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Dorothee Bär : Die nächste Generation der CSU

  • -Aktualisiert am

Dorothee Bär Bild: picture-alliance/ dpa

Dorothee Bär ist fortan die wichtigste Außenpolitikerin der CSU in Berlin: Wertkonservativ, sicher im Auftreten und durchsetzungsfähig gehört die 30-Jährige zu den jungen Talenten der CSU, die von Horst Seehofer auf größere Aufgaben vorbereitet werden.

          Bayern ist wieder da. Bayerische Politiker werden in der Bundespolitik wieder wichtiger genommen. Auf Seiten der C-Parteien zeigt sich das auch auf Posten, die nicht von vornherein im Blickfeld einer breiten Öffentlichkeit stehen. Die CSU-Landesgruppe hat nun zwei Nachwuchspolitiker mit wichtigen Funktionen betraut: Die stellvertretende Bundesvorsitzende der Jungen Union Dorothee Bär wird als stellvertretende Sprecherin für Außenpolitik der Unionsfraktion im Bundestag und vertritt die CSU im Auswärtigen Ausschuss. Damit ist die 30 Jahre alte Politikwissenschaftlerin aus Bamberg fortan die wichtigste Außenpolitikerin der CSU in Berlin. Sie folgt damit auf den Posten, den Karl-Theodor zu Guttenberg frei machte, weil er CSU-Generalsekretär wurde.

          Der 38 Jahre alte Soziologe Alexander Dobrindt aus Weilheim wurde zum Sprecher für Bildung und Forschung sowie zum Obmann im entsprechenden Ausschuss ernannt. Er folgte Ilse Aigner in diesen Ämtern, die Bundeslandwirtschaftsministerin wurde. Der Vorsitzende der CSU-Landesgruppe Ramsauer begründete seine Personalentscheidungen damit, „das wichtige Wurzelgeflecht“ der jungen Abgeordneten immer stärker kräftigen zu wollen. Frau Bär kündigte an, zu ihren außenpolitischen Arbeitsschwerpunkten Amerika und Europa sowie Rüstungsfragen zu machen. Dobrindt versprach, sich für bessere Bildungs- und Forschungsstrukturen in Deutschland einsetzen zu wollen.

          Dorothee Bär hatte als bayerische Kandidatin für den stellvertretenden Vorsitz der Jungen Union auf dem Deutschlandtag in Rust am Wochenende mehr Stimmen bekommen als die Bewerber aus anderen Bundesländern und schnitt der Zahl nach auch besser ab als der anerkannte Vorsitzende Philipp Mißfelder, dann besagt dies genauso viel über die Person wie über deren Landesverband.

          Zitterpartie vor dem ersten Bundestagsmandat

          Die fränkische Bundestagsabgeordnete ist in der Jungen Union, in die sie im Alter von 14 Jahren eintrat, groß geworden. Zwei Jahre später folgte die CSU-Mitgliedschaft. Mit diesen Wurzeln wurde sie Landesvorsitzende des Ringes Christlich-Demokratischer Studenten und Mitglied des CSU-Landesvorstandes.

          Ein erstes Bundestagsmandat (noch unter ihrem Mädchennamen Dorothee Mantel) und dann - nach einer Zitterpartie, ob im Jahre 2005 der damalige bayerische Innenminister und CSU-Wahlkampfmannschaftsanführer Beckstein sein Bundestagsmandat wirklich annehmen oder in München bleiben würde - das zweite Bundestagsmandat zeugen sowohl von der Durchsetzungskraft als auch von der Akzeptanz der jetzt erst dreißig Jahre alten Politikerin.

          Wertkonservativ, nicht modisch pragmatisch

          Die mit einem Juristen verheiratete Mutter einer kleinen Tochter ist im katholischen Bamberg geboren und hat dort auch ihr Abitur gemacht. Wäre das Prädikat nicht so abgegriffen, müsste man die Politikwissenschaftlerin, die in den Jahren, als sie noch nicht hauptberufliche Politikerin war, als Journalistin bei Hörfunk und Zeitungen gearbeitet hat, als wertkonservativ bezeichnen. Ihre politische Rangordnung gab sie in Rust in einem Satz komprimiert zu erkennen: Die Junge Union habe noch viel zu tun, wenn in der Öffentlichkeit eine Aufnahme der Türkei in die EU mehr Unterstützung findet als die Aufnahme des Gottesbezugs in die Präambel des europäischen Zukunftsdokuments. In den Debatten über die gesellschafts- und forschungspolitischen Grundsatz- und damit ethischen Fragen bildete sie mit anderen den Flügel der CSU, der sich vom modischen Pragmatismus nicht beeindrucken ließ.

          Frau Bärs Arbeitsgebiet der Kultur- und Medienpolitik spannt im Prinzip einen weiten Bogen von dem sozialpolitischen Thema Bafög bis zum außenpolitischen Thema der auswärtigen Kulturpolitik. Für ihre Generation ist die bayerische Provinz schon lange alles andere als provinziell. Geradezu selbstverständlich verbrachte sie ein Schuljahr in den Vereinigten Staaten und erwarb 1996 ein Highschool-Diplom in Grayslake im Bundesstaat Illinois.

          Die hochgewachsene Frau mit dem sicheren Auftreten verkörpert eigentlich schon die nächste Generation der CSU. Trotz der zehn Jahre Altersunterschied gehört sie wegen ihrer vielfachen Erfahrungen schon zu der Gruppe von Talenten, die jetzt von Horst Seehofer auf größere Aufgaben vorbereitet werden und ansonsten zwischen Mitte dreißig und Mitte vierzig sind.

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