13.07.2007 · Nach der Ankündigung der Fürther Landrätin für den Parteivorsitz zu kandidieren, ist es nicht leichter geworden, in der CSU Sein und Schein auseinanderzuhalten. Frau Pauli bleibt trotz der medialen Aufmerksamkeit, die ihr zuteil wird, ohne Chance, meint Albert Schäffer.
Von Albert Schäffer, MünchenNach der Ankündigung der Fürther Landrätin Gabriele Pauli, für den CSU-Vorsitz zu kandidieren, ist es nicht leichter geworden, in der bayerischen Mehrheitspartei Sein und Schein auseinanderzuhalten.
Gemessen an der Medienresonanz, hat sich Frau Pauli wieder einmal als Expertin des politischen Marketings erwiesen – schließlich hat sie auch eine Dissertation über die „Öffentlichkeitsarbeit politischer Parteien am Beispiel der CSU“ verfasst. Einer Nachrichtenagentur war die Ankündigung der Landrätin sogar eine Eilmeldung wert – als stünde der Rücktritt des amerikanischen oder russischen Präsidenten bevor. Auf dem Markt der Aufgeregtheiten hat sich Frau Pauli abermals mit einer Sicherheit plaziert, von der andere CSU-Größen nicht einmal träumen können.
Beckstein: Nicht den Hauch einer Chance
Ihre Präsenz in den Talkshows der Republik dürfte in den nächsten Tagen gesichert sein, zumal auf die Reflexe in der CSU Verlass ist. Innenminister Beckstein, den die CSU-Landtagsfraktion am kommenden Donnerstag als nächsten Ministerpräsidenten nominieren will, intonierte am Freitag mit solcher Inbrunst, dass Frau Pauli nicht „den Hauch einer Chance“ habe, dass auch bekennende Nichtdialektiker auf den Gedanken verfallen konnten, das Gegenteil müsse wahr sein.
Die Vorsitzende der Frauen-Union der CSU, die Europaministerin Müller, sprach von einer „Provokation“ – als seien nur Kandidaturen erlaubt, denen zuvor durch Absprachen in Parteizirkeln der Weg gebahnt worden ist. Und der stellvertretende CSU-Vorsitzende Friedrich ließ ungnädig wissen, die Bewerbung von Frau Pauli sei nicht „seriös“.
Huber gilt als Favorit
Mit solcher Unterstützung lief für Frau Pauli medial gesehen wieder einmal alles bestens; mehr Aufmerksamkeit hätte ihr auch eine ganze Abteilung von PR-Fachleuten nicht verschaffen können. Die Welt der Eilmeldungen und Talkshows hat allerdings wenig zu tun mit den realen Kräfteverhältnissen in der CSU.
Der bayerische Wirtschaftsminister Huber hat in den vergangenen Monaten viel getan, um als Favorit zum Parteitag Ende September fahren zu können; emsig hat er in den Gliederungen der Partei Gefolgsleute hinter sich geschart und Bündnisse geschlossen. Und es ist Huber gelungen, als ein Mann aufzutreten, der mit den innerparteilichen Kabalen um die amourösen Verwicklungen seines Konkurrenten Seehofer nichts, aber auch gar nichts zu schaffen habe.
Seehofers bundespolitische Strahlkraft
Nur schwere Fehler Hubers könnten noch das Blatt zugunsten von Bundeslandwirtschaftsminister Seehofer wenden, der mit Huber um den Vorsitz konkurriert. Weniger seine amourösen Verwicklungen als seine dunklen Andeutungen über „Material“ zu anderen Politikern, das ihm zugespielt worden sei, lasten auf seiner Bewerbung. Nur wenn Huber auf der letzten Wegstrecke zum Parteitag ins Stolpern geriete, könnte Seehofer möglicherweise sein stärkstes Argument – seine bundespolitische Strahlkraft – doch noch zum Parteivorsitz verhelfen.
Frau Pauli hat, trotz der medialen Aufmerksamkeit, die ihr zuteil wird, nicht einmal eine Außenseiterchance; allein schon ihre einstigen Andeutungen, sich auch eine andere politische Heimat als die CSU vorstellen zu können, haben sie auch unter wohlgesonnenen CSU-Anhängern Sympathien gekostet.
Weitverbreitetes Unbehagen
Ohne Brisanz für die CSU ist die Bewerbung der Landrätin dennoch nicht; sie könnte wie schon vor Stoibers Sturz zu einem Katalysator für ein weitverbreitetes Unbehagen in der Partei werden. Bislang ist die Auseinandersetzung zwischen Huber und Seehofer wenig mit inhaltlichen Positionen geführt worden; beide haben nur ab und an aufscheinen lassen, wohin sie die CSU führen wollen.
Frau Pauli hat bei der Erläuterung der Gründe für ihre Kandidatur dieses Defizit geschickt aufgegriffen, ohne selbst Abhilfe schaffen zu können; viel mehr als die Feststellung, Bayern und die CSU brauchten neue Leute mit neuen Ideen, konnte sie nicht vorweisen. Ihre Kandidatur könnte aber bewirken, dass CSU-Anhänger, die bei ihr eine ausgefeilte Programmatik vermissen, sie umso mehr von Huber und Seehofer einfordern.
Der Einfluss des medialen Boulevards
Das Pendel könnte für die CSU durch die Kandidatur von Frau Pauli freilich auch in eine andere Richtung ausschlagen - nämlich dass der Wettbewerb um den Parteivorsitz vollends von den Gesetzen des medialen Boulevards beherrscht wird. Eine Auseinandersetzung könnte drohen, in der versucht wird, Modefotografien gegen außereheliche Affären aufzurechnen.
Auf welcher schiefen Ebene die Auseinandersetzung in der CSU ohnehin schon geführt wird, zeigte jüngst der missglückte Auftritt Becksteins in einem Bierzelt, als ihn der Anblick einer Trachtenkapelle zu einem Exkurs über die erotische Anziehungskraft von strammen Männerwaden in Lederhosen animierte, samt der Beteuerung, er persönlich sei nicht gefährdet, schließlich heiße er Günther und nicht Horst. In der Kunst, Stimmungen in Bierzelten in Stimmen in der Wahlkabine zu transferieren, hat die CSU zwar Erfahrung; aber auch in Bayern könnte sich die Lust an einer Inszenierung von Politik als permanenter Gaudi irgendwann einmal erschöpfen.
Neue Frauen braucht das Land!
Andre Wolters (Flitze47)
- 13.07.2007, 20:16 Uhr
Huber
uwe gottwald (ugottwald)
- 13.07.2007, 23:04 Uhr
Schafe im Wolfsfell
norbert doerre (ndoerre)
- 13.07.2007, 23:14 Uhr
Die CSU könnte sooooo sexy sein ...
Wilhelm Friedrich (WillyF)
- 13.07.2007, 23:18 Uhr
Aber sie hat Frische
Jörg Beckmann (JLEBeckmann)
- 13.07.2007, 23:34 Uhr