03.08.2007 · Es war eine kurze Regentschaft: Django Asül, satirischer Herrscher auf dem Nockherberg, wo Politiker verspottet werden, zieht sich zurück. Die Gründe dafür bleiben jedoch unklar. Wird nun Edmund Stoiber sein Nachfolger?
Von Albert Schäffer, MünchenJetzt ist es amtlich: Gleich in drei zentralen Machtpositionen wird es in Bayern einen Wechsel geben. Nicht nur, dass Edmund Stoiber Ende September aus den Ämtern des Ministerpräsidenten und CSU-Vorsitzenden ausscheidet. Auch Django Asül, der satirische Herrscher auf dem Nockherberg, zieht sich zurück – auf Wunsch der Brauerei, die den Starkbieranstich veranstaltet, bei dem Politiker „derbleckt“, sprich verspottet werden.
Es war eine kurze Regentschaft: Nur ein einziges Mal durfte Asül seines Amtes als bayerisches Staatsorakel walten. Denn in Bayern ersetzt der Nockherberg die Demoskopie: Wer als Politiker nicht oder nur kurz erwähnt wird, braucht sich keine Illusionen über seine Zukunft zu machen.
Verzicht auf die Mönchsrolle hat sich nicht bewährt
Wie bei Stoibers Abschied von der Macht gibt es auch bei Asüls Vertreibung vom Nockherberg mehrere Lesarten. Die Brauerei führt dramaturgisch-theologische Gründe ins Feld. Asül hatte bei seinem Debüt auf das Mönchsgewand des Bruders Barnabas verzichtet, in das seine Vorgänger, unter ihnen Bruno Jonas, geschlüpft waren. Obwohl Asül, 1972 als Sohn türkischer Eltern in der Marktgemeinde Hengersberg bei Deggendorf in das Geburtsregister eingetragen, das Niederbayerntum von Kindesbeinen an verinnerlicht hat, wollte er die assoziative Phantasie der Zuhörer nicht überreizen.
Ein Niederbayer mit türkischem Pass, der in der Mönchskutte eine Fastenpredigt hält, hätte jedenfalls bei der Auslegung des bayerischen Mantras „Mir san mir“ einige Spielräume eröffnet. In den Augen der Brauerei hat sich der Verzicht auf die Mönchsrolle nicht bewährt – weil in früheren Jahren der Bruder Barnabas nicht nur für satirische Schärfe, sondern auch für Absolution gestanden habe.
Sollte der nächste Redner Edmund Stoiber heißen?
Eine andere, weniger endzeitlich orientierte Lesart lautet, Asül habe bei seinem Starkbierauftritt zu oft nach dem Schwert und zu wenig zum Florett gegriffen; CSU-Generalsekretär Markus Söder auf eine „Schleimspur“ zu setzen und den Vorsitzenden der CSU-Landesgruppe im Bundestag, Peter Ramsauer, zum „Ochsenluder“ der Partei zu ernennen, sei zu viel kabarettistische Stammwürze gewesen.
Für die Stammtische ist genügend Gesprächsstoff vorhanden. Spätestens bei der dritten Mass Bier darf auch darüber nachgedacht werden, ob der nächste Redner auf dem Nockherberg nicht Edmund Stoiber heißen sollte. Zeit hätte er, kabarettistische Erfahrung auch („Wenn Sie vom Hauptbahnhof mit zehn Minuten, ohne dass Sie am Flughafen noch einchecken müssen, dann starten Sie im Grunde genommen am Flughafen am Hauptbahnhof in München, starten Sie Ihren Flug ...“) und den richtigen Blick auf Beckstein, Huber und die anderen üblichen Verdächtigen sowieso.
Nockherberg 2007
Peter Hintermaier (heilixblechlepeter)
- 04.08.2007, 01:28 Uhr
wen wunderts?
ewald walder (ewald49)
- 10.08.2007, 01:41 Uhr
Django war zu mutig
Gabriele Pankl (Gabrielep)
- 10.08.2007, 23:35 Uhr