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Dissertationsaffäre des SPD-Politikers : Doktorvater: Ich fühle mich von Eumann getäuscht

Der Staatssekretär: Marc Jan Eumann (SPD) Bild: dapd

Hat der führende SPD-Medienpolitiker und Staatssekretär Marc Jan Eumann sich seinen Doktortitel erschlichen? Die Universität Dortmund lässt den Vorwurf fallen - „trotz großer Bedenken“. Sein Doktorvater Horst Pöttker ist entsetzt. Im Interview spricht er von einem Schock.

          Im Rat der Fakultät Kulturwissenschaften der Technischen Universität Dortmund hat es erhebliche Bedenken gegeben, dem Vorsitzenden der SPD-Medienkommission und nordrhein-westfälischen Staatssekretär Marc Jan Eumann seinen 2011 erworbenen Doktortitel zu belassen. Die TU Dortmund hatte die überraschende Entscheidung am Mittwochabend zunächst ohne jegliche Begründung mitgeteilt. Auf Nachfrage erfuhr FAZ.NET, dass der Fakultätsrat „trotz großer Bedenken bezüglich eines wissenschaftlichen Fehlverhaltens“ so entschieden hat, „da eine vorsätzliche Täuschung seitens Herrn Eumann nicht eindeutig belegt werden konnte“.

          Reiner Burger

          Politischer Korrespondent in Nordrhein-Westfalen.

          Eumanns Doktorvater, der mittlerweile emeritierte Professor Horst Pöttker, der das Prüfverfahren Anfang 2013 wegen des Verdachts auf illegitimen Erwerb der Doktorwürde selbst in Gang gesetzt hatte, reagierte schockiert. Im Gespräch mit FAZ.NET (siehe unten) erhebt er schwere Vorwürfe.

          Das Rektorat der TU Dortmund hatte im Sommer 2013 ein Verfahren eingeleitet, um Eumann den Doktortitel wegen „erheblichen wissenschaftlichen Fehlverhaltens“ zu entziehen. Das Rektorat stützte sich bei seiner Entscheidung damals auf einen Bericht der hauseigenen „Kommission zur Sicherstellung guter wissenschaftlicher Praxis“ und ein Gutachten des Bonner Rechtslehrers Wolfgang Löwer, der auch „Ombudsmann für die Wissenschaft“ der Deutschen Forschungsgemeinschaft ist. Im Kern ging es um die Frage, ob der SPD-Politiker Eumann im Jahr 2010 an der TU Dortmund statt einer neu erarbeiteten Dissertationsschrift in wesentlichen Teilen eine medienhistorische Arbeit eingereicht hat, mit der er schon 1991 an der Universität zu Köln den Magistergrad erwarb. Beide Arbeiten tragen fast identische Titel.

          Der Doktorvater: Horst Pöttker

          Herr Pöttker, Ihre ehemalige Fakultät hat sich nun entschieden, Herrn Eumann den Doktortitel zu belassen. Wie bewerten sie diese Entscheidung?

          Das ist der dritte Schock, den ich in dieser Angelegenheit erlebe. Der erste war die Lektüre der Rezension von Arnulf Kutsch in der renommierten Fachzeitschrift „Publizistik“, weil mir ja nicht bewusst war, dass es eine Übereinstimmung zwischen Magisterarbeit und Dissertation gibt.

          Der Leipziger Medienhistoriker Kutsch schreibt in der Buchbesprechung, Eumanns Dissertation sei in weiten Teilen identisch mit der Magisterarbeit. Allerdings suche man den Titel dieser Magisterarbeit im Literaturverzeichnis oder andernorts in der Veröffentlichung vergebens. „Eine konzeptionelle oder methodische Erweiterung“ lasse sich nicht erkennen, auch keine „wirkliche inhaltlich-substanzielle“. Übertreibt Kutsch da nicht ein bisschen?

          Nein. Das war ja der zweite Schock für mich, als ich die beiden Arbeiten verglichen und gemerkt habe, dass der Rezensent Kutsch nicht übertrieben hat, dass da doch weitgehende Übereinstimmungen zwischen den beiden Arbeiten vorhanden sind und dass vor allem auch die Dissertation keine neue eigene Fragestellung hat. Es gibt an ihr im Vergleich zur – durchaus guten – Magisterarbeit nichts Innovatives. Das hier und da neu Eingeflochtene ist immer nur illustrativ. Der dritte Schock ist jetzt die Entscheidung meiner Fakultät, die ich mir so nicht vorstellen konnte.

          Sie sind also überzeugt, dass Herr Eumann den Titel aberkannt bekommen müsste?

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