http://www.faz.net/-gpf-97zwf

Kritik von Volker Beck : Ditib organisiert Jugend-Reise zum „Heerführer“ Erdogan

  • Aktualisiert am

Wurde als „Heerführer“ bezeichnet: Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan. Bild: AP

Der deutsch-türkische Moscheeverband Ditib plant eine Jugend-Reise nach Ankara. Dabei soll es auch einen Besuch bei Erdogan geben. Der Grünen-Politiker Volker Beck kritisiert die Ditib als „trojanisches Pferd“.

          Eine Türkei-Rundreise der Türkisch-Islamischen Union Ditib für junge Erwachsene ruft Kritiker des Islam-Verbands auf den Plan. Wie der „Kölner Stadt-Anzeiger“ berichtet, findet die Reise in den NRW-Osterferien vom 24. bis 31. März statt, für die in Ditib-Moscheegemeinden geworben wird. Ihr „Finale“ wird laut Programm ein Besuch im Präsidentenpalast in Ankara bei „unserem obersten Heerführer“, Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan, sein.

          Der frühere Grünen-Abgeordnete Volker Beck, Lehrbeauftragter am „Centrum für Religionswissenschaftliche Studien“ (Ceres) der Ruhr-Universität Bochum, sprach von „nationalistischer Staatspropaganda der Ditib“, vor der die deutsche Politik nicht länger die Augen verschließen dürfe. „Die Ditib agiert immer deutlicher wie ein trojanisches Pferd. Außen Religion, innen der türkische Staat und Erdogan“, sagte Beck dem „Kölner Stadt-Anzeiger“.

          Die geplante Reise wird für Studenten zu einem Gesamtpreis von 399 Euro angeboten, regulär kostet sie 885 Euro und führt unter anderem auch nach Canakkale, Schauplatz einer siegreichen Schlacht der Osmanen gegen Briten und Franzosen im Jahr 1915. Die Tour ist Teil des „Projekts Jugendbrücke“, dem Kritiker die politische und ideologische Indoktrinierung von Jugendlichen vorwerfen. Dafür würden die Strukturen der Ditib instrumentalisiert. Der Organisator der Reise, Abdullah Ates, der nach eigenen Angaben im Auftrag der Kölner Ditib-Zentrale tätig ist, lehnte auf Anfrage der Zeitung eine Stellungnahme ab und verwies auf die Verbandszentrale. Diese ließ eine Bitte um Stellungnahme am Sonntag unbeantwortet.

          „Jugendliche und junge Erwachsene unter dem Deckmantel der Religion auf den 'Heerführer' in Zeiten des völkerrechtswidrigen Kriegs gegen die Kurden auszurichten, ist nur ein weiterer Mosaikstein“ im Agieren der Ditib, sagte Beck. Zum Gesamtbild gehöre auch der Vortrag der „Fetih-Sure“ in Ditib-Moscheen. Mit diesem „Der Sieg“ betitelten Koranabschnitt hatte die der Ditib vorgesetzte türkische Religionsbehörde Diyanet im Januar zum Gebet für einen Erfolg der türkischen Militäroffensive gegen die Kurden aufgerufen. Beck kritisierte überdies die Verbreitung von Kriegsvideos durch Ditib-Moscheen in den sozialen Netzwerken. Er forderte, die Kooperation des deutschen Staats und seiner Institutionen mit der Ditib auf den Prüfstand zu stellen. Das Land Hessen müsse seine Anerkennung der Ditib als Religionsgemeinschaft zurücknehmen und „endlich seine Geheimgutachten hierzu veröffentlichen“.

          Innertürkischer Konflikt : Brandanschlag auf Berliner Moschee

          Weitere Themen

          Zwischen beiden Koreas Video-Seite öffnen

          Treffen der Staatschefs : Zwischen beiden Koreas

          Im Grenzort Panmunjom soll es eine erste Gesprächsrunde geben. Nach Abschluss der Begegnung werden Moon und Kim ein Abkommen unterzeichnen und sich mit einer Erklärung an die Öffentlichkeit wenden.

          Topmeldungen

          Chinesische Studie : Testgelände Nordkoreas teilweise zerstört

          Chinesische Fachleute sind sich sicher, dass das nordkoreanische Atomtestgelände Punggye-ri partiell zerstört ist. Nach dem letzten Test soll das Bergmassiv teilweise eingestürzt sein.

          Verletzung im Bayern-Spiel : Große Sorgen um Boateng und die WM

          Gerade war der Bayern-Spieler wieder fit und meldete Ronaldo ab. Doch beim Duell mit Real Madrid humpelt Jérôme Boateng vom Rasen. Das trifft nicht nur den FC Bayern, sondern auch die Nationalmannschaft hart.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.