Home
http://www.faz.net/-gpf-70bas
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Druck auf Buchhändler WWF drängt kritisches Buch vom Markt

Der WWF versucht den Verkauf eines Buches zu stoppen, das sich kritisch mit der Naturschutzstiftung auseinander setzt. Mehrere Buchhändler haben den Titel schon aus dem Programm genommen. Der WWF teilte mit, er wehre sich damit „gegen falsche Tatsachenbehauptungen“.

© AFP Vergrößern Der WWF Deutschland teilte mit, er stelle sich „selbstverständlich gerne jeder kritischen Berichterstattung“

Mit ungewöhnlicher Schärfe geht die Naturschutzstiftung WWF Deutschland gegen ein Buch vor, das sich kritisch mit dem „World Wildlife Fund“ auseinandersetzt. In seinem Auftrag hat eine Anwaltskanzlei bei großen Buchhändlern wie Amazon oder Libri interveniert und Unterlassungsansprüche geltend gemacht. Zahlreiche Buchhändler haben daraufhin das „Schwarzbuch WWF“ des Journalisten Wilfried Huismann aus ihrem Programm genommen, obwohl der WWF vor Gericht bislang keine einstweilige Verfügung gegen den Titel erreichen konnte. Das Landgericht Köln will erst nach einer mündlichen Verhandlung am 15. Juni darüber entscheiden. Somit bleibt das Buch vorerst erlaubt und ist dennoch praktisch vom Markt verschwunden. Über den Verlag kann es noch bezogen werden.

Stefan Tomik Folgen:  

Der medienpolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion Burkhardt Müller-Sönksen warnte vor einer Selbstzensur durch die Großhändler. „Ob das Buch falsche Tatsachen enthält, wird das Gericht im Rahmen der mündlichen Verhandlung und einer etwaigen Beweisaufnahme klären“, sagte Müller-Sönksen der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ (F.A.S.). Derweil müssten die Großhändler nicht auf die Hinweise seitens der Anwälte des WWF eingehen. „Sollten die Händler ohne Prüfung kollektiv einknicken, käme dies einer Selbstzensur gleich, die die Meinungsfreiheit faktisch beschränkt“, warnte der FDP-Politiker.

Huismann kritisiert in seinem Buch die Nähe des WWF zur Industrie, dessen koloniale Vergangenheit und Intransparenz sowie die Beteiligung an ökologisch umstrittenen Projekten. Insbesondere wirft er dem WWF vor, mit Unternehmen zusammenzuarbeiten, die für Naturzerstörungen verantwortlich sind. Der WWF Deutschland weist die Vorwürfe zurück und teilte mit, er stelle sich „selbstverständlich gerne jeder kritischen Berichterstattung“, wehre sich aber „gegen falsche Tatsachenbehauptungen“. Das Buch beschreibe viele Umweltprobleme, für die der WWF aber nicht verantwortlich sei. „Das Gegenteil ist richtig: Der WWF versucht, Märkte zu verändern, um eine möglichst nachhaltige Wirtschaftsweise voranzutreiben.“

Die Verlagsgruppe Random House teilte der F.A.S. mit, „im Auftrag des sonst so sanft auftretenden WWF Deutschland“ sei bereits vor der Buchveröffentlichung „massiv Druck auf den Verlag ausgeübt“ worden. „Unser Verlagsverständnis von Pluralismus und Meinungsfreiheit sieht jedenfalls anders aus.“ Das Buch war am 20. April erschienen und zunächst auch erhältlich. Gut eine Woche später bekamen die Buchhändler Post von der Anwaltskanzlei und stoppten den Verkauf. „Wir bewerten das nicht inhaltlich“, sagte der Geschäftsführer des Buchportals Libri.de, Per Dalheimer, der F.A.S. „Wir nehmen den Titel dann raus und warten auf eine Klärung.“ Der Buchhändler Thalia teilte mit, man wolle sicherstellen, „dass wir nur rechtlich unstrittige Titel im Sortiment führen“. Amazon wollte sich nicht zu dem Vorgang äußern. Der Verlag hat bislang die Hälfte der Auflage in Höhe von 10.000 Stück absetzen können. Autor Huismann sprach von einer „flächendeckenden Einschüchterungskampagne des WWF“.

Quelle: F.A.S.

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Konkurrenz zu Amazon Nette Buchhändlerinnen allein reichen nicht

Im jetzigen Zustand wird der Buchhandel weiter Kunden an Amazon verlieren. Nur wenn die Verlage einen eigenen Vertrieb im Netz aufbauen, haben sie eine Chance. Ein Vorschlag. Mehr Von Ulf Erdmann Ziegler

11.04.2015, 21:15 Uhr | Feuilleton
Bad Hersfeld Streik bei Amazon

Die Mitarbeiter des Online-Versandhändlers wollen höhere Löhne, mehr Sicherheit und einen Tarifvertrag. Dafür gehen sie an zahlreichen Standorten in Deutschland in den Ausstand. Mehr

28.10.2014, 10:17 Uhr | Wirtschaft
Hörbücher Brutaler Preiskampf

Hörbücher verkaufen sich so gut wie nie. Bestseller werden aber nur Titel wie Shades of Grey oder Zwetschgendatschikomplott. Warum stecken manche Verlage und Vorleser trotzdem so viel Herzblut in die Produktion? Mehr Von Morten Freidel

13.04.2015, 22:03 Uhr | Feuilleton
Bad Hersfeld Gewerkschaft Verdi: Druck auf Amazon erhöhen

Beim Versandhändler Amazon beginnt eine neue Streikrunde. Mehr

08.12.2014, 20:32 Uhr | Wirtschaft
Claudia Baumhöver Die Defensive liegt ihr nicht

Verheißung: Claudia Baumhöver folgt Wolfgang Balk als Verlegerin des Deutschen Taschenbuchverlags. Mehr Von Hannes Hintermeier

13.04.2015, 16:48 Uhr | Feuilleton
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 02.06.2012, 16:38 Uhr

Bis auf die Knochen

Von Berthold Kohler

Man muss einen Völkermord auch Völkermord nennen: Gauck hat die große Koalition vor einem großen Fehler und einer großen Blamage bewahrt. Mehr 34 96