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Aktualisiert: 22.04.2017, 10:56 Uhr

Die Stadt ist lahmgelegt Wasserwerfer und Mannschaftswagen rund um Tagungshotel

Polizisten aus dem gesamten Bundesgebiet sind nach Köln gereist, um den AfD-Parteitag abzusichern. Am Samstagmorgen scheint die Schätzung von 50.000 Gegendemonstranten noch übertrieben.

von , Köln
© dpa Polizeifahrzeuge stehen vor dem Maritim Hotel in Köln, wo am Wochenende der Parteitag der AfD stattfinden wird.

Köln hat sich auf den Ausnahmezustand vorbereitet. Die Mitarbeiter im Hotel Maritim, in dem die AfD Samstag und Sonntag ihren Bundesparteitag abhält, werden voraussichtlich nicht nach Hause fahren. Weil viele von ihnen sich Sorgen machten, wie sie pünktlich zur Arbeit kommen, bot ihnen der Hoteldirektor Übernachtungsmöglichkeiten an. Straßenbahnen und Busse fahren zumindest zum Heumarkt, der Haltestelle, die direkt davor liegt, nicht mehr; die Hohenzollernbrücke und das gesamte Gelände um das Hotel herum ist am Samstagmorgen von Dutzenden Mannschaftswagen der Polizei abgesperrt. Mehrere Wasserwerfer sind aufgestellt. Es ist kein Durchkommen.

Timo Steppat Folgen:

Polizisten aus dem gesamten Bundesgebiet sind angereist. Mannschaftswagen stehen vor den Bahnhöfen, breite Straßensperren sind aufgestellt. Die AfD beginnt mit ihren 600 Delegierten am Vormittag ihren Parteitag im Maritim-Hotel unter starken Sicherheitsvorkehrungen und strikt abgeriegelt von der Öffentlichkeit. Zwei Delegierte machen bei einer Zigarette am Eingang Scherze darüber, wie ihre Anreise abgelaufen ist. „Rufen die mir Nazisau zu“, sagt der Mann aus Berlin. „Die konnten mir nix, die Polizisten standen ja dazwischen.“ Viele der Delegierten sind schon früh am Morgen gekommen, vor sieben Uhr, um den Demonstranten nicht zu begegnen.

Ebertsplatz

Hansaring

Haupt-

bahnhof

Altstadt-

Nord

Festkomitee

Kölner Karneval

(14–18 Uhr)

Hohenzollernring

Deutzer Bahnhof

Dom

Deutzer

Brücke

KÖLN

Heumarkt

Deutz

Neu-

markt

Maritim-

Hotel

Rudolfplatz

Bereich mit

erheblichen

Verkehrsbehinderungen

Severins-

brücke

Sachsenring

Altstadt-

Süd

Sülz

Rhein

1000 m

„Köln stellt sich quer“ (ab 12 Uhr, 14 Uhr Demo)

AfD Bundesparteitag

am 22. und 23. April 2017

„Köln gegen Rechts“ (ab 7–10:30 Uhr)

Abgesperrter Bereich

„Bunt statt bla“ (ab 11 Uhr)

Sternmärsche (7 Uhr) zur Auftaktkundgebung

auf dem Heumarkt

„Frauen in Bunt“ (9–18 Uhr)

KÖLN

Deutz

Bereich mit

erheblichen

Verkehrsbehinderungen

1000 m

AfD Bundesparteitag am 22. und 23. April 2017

Abgesperrter Bereich

„Köln stellt sich quer“ (ab 12 Uhr, 14 Uhr Demo)

„Köln gegen Rechts“ (ab 7–10:30 Uhr)

„Bunt statt bla“ (ab 11 Uhr)

Sternmärsche (7 Uhr) zur Auftaktkundgebung

auf dem Heumarkt

„Frauen in Bunt“ (9–18 Uhr)

Festkomitee Kölner Karneval (14–18 Uhr)

© dpa/F.A.Z.

Mit 50.000 Gegendemonstranten rechnet die Polizei in Köln. Schon jetzt gewinnt man den Eindruck, dass die Zahl etwas zu hoch gegriffen sein könnte. Das Bündnis „Köln gegen rechts“ , das seine Veranstaltung für sieben Uhr Samstagmorgen angemeldet hat, sollte nach Polizeischätzungen auf 15.000 Teilnehmer kommen. Es dürften zumindest auf dem Heumarkt und in den umliegenden Straßen höchstens 1500 Demonstranten sein. Im WDR sagte Kölns Polizeipräsident Jürgen Mathies, er geht trotzdem davon aus, dass sich das im Laufe des Tages noch ändern wird. Die eigentliche Großveranstaltung, „Köln stellt sich quer“ beginnt am Mittag in der Kölner Innenstadt. An ihr nehmen auch Gewerkschaften, Kirchenvertreter und Politiker anderer Parteien teil. Am Nachmittag findet am Grüngürtel der Stadt eine Veranstaltung des Festkommittees Kölner Karneval statt, verschiedene Bands treten auf.

© Timo Steppat, F.A.Z. AfD-Parteitag: In Köln geht nichts mehr

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Sorge bereiteten den Sicherheitsbehörden vor allen Dingen Drohungen aus der linksextremen Szene, die seit Wochen im Netz kursieren. „Kommt alle nach Köln: Es wird unser Fest, und deren Hölle. Feuer statt Konfetti“, heißt es da. Dazu Bilder von brennenden Mülltonnen, möglicherweise bei den „Blockupy“-Protesten in Frankfurt 2015 entstanden. „Wir machen uns große Sorgen“, sagte der Kölner Polizeipräsident Jürgen Matthies bei einer Pressekonferenz am Donnerstag. In den vermeintlich linksextremen Drohungen heißt es, man wolle den Wahlkampf der AfD „sabotieren“ und droht, den Bundesparteitag „anzugreifen“.

Mathies sagte, seine Behörde habe „konkrete Erkenntnisse“ über das Auftreten linksextremer Gruppen wie beim Parteitag der AfD 2016 in Stuttgart. Die Bundespolizei will die Grenzkontrollen am Wochenende intensivieren, gewaltbereite Demonstranten könnten aus den Niederlanden und Belgien anreisen. Vor allem das Errichten von Straßensperren in der Nacht von Freitag auf Samstag oder Übergriffe bei der Anreise von Parteifunktionären waren im Bereich des Möglichen. Dazu ist es nicht gekommen. Die mögliche Bedrohung sieht Mathies am Samstagmorgen noch immer.

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Quelle: wahlrecht.de
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