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Dresden : Helma Orosz soll für frischen Wind sorgen

Helma Orosz wurde im zweiten Wahlgang zum Stadtoberhaupt gewählt Bild: AP

Nachdem Dresden nun zwei Jahre ohne Bürgermeister auskommen musste, hat es Helma Orosz im zweiten Wahlganz zur wichtigsten Person in Sachsen nach Ministerpräsident Stanislaw Tillich geschafft. Sie konnte auch CDU ferne Wähler mobilisieren.

          Als der damalige sächsische Ministerpräsident Georg Milbradt (CDU) vor fünf Jahren seine Parteifreundin und Oberbürgermeisterin von Weißwasser zur Sozialministerin ernannte, sagte er, Helma Orosz frische „unser Dresdner Blut ein wenig auf“. Mit ihrer breiten Verwaltungs- und zugleich praktischen sozialen Erfahrung hob sich die Oberlausitzerin von allen anderen Kandidaten im Dresdner Politikbetrieb ab. Ähnlich war es nun im Ringen um den Posten des Dresdner Oberbürgermeisters, das Frau Orosz am Sonntag im zweiten Wahlgang mit 64 Prozent für sich entscheiden konnte.

          Reiner Burger

          Politischer Korrespondent in Nordrhein-Westfalen.

          Viele in der Landeshauptstadt hoffen, dass mit Frau Orosz nach zwei Jahren ohne Oberbürgermeister - Amtsinhaber Ingolf Roßberg (FDP) war nach Unregelmäßigkeiten bei der Fluthilfe suspendiert worden - frischer Wind in die Verwaltung kommt. Tatsächlich steht das desaströse politische Klima in der Landeshauptstadt im grotesken Gegensatz zur guten Lage.

          Seit dem Verkauf der Wohnungsbaugesellschaft ist Dresden schuldenfrei und kann wieder investieren. Anders als die meisten ostdeutschen Kommunen ist Dresden keine Abwanderungs-, sondern eine Zuwanderungsstadt. Beeindruckend ist das breite Kulturangebot. Nirgendwo sonst gibt es zudem ähnlich viele Forschungsinstitute auf einem Fleck. Hinzu kommen viele Hochtechnologiebetriebe mit Zehntausenden anspruchsvoller Arbeitsplätze. Erst vor wenigen Wochen bescheinigte das Hamburgische Weltwirtschaftsinstitut der sächsischen Landeshauptstadt, gegen den ostdeutschen Trend eine der „zukunftsfähigsten“ Kommunen in Deutschland zu sein. Frau Orosz weiß, welch gute Gestaltungsmöglichkeiten sie auf einem Posten hat, der als der wichtigste nach dem Amt des Ministerpräsidenten im Freistaat gilt.

          Mit sozialen Themen gepunktet

          Die 1953 in Görlitz geborene Politikerin hat sich auf bemerkenswerte Weise hochgearbeitet. Ihre Berufskarriere begann sie als stellvertretende Krippenleiterin in Weißwasser, 1979 übernahm sie die Leitung einer Kindereinrichtung. Im Wendejahr 1989 wurde sie Leiterin der Kreiskrippenvereinigung und 1990 Gesundheits- und Sozialdezernentin im Landratsamt Weißwasser. Nach der ersten Kreisreform bekleidete sie diese Funktion auch im damals neu gebildeten Niederschlesischen Oberlausitzkreis. Bevor sie dann 2001 Oberbürgermeisterin Weißwassers wurde, bildete sich Frau Orosz drei Jahre lang zur Verwaltungsbetriebswirtin fort. Den Familiennamen ungarischer Herkunft mit der Bedeutung „Russe“ oder „russisch“ behielt sie nach der Scheidung.

          Als Sozialministerin hat Frau Orosz im Dresdner Wahlkampf mit sozialen Themen auch bei Gruppen punkten können, die der CDU sonst nicht besonders nahestehen. Frau Orosz sieht sich als Vertreterin einer neuen, urbaneren Union, die bisher vor allem mit den Stadtoberhäuptern von Hamburg und Frankfurt, Ole von Beust und Petra Roth, in Verbindung gebracht wird. Anzeichen für eine Öffnung in Richtung der Grünen aber gibt es in Dresden nicht. Mit beigetragen zum guten Abschneiden hat im zweiten Wahlgang die FDP.

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