Abwahl des Oberbürgermeisters fest: 129.626 Wahlberechtigte haben mit Ja gestimmt, 21.538 mit Nein. „Damit ist der Oberbürgermeister nach der Gemeindeordnung NRW abgewählt“, teilt die Stadt nach der Sitzung des Ausschusses kurz und bündig mit. Elf Stunden später, mit Ablauf des Mittwochs, endet dann Sauerlands Amtszeit.

Ein Nachfolger muss binnen sechs Monaten gewählt werden. Bis es so weit ist, wird Duisburg von einer Doppelspitze geführt. Die Repräsentationsaufgaben übernimmt Sauerlands Parteifreund Benno Lensdorf (CDU), der Erste stellvertretende Bürgermeister. Interimschef der Verwaltung ist Stadtdirektor Peter Greulich, der zwar Mitglied der Grünen ist, aber zu den engsten politischen Freunden Sauerlands gehörte. Greulich stellte sich nach der Love-Parade-Katastrophe stets schützend vor Sauerland, was ihm manche Anfeindung eingebracht hat. Nun mahnt er alle, es gelte Gräben zuzuschütten.

Auf der Suche nach Liebe

In den kommenden Tagen und Wochen wird Duisburg damit beschäftigt sein, einen oder mehrere geeignete Kandidaten für des Amt des Oberbürgermeisters zu finden. Gesucht wird eine möglichst charismatische Person mit Erfahrung in Kommunalpolitik und -verwaltung - sowie mit einer ausgeprägten Liebe zu Duisburg. Besondere Zuneigung ist deshalb so wichtig, weil die Kommune praktisch pleite ist. Wer etwas in Duisburg bewegen will, muss kreativ sein und, wie Sauerland in seinen besseren Tagen, Investoren nach Duisburg locken. Zugleich muss das neue Stadtoberhaupt Kürzungen in Millionenhöhe durchsetzen. „Die Bewerber werden nicht gerade Schlange stehen“, formuliert deshalb ein SPD-Mann.

Die Initiative „Neuanfang für Duisburg“, die das Abwahlverfahren gegen Sauerland durch ein Bürgerbegehren herbeigeführt hat, wirbt für einen „Kandidaten, der parteiübergreifend unterstützt wird“, wie ihr Sprecher Theo Steegmann nicht müde wird zu sagen. Auch die CDU versichert, an „konstruktiven Gesprächen“ interessiert zu sein. In diesen Tagen berät sich die Initiative jedoch erst einmal mit der Duisburger SPD, den Grünen, der Linkspartei, der FDP und den anderen Partnern, mit denen sie sich zum „Abwahlbündnis“ zusammengeschlossen hatte.

Die drängenden Fragen

Allerdings war es kurz vor dem Wahltag zu einem schweren Konflikt innerhalb des Bündnisses gekommen, weil sich die SPD weigerte, den Namen des Sponsors zu nennen, der eine Zeitungsanzeige bezahlt hatte. „Das Abwahlbündnis war nur Staffage und diente als Steigbügel für die SPD, um wieder ans Ruder zu kommen“, heißt es in einer E-Mail, die Werner Hüsken, ein weiterer Sprecher von „Neuanfang für Duisburg“ daraufhin entrüstet an die SPD schrieb. Tatsächlich fiel am Wahlabend auf, wie selbstbewusst der Vorsitzende der Duisburger SPD, Ralf Jäger, im Rathaus auftrat und von einem Neuanfang sprach.

Der Neuanfang geht freilich auch für Jäger in seiner Funktion als nordrhein-westfälischer Innenminister mit der alten, so drängenden wie bisher unbeantworteten Frage zum Thema Love Parade einher. In einem von der Staatsanwaltschaft in Auftrag gegebenen Gutachten zur Ursache der Love-Parade-Katastrophe mit 21 Toten soll ein britischer Panik-Forscher nach übereinstimmenden Berichten mehrerer Medien neben dem privaten Veranstalter und der Stadt Duisburg vor allem die Polizei für ihren Einsatz am 24. Juli 2010 heftig kritisiert haben. Der Innenminister, damals gerade erst ein paar Tage im Amt, hatte „seiner“ Polizei zunächst einen Freibrief ausgestellt.

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Jahrgang 1969, politischer Korrespondent in Nordrhein-Westfalen.

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