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Ausschreitungen in Köln : In der Höllenhitze der Nacht

Mehr als tausend Menschen, vor allem junge männliche Ausländer, sollen für die Ausschreitungen in der Silvesternacht verantwortlich sein. Bild: dpa

Rund um den Kölner Hauptbahnhof herrschen an Tagen wie Silvester seit Jahren chaotische Zustände. Dieses Mal war es besonders aggressiv. Die Polizei ist machtlos und frustriert. Das könnte weitreichende Folgen haben.

          Der Kölner Polizeipräsident hat entschieden, den Medien erst einmal nichts mehr zu sagen. Stattdessen wollte Wolfgang Albers am Donnerstag den nordrhein-westfälischen Innenminister Ralf Jäger (SPD) „umfassend“ über die Ereignisse in Silvester-Horrornacht in und um den Kölner Hauptbahnhof informieren. Am Montag wird sich der Innenausschuss des Landtags in einer Sondersitzung mit den Vorfällen und mit dem Bericht des Polizeipräsidenten befassen. „Aus Respekt vor dem Parlament werde ich für die Öffentlichkeit zunächst bis zu diesem Zeitpunkt keine weiteren Details zur Einsatzvorbereitung und zum Einsatzverlauf erläutern“, äußerte der Polizeipräsident.

          Reiner Burger

          Politischer Korrespondent in Nordrhein-Westfalen.

          Längst aber ist Albers selbst in dieser Frage nicht mehr Herr des Verfahrens. Die „Bild“-Zeitung und „Spiegel-Online“ zitierten am Donnerstag ausführlich aus einem eigentlich „nur für den Dienstgebrauch“ bestimmten „Einsatzerfahrungsbericht“ eines leitenden Bundespolizisten, der in der Silvesternacht mit seinem Einsatzzug zur Unterstützung vor den Hauptbahnhof gerufen wurde. Demnach befürchteten die Bundesbeamten schon früh am Silvesterabend, dass das Chaos „zu erheblichen Verletzungen, wenn nicht sogar zu Toten führen“ könnte. Wie diese Zeitung aus Polizeikreisen erfuhr, ist der auf den 4. Januar datierte Bericht echt. Er legt den Schluss nahe, dass auch die Kölner Polizei schon frühzeitig über Ausmaß und Dramatik der Lage rund um den Hauptbahnhof informiert gewesen sein muss.

          In „schwerster Schutzaustattung und behelmt“

          In dem Papier wird geschildert, wie die Bundespolizisten, die in der Nacht von Silvester auf Neujahr in „schwerster Schutzausstattung und behelmt von 21.45 bis 7.30 Uhr“ an Ort und Stelle im Einsatz waren, versuchten ihr Bestes zu geben – und doch scheitern mussten. „Der viel zu geringe Kräfteeinsatz … brachte alle eingesetzten Kräfte ziemlich schnell an die Leistungsgrenze.“ Der Bericht ist eine Abrechnung mit der Kölner Polizeiführung, ein Dokument des strukturellen Versagens auf Organisationsebene. Verstärkt wird seine Wirkung noch durch die Aussage eines Kölner Einsatzleiters, der in der Zeitung „Express“ berichtete, man habe in der Nacht immer wieder so verzweifelt wie erfolglos um zusätzliche Kräfte gebeten und Unterstützung angefordert. Noch am 5. Januar hatte Polizeipräsident Albers bei einer Pressekonferenz gesagt, die Polizei sei „mit starken Kräften“ im Einsatz gewesen. Allerdings waren in der Kölner Schreckensnacht nur 143 Kölner Beamte und 70 Bundespolizisten im Einsatz.

          Der Verlauf der Kölner Schreckensnacht lässt sich mittlerweile anhand von Erzählungen von Augenzeugen, von Berichten, dutzendfach auf Youtube eingestellten Handy-Videoaufnahmen und den nun veröffentlichten internen Polizeiberichten weitgehend rekonstruieren. Rund um den Kölner Hauptbahnhof herrschen zwar schon seit Jahren an manchen Tagen wie Weiberfastnacht oder eben Silvester regelmäßig chaotische Zustände. Passanten, die am 31. Dezember 2015 auf dem Weg zum Silvesterkonzert in der Philharmonie waren, fiel diesmal aber eine besonders aggressive Stimmung auf.

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