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Veröffentlicht: 17.03.2016, 15:45 Uhr

Angst vor Salafisten? Gebetsräume an Hochschulen unter Generalverdacht

Mehrere deutsche Universitäten schließen ihre Gebetsräume, weil sich Konflikte mit muslimischen Studenten ergeben haben. Offen reden über die Furcht vor möglichen islamistischen Terrorzellen will aber kaum jemand.

von Yannik Primus
© Uwe Dettmar Raum der Stille in Grossformat: Die Goethe-Universität bietet den Studierenden in Frankfurt ein ganzes „Haus der Stille“.

Was tun, wenn Studenten in Gebetsräumen der Unis ihre Mitstudentinnen auffordern, auf Parfüm zu verzichten und sich zu verschleiern? Oder wenn Studenten den Gebetsraum mit Trennwänden in zwei Hälften aufteilen – eine große für die Männer und eine kleine für die Frauen? Diesen unangenehmen Fragen musste sich die Technische Universität Dortmund stellen.

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Die Aufforderung zum Verschleiern stand 2012 auf Flyern, die im Gebetsraum herumlagen, erst im Januar wurden Trennwände vorgefunden. Die Antwort auf die wiederholten Missstände der Uni-Leitung war die endgültige Schließung des Gebetsraumes, der „Raum der Stille“ hieß und wie bei den meisten deutschen Universitäten auch für nichtreligiöse Zwecke gedacht war. Zum Beispiel, um sich einmal in aller Ruhe vom Lernstress, den viele Studierende kennen, zu erholen.

do-TU Raum der Stille © TU Dortmund Vergrößern Vor weiblichen Blicken geschützt: Muslimische Studenten, welche den „Raum der Stille“ für ihre Gebete nutzten, unterteilten den Raum mit Trennwänden in zwei Teile - eine für Frauen und eine für Männer.

Die Technische Universität Berlin hat ihren Gebetsraum für Muslime am Montag „wegen bautechnischer Probleme“ geschlossen. Am Freitag bot die Universität ihren muslimischen Studenten für das Freitagsgebet bisher eine Turnhalle an. Auch diese wird aus dem selben Grund geschlossen – „bautechnische Probleme." „Die Turnhalle umfasst gerade mal 300 Quadratmeter. Jeden Freitag versammeln sich dort rund 500 Personen“, sagt Pressesprecherin Stefanie Terp FAZ.NET, „Die Halle ist dafür zu klein und eine Universität ist keine Moschee.“ Auch der Gebetsraum sei zu klein für die hohe Besucherfrequenz von rund 100 Personen pro Tag. Ob die Schließung auch aus Angst vor religiösen Konflikten oder dem Aufkreuzen von Salafisten zu tun hat, ist unklar. Meinungen von Salafisten-Experten einzuholen, erweist sich als schwieriges Unterfangen. Viele möchten sich nicht äußern.

Hayat-Deutschland ist bundesweit die erste Beratungsstelle für Personen und Angehörige von Personen, die sich salafistisch radikalisieren oder sich dem militanten Dschihadismus anschließen. Die Frage, wie hoch die Gefahr sei, dass Räume der Stille von Salafisten missbraucht werden, kann die Stelle aus „zeitlichen Gründen“ nicht beantworten, sie bekämen viele Anfragen pro Tag. Auch vier Tage reichen für eine Antwort nicht aus. Hayat-Deutschland ist eines der Projekte der „ZDK Gesellschaft Demokratische Kultur“, die zum Netzwerk der Beratungsstelle „Radikalisierung“ des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF) gehört. Mit derselben Frage angesprochen, empfiehlt die Behördenstelle, man solle sich doch an Universitäten und „zuständige Kulturministerien“ wenden, die Fragestellung falle nicht in ihre Zuständigkeit.

Kompromisslösung Gebetsbalkon

Dass die Fragestellung nicht aus der Luft gegriffen ist, zeigt der Fall der Bochumer Hochschule. Dort traf sich Salafist Sami A. 2012 mit Gleichgesinnten im „Raum der Stille“. Auch hier schloss die Hochschule den Raum – eröffnete dann aber einen „Gebetsbalkon“ in der Mensa. Der Balkon ist nur über eine Brücke erreichbar und bietet etwas Privatsphäre – nicht aber die Abgeschiedenheit eines Gebetsraums. „Jetzt gibt es sicher keine Probleme mehr“, sagt Pressesprecher Detlef Bremkens, „der Ort ist ein Kompromiss, der sich mit den Gebetsbedürfnissen der muslimischen Studierenden sowie den Sorgen derer, die keinen Gebetsraum möchten, deckt.“

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Quelle: wahlrecht.de
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