Home
http://www.faz.net/-gpf-780as
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 28.03.2013, 11:28 Uhr

Doktortitel aberkannt Silvana Koch-Mehrin täuschte mit 125 Plagiaten auf 80 Seiten

Silvana Koch-Mehrin hat zu Recht ihren Doktor-Titel verloren. Die Politikerin habe „wiederholt und planmäßig“ getäuscht, stellte das Verwaltungsgericht Karlsruhe fest.

© dpa Silvana Koch-Mehrin

Die Uni Heidelberg hat der FDP-Politikerin Silvana Koch-Mehrin nach einem Gerichtsentscheid zu Recht den Doktortitel entzogen. Die Politikern habe in ihrer Doktorarbeit teils mehrseitige Passagen samt Fußnoten aus fremden Texten nahezu wortgleich übernommen, ohne dies kenntlich zu machen. Dies lasse den Schluss zu, dass die Klägerin „wiederholt und planmäßig“ getäuscht habe, hieß es in der am Donnerstag veröffentlichten Begründung des Verwaltungsgerichts Karlsruhe zu seinem Urteil vom 4. März. Die grundsätzlich denkbare „Bagatellschwelle“ sei bei weitem überschritten. (7 K 3335/11)

Koch-Mehrin kann gegen das Urteil innerhalb eines Monats Berufung beim Verwaltungsgerichtshof (VGH) Baden-Württemberg einlegen.

Die Universität Heidelberg hatte der EU-Parlamentarierin im Juni 2011 den Titel aberkannt. Bei der Überprüfung ihrer Doktorarbeit über die „Lateinische Münzunion 1865-1927“ hatte der Kommissionsausschuss auf 80 Seiten 125 Plagiate gefunden. Die 42 Jahre alte Politikerin hatte „Mängel an Quellennachweisen“ eingestanden, aber darauf verwiesen, dass diese bereits bei der Abgabe ihrer Arbeit vor 13 Jahren bekannt gewesen seien. Koch-Mehrins Anwalt Christian Birnbaum hatte bei der Aberkennung des Titels durch die Uni auch Verfahrensfehler gerügt.

Mehr zum Thema

Das Verwaltungsgericht konnte hingegen keine formalen Fehler erkennen. Der Promotionsausschuss sei ordnungsgemäß zusammengesetzt gewesen.

Auch in der Sache wies das Gericht die Einwände der Klägerin gegen den Plagiatsvorwurf zurück. Der Hinweis auf umfangreiche eigene Recherchen und darauf, dass zentrale Ergebnisse der Arbeit auf ihrer eigenen wissenschaftlichen Leistung beruhten, sei unbeachtlich.

Aus Sicht des Gerichts hat der Promotionsausschuss ausreichend mildere Mittel als den Entzug des Doktortitels geprüft, etwa die Chance auf Nachbesserung der Arbeit. Dass er die öffentlichen Interessen an der Entziehung des Doktorgrades höher bewertet habe als die erheblichen Nachteile, die die Entscheidung für die Klägerin beruflich und gesellschaftlich nach sich ziehe, sei rechtlich nicht zu beanstanden, so die Richter in ihrer Urteilsbegründung.

Quelle: DPA

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
TU Darmstadt Promotionsverhältnis mit IS-Unterstützer beendet

In einem Internetvideo erklärt ein Doktorand aus Darmstadt, warum er den IS unterstützt. Damit hat er seine Chance auf einen Doktortitel an der TU Darmstadt vertan. Mehr

05.02.2016, 16:32 Uhr | Rhein-Main
Vorstellung in Heidelberg Das ist der neue Ausweis für Flüchtlinge

In Heidelberg hat die Ausgabe der neue Flüchtlingsausweisen an Asylbewerber begonnen. Mit dem Ausweis sind verschiedene Daten verbunden, die zentral gespeichert werden. Dazu gehören unter anderem Name, Alter und Herkunft, außerdem Foto und Fingerabdruck. Mehr

28.01.2016, 20:41 Uhr | Politik
Lars von Triers Antichrist Zensur auf Raten

Kein Visum für Antichrist: Eine fundamentalistische katholische Gruppe geht gegen Filme vor, Richter finden Formfehler, und das Kultusministerium gibt frei, was nicht mit dem Islam zu tun hat. Mehr Von Jürg Altwegg, Genf

05.02.2016, 13:18 Uhr | Feuilleton
Flüchtlingskirse Politiker-Reaktionen auf das Asylpaket II

Unionsfraktionschef Kauder, CSU-Chef Seehofer sowie SPD-Fraktionschef Oppermann kommentieren den Koalitionsbeschluss vom Vortag. Mehr

29.01.2016, 14:35 Uhr | Politik
Kolumne Mein Urteil Die Kollegen fordern meine Entlassung - was tun?

Ist Knatsch im Team gleich ein Grund zur Kündigung? Eigentlich nicht, eine Entlassung setzt ein Fehlverhalten voraus. Wann der Streit mit den Kollegen trotzdem heikel werden kann. Mehr Von Marcel Grobys

23.01.2016, 06:53 Uhr | Beruf-Chance

Gaucks Sorgen

Von Berthold Kohler

Der Bundespräsident gibt der Bundeskanzlerin immer deutlichere Hinweise auf alternative Wege in der Flüchtlingskrise. Baut er an einer Brücke für sie? Mehr 321