Am Montag hat die SPD wieder einmal vor Augen geführt bekommen, warum sie mit Recht die Kanzlerin als Gegnerin im bevorstehenden Wahlkampf fürchtet. Vor der Bundespressekonferenz saßen Gelassenheit und Routine in einer Person. Nicht eine Frage brachte die Kanzlerin in Verlegenheit. Obwohl es reichlich Steine gibt, über die sie stolpern könnte. Die Schar der Kritiker, die Frau Merkels Kurs in der Schuldenkrise für falsch hält, besteht nicht nur aus Inflationsneurotikern. Die Energiewende läuft alles andere als rund. Das Getriebe der Koalition ist ein einziger Sandkasten. Doch nichts davon verdirbt der Kanzlerin die öffentliche Laune.
Denn beim Wahlvolk kommt ihr Regierungsstil ausweislich der Meinungsumfragen gut an. Frau Merkel vermittelt den Deutschen in einer Zeit, die als von Krisen durchzogen empfunden wird, den Eindruck, sie wisse, worum es gehe und was in komplexen Angelegenheiten, die kaum jemand bis zum Letzten durchschaut, zu tun sei, zumindest als Nächstes. Kritik aus Fachkreisen hat dieses Bild ebenso wenig nachhaltig verdunkeln können wie patentantenhafte Professorinnen-Polemik. Schmähungen aus dem europäischen Ausland festigten hierzulande sogar noch das Urteil, die Kanzlerin verteidige eisern deutsche Interessen und deutsches Geld.
Das ist wahrlich keine günstige Ausgangslage für die Partei, die sich vorgenommen hat, die Kanzlerschaft Frau Merkels in zwölf Monaten zu beenden. In den vergangenen zwei Jahren hat die SPD diese Regierung sogar eigenhändig stabilisiert, indem sie die Politik der Kanzlerin zur Rettung des Euros mittrug. Von symbolischen Akten wie der Torpedierung des Steuerabkommens mit der Schweiz abgesehen, haben die Sozialdemokraten in der Europa- und Außenpolitik nicht grundstürzend anderes im Angebot als die regierende Koalition.
Auch in der Innen-, Steuer- und Sozialpolitik sind die Unterschiede zur Union längst nicht mehr so groß wie früher, dafür haben Schröder, auf den die SPD jetzt wieder stolz sein soll, und danach Frau Merkel gesorgt. Die Sehnsucht der Deutschen nach der großen Koalition ist daher so unverständlich nicht. Nachvollziehbar bleibt aber auch die Angst der SPD, nach einer quälend langen Kür des Kanzlerkandidaten, der wenigstens ähnlich kompetent wie Frau Merkel erscheinen müsste, und einem schwierigen Wahlkampf gegen eine kaum zu fassende Gegnerin stehe bestenfalls wieder nur eine Vizekanzlerschaft.
Meisterin der Taktik. Lausige Strategin?
Dieter Zorn (Zoernheim)
- 18.09.2012, 23:21 Uhr
Die Umfragewerte würden sich dramatisch ändern, wenn....
Dirk Lehmann (DkLehmann)
- 18.09.2012, 17:29 Uhr
Unter Blinden...
Armin Schindler (armin.k)
- 18.09.2012, 13:06 Uhr
Wenn Merkel so unangefochten wäre ....
bernd ullrich (demokrat2)
- 18.09.2012, 13:03 Uhr
Die "Stärke" der Kanzlerin und ihrer CDU,
Andreas Buntrock (A.Buntrock)
- 18.09.2012, 12:49 Uhr