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Helmut Kohl : Im Dom des Kanzlers

Vorbereitungen für die Trauerfeierlichkeiten in Speyer Bild: EPA

Für Helmut Kohl war der Dom zu Speyer etwas ganz Besonderes. Staatsgäste mussten sich seine „Hauskirche“ anschauen – ob sie wollten oder nicht. Am heutigen Samstag wird hier das Requiem für den verstorbenen Kanzler stattfinden.

          Der Kaiser- und Mariendom zu Speyer, in dem an diesem Samstag das Requiem für den verstorbenen Helmut Kohl stattfinden wird, ist schön, mächtig, überwältigend. Die größte erhaltene romanische Kirche der Welt. Nicht alle Politiker, die Kohl im Lauf der Jahre dorthin gebracht hat, hatten Lust darauf. Dem Bundeskanzler erschien das nachrangig. Er sagte: „Die Gäste müssen in den Dom, ob sie wollen oder nicht. Denn wenn sie den Dom nicht kennen, kennen sie meine Heimat nicht, kennen sie Deutschland nicht, kennen sie Europa nicht.“

          Timo Frasch

          Politischer Korrespondent für Hessen, Rheinland-Pfalz und das Saarland mit Sitz in Wiesbaden.

          Von wem wir das wissen? Von einem, der es wissen muss: Bischof Anton Schlembach, der einstige Hausherr des Doms, den Kohl immer dann persönlich anrief, wenn er einen Kundigen für die Führungen brauchte. Schlembachs Zeit als Bischof von Speyer deckte sich zu großen Teilen mit Kohls Kanzlerschaft. Dieser regierte von 1982 bis 1998, Schlembach kam 1983 nach Speyer – und blieb bis zu seinem Rücktrittgesuch 2007 im Amt. Der Unterfranke hatte Bedenken gehabt, wie er in Speyer aufgenommen würde. Aber die Pfälzer haben es ihm leicht gemacht. Gesellige Leute seien sie, sagt der 85 Jahre alte Schlembach, als wir ihn in seinem katholischen Altenheim in Speyer besuchen, offen, immer gewillt zu diskutieren, immer bereit zu streiten. Kohl sei ein „Bilderbuch-Pfälzer“ gewesen. In diesem Punkt hätten Selbstverständnis, Selbstdarstellung und Wirklichkeit zu hundert Prozent übereingestimmt.

          Ein Großer der historischen Inszenierung

          Kohl habe ihm damals geholfen, Fuß zu fassen, schlicht dadurch, dass er zu seiner Weihe gekommen sei und spontan vor der versammelten Gemeinde eine „Art Freundschaftserklärung“ abgegeben habe. Schlembach erzählt das nicht so, als bilde er sich etwas darauf ein. Sie hätten sich von Anfang an geschätzt, unterstützt, ja: gemocht. Er habe auch den Eindruck gehabt, das habe beiden Seiten gutgetan. Ein tieferes persönliches Verhältnis sei daraus aber nie entstanden. Darauf habe er geachtet, schon wegen der unterschiedlichen Rollen von Staat und Kirche. Schlembach wirkt fast froh über die Distanz – auch angesichts der Enttäuschung all der ehemaligen Kohl-Vertrauten, die zuletzt keinen Zugang mehr zum Altkanzler hatten. Nie ist der Bischof im 20 Kilometer entfernten Bungalow in Oggersheim gewesen. Auch bei den Essen im Deidesheimer Hof, wo Kohl nach der Domführung mit seinen Staatsgästen einzukehren pflegte, war er nie dabei. Das habe Kohl nicht gewollt und er selbst auch nicht.

          Die Dombesuche folgten fast immer demselben Ritual. Mit einem Wort von Kohls Biograf Hans-Peter Schwarz, der auch zu den Verstoßenen gehörte und zwei Tage vor Kohl gestorben war, könnte man sagen: derselben historischen Inszenierung. Darin, so Schwarz, sei Kohl ein Großer gewesen. Zunächst kam der Kanzler mit seinem Gast direkt vor den Dom gefahren, um sogleich nach drinnen zu gehen. Davon ist er nur einmal abgewichen, im November 1990, als Michail Gorbatschow kam und von vielen Speyerern bejubelt wurde. Kohl nahm mit dem damaligen Staatspräsidenten der Sowjetunion ein ausgedehntes Bad in der Menge. Den Sicherheitskräften trieb das den Schweiß auf die Stirn.

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