10.08.2006 · Die vereitelten Attentate in London berühren die Luftsicherheit in ganz Europa. In Deutschland hat das unter Politikern eine Debatte über die Flugsicherheit im Land ausgelöst.
Nach den Verhaftungen mutmaßlicher Attentäter und Terrorwarnungen aus Großbritannien sind am Donnerstag auch an deutschen Flughäfen die Sicherheitsvorkehrungen verschärft worden. Dies sei „vorsorglich“ geschehen, teilte das Innenministerium mit und bat die Reisenden, sich auf gründliche Kontrollen und eventuelle Verspätungen einzustellen. Die Luftsicherheitsmaßnahmen seien aber längst der Gefährdungslage angepaßt und bereits seit längerem in Deutschland auf hohem Niveau, teilte das Ministerium mit.
Nach Bekanntwerden der Vorwürfe gegen die Terrorverdächtigen wurden zahlreiche Flüge aus Deutschland nach Großbritannien gestrichen. Die Lufthansa teilte mit, etwa dreißig Flüge nach London seien gestrichen worden. Rund 5000 Passagiere seien betroffen. (Siehe auch: Heathrow: Nervenzehrendes Geduldsspiel für Tausende Passagiere) Nach Hinweisen auf die mutmaßliche Vorgehensweise der Terrorverdächtigen wurden auch für deutsche Flughäfen gründliche Kontrollen des Handgepäcks angeordnet.
Warnungen vor einer „hektischen Debatte“
Dem stellvertretenden Vorsitzenden der CDU/CSU-Fraktion Bosbach zeigten die Anschlagsplanungen in London, „daß wir eine anhaltend Besorgnis erregende Lage haben und daß wir unsere Sicherheitsanstrengungen verstärken müssen“. Er sprach sich zudem für den möglichst raschen Aufbau einer bundesweiten Anti-Terror-Datei aus. Der SPD-Politiker Wiefelspütz warnte vor einer „hektischen Sicherheitsdebatte“ als Reaktion auf die vereitelten Terroranschläge. Deutschland sei im Kampf gegen den Terrorismus „gut aufgestellt“. Zwar berühre der Vorfall in London die Luftsicherheit in ganz Europa. Es bestünde aber keine konkrete Anschlagsgefahr für Deutschland.
Der Grünen-Sprecher für Innenpolitik, Wieland, warnte vor „hektischem Aktionismus“. Man müsse zunächst Großbritannien zu den Festnahmen gratulieren. Die Bundesrepublik selbst habe ein hohes Sicherheitsniveau erreicht. Es spreche derzeit nichts dafür, „daß den Briten Mittel zur Verfügung standen, die bei uns fehlen“, sagte Wieland. Verbesserungen bei der Gepäcksicherheit seien zu erwägen. Es gehe aber auch beim Anti-Terrorkampf darum, „die Bürgerrechte zu verteidigen“. Der Terrorismus wolle den Rechtsstaat beseitigen, teilte Wieland mit. „Wir verteidigen ihn nur, indem wir ihn bewahren.“ Gefragt sei nun „gewissenhafte Analyse statt Sicherheits-Geplapper“.