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Doktortitel entzogen : „Koch-Mehrins Vorwürfe haltlos“

  • Aktualisiert am

Silvana Koch-Mehrin Bild: dapd

In scharfer Form hat die Uni Heidelberg die Vorwürfe von Silvana Koch-Mehrin zurückgewiesen. Sie unterstelle, „dass man in Heidelberg mit Plagiaten promoviert werden könne“. Das sei eine Beleidigung, sagte der Dekan der Philosophischen Fakultät.

          Die Universität Heidelberg hat in scharfer Form die Vorwürfe der FDP-Europaabgeordneten Silvana Koch-Mehrin zurückgewiesen, der nach Beschluss des Promotionsausschusses der Philosophischen Fakultät vom Mittwoch der Doktortitel entzogen werden soll. Frau Koch-Mehrin hatte nach Bekanntgabe der Entscheidung, über die sie nach Angaben des Dekans der Fakultät, Manfred Berg, zuvor in Kenntnis gesetzt worden war, geäußert, der Universität sei „seit elf Jahren“ bekannt gewesen, dass ihre Dissertation „nicht selten ungenau, oberflächlich und manchmal geradezu fehlerhaft“ sei. Kritische Ausführungen dazu fänden sich sowohl im Erst- als auch im Zweitgutachten.

          Demgegenüber sagte Berg der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, die Kritik in den Gutachten habe sich ausschließlich auf inhaltliche und formale Schwächen der mit „cum laude“ bewerteten Arbeit bezogen. Es gebe in den Gutachten „keinerlei Hinweise auf Plagiatsverdacht“. Wenn ein solcher Verdacht bestanden hätte, „wäre die Arbeit niemals zur Annahme empfohlen worden“. Frau Koch-Mehrin tue nun so, „als sei das, was sie ,Schwächen und Fehler nennt, wir aber ,Plagiate, bekannt gewesen“. Sie versuche mithin, „den Unterschied zwischen kritischen Gutachten und konkretem Plagiatsverdacht zu verwischen“, und unterstelle, „dass man an der Universität Heidelberg mit Plagiaten promoviert werden könne“. Dies sei eine „Invektive gegen die Reputation der Gutachter und der gesamten Fakultät“, sagte Berg.

          „Keine geheime Inquisition“

          Die Äußerung Frau Koch-Mehrins, sie sei von der Entscheidung der Universität überrascht worden, bezeichnete Berg als „völlig abwegig und haltlos“. Seit Mitte April stehe man mit Frau Koch-Mehrin in der Sache in Kontakt, Anfang Mai sei der FDP-Politikerin dann mitgeteilt worden, dass Plagiatsvorwürfe gegen sie untersucht würden und dass dies auch zur Aberkennung ihres Doktortitels führen könne. Den Begriff „Plagiat“ könne man „semantisch kaum missverstehen“. Auf den Vorwurf Frau Koch-Mehrins, sie habe „bisher keine Akteneinsicht gehabt“, entgegnete Berg, man habe der Politikerin „jederzeit die Möglichkeit gelassen, eine Verteidigungsstrategie aufzubauen“.

          Es habe „keine geheime Inquisition“ gegeben, wie Frau Koch-Mehrin das suggeriere. Im Gegenteil: Der Promotionsausschuss habe ihr „umfassende Untersuchungsmaterialien“ mit der Bitte um Stellungnahme zur Verfügung gestellt. Unmittelbar nach der Entscheidung zur Aberkennung des Titels sei ihr dann volle Akteneinsicht angeboten worden. Berg sagte, ihm sei nicht daran gelegen, „mit Frau Koch-Mehrin ein Fernduell auszutragen“. Auch könne er „menschlich verstehen“, dass der Beschluss zur Aberkennung des Titels für die Politikerin ein „Drama“ sei. Die Faktenlage habe der Universität aber keine andere Wahl gelassen.

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