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„Reichsbürger“-Kommentar : Im Fantasy-Reich

Die „Reichsbürger“ treiben die Verweigerung der Wirklichkeit auf die Spitze. Der Staat muss auf diese neuen Extremisten reagieren – am besten durch den Entzug seiner Wohltaten.

          Die sprunghaft gestiegene Zahl der „Reichsbürger“ mag unter anderem darauf beruhen, dass der Verfassungsschutz genauer hinschaut und Trittbrettfahrer unterwegs sind. Besorgniserregend ist der Zuwachs aber dennoch. Über die Gründe wird nach wie vor gerätselt.

          Im herkömmlichen Raster fallen die „Reichsbürger“ unter die Rechtsradikalen. Allerdings ist ihre Ideologie nicht mehr nur reaktionär zu nennen, sondern militant nostalgisch. Jeder Extremismus besteht außerdem in der Verweigerung der Wirklichkeit, dieser aber treibt sie auf die Spitze: Deutschland existiert für sie nur in der Vergangenheit.

          Das deutsche Fantasy-Reich, das sie sich ausdenken, zimmern sich die „Reichsbürger“ aus den Verschwörungstheorien des Internets und halbgarer Geschichtsschreibung zusammen. In Bayern kommt das besonders gut an, vielleicht deshalb, weil der deutsche Zentralstaat dort in manchen Köpfen ohnehin nur bedingte Existenzberechtigung hat.

          Die wird er im Kampf gegen die neuen Extremisten unter Beweis stellen müssen. Am besten durch den Entzug seiner Wohltaten, die auch „Reichsbürger“ gerne genießen.

          Jasper von Altenbockum

          Verantwortlicher Redakteur für Innenpolitik.

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