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Mittwoch, 19. Juni 2013
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Dioxin-Skandal Diesel im Futter

 ·  Die Lebensmittel, die wir heute im Supermarkt kaufen, sind erheblich gesünder als jene, die vor fünfzig oder hundert Jahren erhältlich waren. Aber gegen kriminelle Energie hilft gerade in der Lebensmittelindustrie kein technischer Fortschritt, sondern nur bessere Kontrolle, kommentiert Stefan Dietrich.

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BSE-Skandal, Dioxin in Eiernudeln, in Bio-Eiern und sogar in Schokolade – fast immer, wenn Lebensmittel ins Gerede kommen, sind verunreinigte Futtermittel die Ursache. So ist es auch jetzt wieder. Und ebenso wiederholt sich fast schon rituell, dass Behörden und Politiker versichern, die in den Handel gelangten Produkte seien gesundheitlich unbedenklich, zugleich aber drastische Maßnahmen gegen deren Hersteller verhängen. Mehr als tausend Bauernhöfe, vorwiegend in Norddeutschland, sind die ersten Opfer des jüngsten Futtermittelskandals. Was die Stilllegung eines solchen Betriebs, der meistens an der Rentabilitätsgrenze arbeitet, bedeutet, vermag sich der Großstädter kaum auszumalen.

Aber wer sind die Täter? An Fingerzeigen fehlt es nicht. Staatsanwälte ermitteln gegen den Futtermittelproduzenten in Schleswig-Holstein; der wiederum behauptet, in gutem Glauben dioxinfreies Biodiesel aus Nordrhein-Westfalen bezogen zu haben; der Biodieselhersteller verweist darauf, dass seine Produkte „missbräuchlich“ verwendet worden seien; die Politik beruft Sondersitzungen ein, wirft Fragen auf, die eigentlich längst beantwortet sein müssten, und spricht sich im Übrigen frei.

Aber wieso fiel nicht auf, dass der Futtermittelhersteller nach eigenen Angaben schon seit Jahren Fette in die Nahrungskette einspeiste, die „nur für technische Zwecke“ verwendet werden dürfen? Wieso werden nicht alle Chargen eines solchen Betriebs auf unzulässige Stoffe untersucht, bevor sie ausgeliefert werden? Wer aus Fehlern nicht lernt, verurteilt sich selbst dazu, sie zu wiederholen. Auch die Verbraucher, die mit ihrer Nachfrage nach billigen Lebensmitteln einen ungesunden Preisdruck auf die Landwirtschaft ausüben, lernen nur langsam dazu.

Festzuhalten bleibt aber auch: Die Lebensmittel, die wir heute im Supermarkt kaufen, sind erheblich gesünder als das, was vor fünfzig oder hundert Jahren in den Handel gelangte. Kühlketten, Hygienevorschriften und behördliche Überwachung haben die Belastung mit Krankheitserregern und chemischen Stoffen drastisch zurückgehen lassen. Vor Jahrzehnten geriet selbst die Muttermilch wegen hoher Dioxinbelastung in Verruf. Dank fortschrittlicher Verbrennungstechnik ist davon keine Rede mehr. Gegen kriminelle Energien hilft allerdings gerade in der Lebensmittelindustrie kein technischer Fortschritt, sondern nur bessere Kontrolle.

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