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Die Methode Merkel : Eine neue Form des Charismas

  • -Aktualisiert am

Der Medienkanzler und die Pragmatikerin vor der Kanzlergalerie im Bundeskanzleramt Bild:

Angela Merkel ist überall. Oder: Die Zeit der Polarisier scheint in allen Parteien abgelaufen. Wie sonst wäre zu erklären, dass Olaf Scholz - der „Anti-Guttenberg“ - als Kanzlerkandidat gelten kann?

          Vorbei ist die Phase der Zampanos in der Politik, in den Parteien, in den Regierungen. Vorbei sind die Zeiten der verbalen Kraftmeiereien, die dem Betrieb der Medien Futter gegeben haben. Die großen Auftritte im Bundestag, auf Parteikongressen und im Fernsehen gehören der Vergangenheit an. Den bunten Blättern mangelt es an schillernden Figuren aus dem politischen Milieu. Der (vermeintliche) Unterhaltungswert der Politik ist gegen Null gesunken. Es herrschen die Fachleute und die Pflichtbewussten. Angela Merkel ist überall. Die Pfarrerstochter aus Mecklenburg-Vorpommern hat alle und alles überstanden. Sie ist die Ausprägung eines neuen Typs, der das politische Personal insgesamt kennzeichnet. Niemand würde die Bundeskanzlerin als Medienstar bezeichnen - so wie einst Gerhard Schröder als Medienkanzler bezeichnet wurde. Derlei Maßstäbe gehören der Vergangenheit an. Dereinst mögen sie wiederkehren. Heute aber hat sich der Politiker, will er in Amt und Würden bleiben, im öffentlichen Auftritt klein zu machen und sein politisches Profil niedrig zu halten.

          Das Verschwinden von Karl-Theodor zu Guttenberg ist - unabhängig von den Gründen seines Rücktritts - kennzeichnend. Bis vor wenigen Wochen noch erschien der Bundesminister der Verteidigung als CSU-Vorsitzender in spe, Ministerpräsident in spe, Bundeskanzler in spe. Illustrierte Zeitschriften und die Boulevardpresse hatten ihn populär gemacht. Er schien unangreifbar. Nun wird in den Reihen der Union über ihn gesprochen, als werde über graue Vergangenheit geredet, und der Eindruck wird vermieden, als sei ihm nachzuweinen. Restliche Erinnerungen wurden von den Folgen des Tsunami in Japan weggespült.

          Guido Westerwelles Schicksal fügt sich ins Bild. Was Guttenberg für die CSU war, war Westerwelle für die FDP. Konsequenterweise konkurrierten die beiden um die Rolle des Zweiten im Bundeskabinett und um die Wortführerschaft in Fragen der internationalen Sicherheitspolitik. Nicht zwei Jahre ist es her, da war Westerwelle stark wie nie. Er trat als Kapitän auf, der zugleich Steuermann war. Er schien unverzichtbar und mithin unangreifbar. Er beherrschte die Klaviatur des öffentlichen Auftretens - als Debattenredner im Bundestag und als Rhetoriker auf Parteitagen. Nun sagen seine Parteifreunde, beliebt sei Westerwelle eigentlich nie gewesen. Sein an Gegner und Medien gerichteter Ruf „Ihr kauft mir den Schneid nicht ab“ wirkt in der Rückschau wie der Ruf eines trotzigen Kindes. Westerwelle kann froh sein, wenn sie ihn bis zum Ende der Wahlperiode als Außenminister aushalten.

          Heftigste Personaldebatten blieben aus

          Nicht einmal die Niederlage ihrer Partei in Baden-Württemberg aber konnte Angela Merkel etwas anhaben, das ihre Führungspositionen in CDU und Regierung gefährden würde. Im Herbst noch waren in den eigenen Reihen für diesen Fall heftigste Personaldebatten angekündigt worden - bis hin zu Ankündigungen, dann werde in der Fraktion ein Ruf wie Donnerhall nach Guttenberg erschallen. Nichts dergleichen geschah. Nicht in der Parteiführung, nicht in der Bundestagsfraktion, nicht in der CDU und nicht in der Schwesterpartei. Keine Debatte gab es, wie es dazu kommen konnte, dass die CDU binnen eines Jahres die Regierungsmacht in Nordrhein-Westfalen, Hamburg und Baden-Württemberg verlieren konnte. Die Kanzlerin blieb, als wäre nichts gewesen.

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