Home
http://www.faz.net/-gpf-780as
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Doktortitel aberkannt Silvana Koch-Mehrin täuschte mit 125 Plagiaten auf 80 Seiten

Silvana Koch-Mehrin hat zu Recht ihren Doktor-Titel verloren. Die Politikerin habe „wiederholt und planmäßig“ getäuscht, stellte das Verwaltungsgericht Karlsruhe fest.

© dpa Silvana Koch-Mehrin

Die Uni Heidelberg hat der FDP-Politikerin Silvana Koch-Mehrin nach einem Gerichtsentscheid zu Recht den Doktortitel entzogen. Die Politikern habe in ihrer Doktorarbeit teils mehrseitige Passagen samt Fußnoten aus fremden Texten nahezu wortgleich übernommen, ohne dies kenntlich zu machen. Dies lasse den Schluss zu, dass die Klägerin „wiederholt und planmäßig“ getäuscht habe, hieß es in der am Donnerstag veröffentlichten Begründung des Verwaltungsgerichts Karlsruhe zu seinem Urteil vom 4. März. Die grundsätzlich denkbare „Bagatellschwelle“ sei bei weitem überschritten. (7 K 3335/11)

Koch-Mehrin kann gegen das Urteil innerhalb eines Monats Berufung beim Verwaltungsgerichtshof (VGH) Baden-Württemberg einlegen.

Die Universität Heidelberg hatte der EU-Parlamentarierin im Juni 2011 den Titel aberkannt. Bei der Überprüfung ihrer Doktorarbeit über die „Lateinische Münzunion 1865-1927“ hatte der Kommissionsausschuss auf 80 Seiten 125 Plagiate gefunden. Die 42 Jahre alte Politikerin hatte „Mängel an Quellennachweisen“ eingestanden, aber darauf verwiesen, dass diese bereits bei der Abgabe ihrer Arbeit vor 13 Jahren bekannt gewesen seien. Koch-Mehrins Anwalt Christian Birnbaum hatte bei der Aberkennung des Titels durch die Uni auch Verfahrensfehler gerügt.

Mehr zum Thema

Das Verwaltungsgericht konnte hingegen keine formalen Fehler erkennen. Der Promotionsausschuss sei ordnungsgemäß zusammengesetzt gewesen.

Auch in der Sache wies das Gericht die Einwände der Klägerin gegen den Plagiatsvorwurf zurück. Der Hinweis auf umfangreiche eigene Recherchen und darauf, dass zentrale Ergebnisse der Arbeit auf ihrer eigenen wissenschaftlichen Leistung beruhten, sei unbeachtlich.

Aus Sicht des Gerichts hat der Promotionsausschuss ausreichend mildere Mittel als den Entzug des Doktortitels geprüft, etwa die Chance auf Nachbesserung der Arbeit. Dass er die öffentlichen Interessen an der Entziehung des Doktorgrades höher bewertet habe als die erheblichen Nachteile, die die Entscheidung für die Klägerin beruflich und gesellschaftlich nach sich ziehe, sei rechtlich nicht zu beanstanden, so die Richter in ihrer Urteilsbegründung.

Quelle: DPA

 
()
Permalink

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Flüchtlingsgipfel im Südwesten Grün-Rot will Erstaufnahmeplätze für Flüchtlinge erhöhen

Gereizt und zugleich konstruktiv war Teilnehmern zufolge der Flüchtlingsgipfel der baden-württembergischen Landesregierung am Montagabend. Asylverfahren sollen deutlich beschleunigt werden. Mehr Von Rüdiger Soldt, Stuttgart

27.07.2015, 16:39 Uhr | Politik
Asylpolitik Flüchtlingsgipfel in Stuttgart

Im Stuttgarter Schloss hat auf Einladung Baden-Württembergs ein Treffen mit Vertretern aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft stattgefunden, um über die aktuelle Flüchtlingsproblematik in Deutschland zu beraten – inklusive Demonstration gegen die aktuelle Flüchtlingspolitik. Mehr

28.07.2015, 10:01 Uhr | Politik
Landtagswahlen 2016 CDU will mit Betreuungsgeld punkten

Die CDU-Spitzenkandidaten in Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg setzen auf Familienpolitik als Gewinnerthema. Das von Karlsruhe beerdigte Betreuungsgeld wollen sie wiederbeleben - in neuer Form. Mehr Von Timo Frasch und Rüdiger Soldt, MAINZ/STUTTGART

22.07.2015, 18:30 Uhr | Politik
Sprengung Ein Kasino weniger in Las Vegas

Das Clarion Hotel und Kasino wurde planmäßig gesprengt. Es war die erste Hotelsprengung dieser Art in Las Vegas seit fast zehn Jahren. Mehr

11.02.2015, 12:27 Uhr | Gesellschaft
Grüne in Baden-Württemberg Wahlkämpfer fürchten heikles Flüchtlingsthema 

In acht Monaten wird in Baden-Württemberg ein neuer Landtag gewählt. Die Grünen befürchten, dass ihnen das Thema Einwanderung und Asyl bis dahin um die Ohren fliegt. Mehr Von Rüdiger Soldt, Stuttgart

28.07.2015, 08:34 Uhr | Politik

Veröffentlicht: 28.03.2013, 11:28 Uhr

Kein Rittersmann und kein Knapp

Von Berthold Kohler

Viele SPD-Mitglieder sind der Meinung, es gebe in der Partei bessere Kanzlerkandidaten als Gabriel. Wer aber sollte das sein? Mehr 2 1