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Pegida NRW : „Schwarze Pädagogik, die wir nicht nötig haben“

„Dügida“-Demonstration Anfang Dezember in Düsseldorf: „Wahre Verfechter von Demokratie und Menschenrechten“? Bild: dpa

Das Pegida-Bündnis aus Dresden hat sich von seinen Ablegern in Köln, Bonn und Düsseldorf distanziert - die Verbindungen zum rechtsextremen Rand und zu Verschwörungstheoretikern bleiben trotzdem bestehen.

          Beim Versuch, sich im Westen zu etablieren, waren die „Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“ (Pegida) bisher nicht sonderlich erfolgreich gewesen. Zur „Auftaktveranstaltung von Pegida NRW“ unter dem Namen Dügida kamen Anfang Dezember nur gut 450 Demonstranten. Auch zu Bogida in Bonn und vor einer Woche zu Kögida in Köln fanden nur wenige Unterstützer den Weg. Stets war die Zahl der Gegendemonstranten um ein Vielfaches höher gewesen.

          Reiner Burger

          Politischer Korrespondent in Nordrhein-Westfalen.

          Nun ist Pegida NRW obendrein in der bisherigen Form zerbrochen. Schon seit einigen Tagen waberten entsprechende Gerüchte durch das Internet. Am Wochenende griff schließlich das Pegida-Hauptquartier in Dresden ein und veröffentlichte eine Warnmeldung: „Sämtliche Veranstaltungen, die unter den Namen Kögida, Bogida und Dügida angemeldet und durchgeführt werden, sind keine Pegida-Veranstaltungen.“ Von der „Leitung Pegida NRW“ hieß es, die Demonstration an diesem Montag in Düsseldorf finde „unter der missbräuchlichen Verwendung des Namens Dügida“ statt. Tatsächlich handele es sich aber um Veranstaltungen von Melanie Dittmer, von der man sich „sowohl als Pressesprecherin als auch innerhalb der Organisation von Pegida getrennt“ habe. Aus der Dresdner Zentrale wiederum hieß es: „Pegida ist überparteilich und distanziert sich ausdrücklich von ProNRW.“

          Rechtsextreme Protagonisten

          Dass Dittmer im Landesvorstand der rechtsextremen Splitterpartei ProNRW sitzt, ist allerdings seit langem bekannt. Zudem lehnte es Dittmer auf der ersten Bogida-Veranstaltung im Dezember ausdrücklich ab, sich von ihrer Vergangenheit bei der Jugendorganisation der NPD zu distanzieren. Trotzdem durfte Dittmer noch Anfang der Woche in Köln für Pegida auftreten. Neben ihr sprach auch Stefan Nobile, der nun zu denen gehört, die sich von Dittmer distanzieren. Auch Nobile ist am rechten politischen Rand aktiv.

          Erste Anzeichen dafür, dass es bei Pegida NRW rumorte, gab es schon Ende Dezember. Auf seinem Blog schrieb Alexander Heumann, der Organisator der nordrhein-westfälischen Pegida-Auftaktveranstaltung Anfang Dezember in Düsseldorf, dass er sich einstweilen zurückziehe. Erst nach Rückkehr aus dem Weihnachtsurlaub will er erfahren haben, dass Dittmer „eine rechtsextreme Vergangenheit nicht nur hat, sondern diese auch nicht für erklärungs- und reformierungsbedürftig hält“, sagte Heumann, der in Düsseldorf als Anwalt für Familien- und Erbrecht arbeitet.

          Anfang Dezember begrüßte Heumann die 450 Teilnehmer seiner Dügida-Demonstration als „die wahren Verfechter von Demokratie und Menschenrechten“. Für die Veranstaltung hatten allerdings auch die NPD und die Partei „Die Rechte“ im Internet mobilisiert - und ProNRW-Politikerin Dittmer war ebenfalls in Düsseldorf dabei. Außerdem war während der Reden immer wieder die in der rechtsextremen Szene beliebte Parole „Lügenpresse - auf die Fresse“ zu hören gewesen. Den Rechtsanwalt Heumann, der AfD-Mitglied ist und in Nordrhein-Westfalen auch das AfD-interne nationalkonservative Bündnis „Patriotische Plattform“ führt, scheint das doch etwas nervös gemacht zu haben. Am Tag nach der Demonstration bat er „dringend“ darum, solche Parolen künftig „zu unterlassen“. Es handele sich um „schwarze Pädagogik, die wir nicht nötig haben“.

          Es war ein seltsamer Hinweis. Denn Heumann scheint selbst kaum Berührungsängste zu kennen. Sogar zu Hooligans hält er enge Kontakte. Mitte November trat Heumann als Redner bei der zweiten Veranstaltung der „Hooligans gegen Salafisten“ (Hogesa) auf - und teilte heftig gegen die „Hass-“ und „Systemmedien“ aus. Bei der ersten Hogesa-Demonstration Ende Oktober mit 4500 Teilnehmern in Köln war es zu schweren Ausschreitungen von Hooligans gekommen. Heumann dagegen spricht von einem „eskalierenden Polizeieinsatz“ und hat deshalb einen „Außerparlamentarischen Untersuchungsausschuss“ (APU) gegründet.

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          „Verschwörungstheorien den Garaus machen“

          In seiner Hogesa-Rede in Hannover versprach Heumann den Hooligans, mit seinem APU den „offiziellen Verschwörungstheorien den Garaus“ zu machen und „die Inszenierungen der Mächte in Staat und Medien mit dem Skalpell“ zu sezieren. Zudem wies Heumann den Hooligans eine exponierte Rolle im Kampf gegen die Islamisierung zu. Morgen seien die „Hooligans gegen Salafisten“ jene mutigen Männer und Frauen, welche die Freiheit aller gerettet hätten. „Und die den Untergang der Welt, wie wir sie kennen, abgewendet haben“, sagte Heumann.

          Dass die Essener Polizeipräsidentin soeben die nächste große Hogesa-Veranstaltung verboten hat, zu der kommenden Sonntag 4000 Hooligans nach Essen kommen wollten, verurteilt Heumann auf Nachfrage. Falls das zuständige Verwaltungsgericht die Demonstration doch erlaubt, will Heumann „möglicherweise“ hinfahren - „aber nicht als Redner“. Er sehe keinen Anlass, sich von den Hooligans zu distanzieren. Davon, dass die AfD auch im Westen engen Kontakt zu Pegida halten sollte, ist Heumann überzeugt. Für Montag in einer Woche will der offizielle Pegida-Ableger in Nordrhein-Westfalen wieder zu Protesten aufrufen.

          Quelle: F.A.Z.

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