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Erschöpft nach 30 Minuten : Handschrift von Schülern immer schlechter

Übungssache: Viele Schüler können nicht mehr als 30 Minuten am Stück schreiben, ohne Schmerzen oder Krämpfe in der Hand. Bild: dpa

Mehr als eine halbe Stunde ohne Schmerzen schreiben - für deutsche Kinder ist das immer seltener möglich. Den meisten fehlt die Feinmotorik und Übung. Das hat Auswirkungen auf die Lernleistung.

          Deutsche Schüler haben immer größere Schwierigkeiten, mit der Hand zu schreiben. Das geht aus einer Umfrage hervor, die der Deutsche Lehrerverband gemeinsam mit dem Schreibmotorik-Institut in Heroldsberg erhoben hat. 83 Prozent der Grundschullehrer gaben an, dass sich die motorischen Voraussetzungen, die Kinder für die Entwicklung der Handschrift mitbringen, in den vergangenen Jahren erheblich verschlechtert haben.

          Heike Schmoll

          Politische Korrespondentin in Berlin, zuständig für die „Bildungswelten“.

          Das führt dazu, dass Schüler auch in den weiterführenden Schulen kaum mehr als 30 Minuten beschwerdefrei schreiben können, weil sie offenbar zu wenig Übung mit einer verbundenen Handschrift haben. Das gilt selbst für die mehrstündigen Deutschklausuren von Abiturienten, die darauf häufig mit Schreibkrämpfen und Verspannungen reagieren. Die Gründe dafür sehen die Lehrer in einer fortschreitenden Digitalisierung, in zu geringer Übung zu Hause und in einer schlechten Feinmotorik.

          Wer gut schreibe, könne sich Sachen besser merken

          Der Schreibmotorikforscher Christian Marquardt sagte bei der Vorstellung der Befragung am Mittwoch in Berlin: „Schreibenlernen ist in erster Linie Bewegungslernen, und hier brauchen viele Kinder mehr Unterstützung.“ Der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Josef Kraus, forderte die Kultusminister der Länder auf, das Schreiben mit der Hand verstärkt in den Blick zu nehmen. „Die zunehmenden Probleme vieler Schüler mit der Schreibschrift muss sich auch eine Schulpolitik ankreiden lassen, die dem Schreiben und insgesamt der sprachlichen Bildung immer weniger Bedeutung beimisst“, sagte Kraus in Berlin.

          Er verwies auf den immer weiter reduzierten Grundwortschatz von 700 Wörtern, die Schüler am Ende der ersten vier Klassen aktiv beherrschen müssen, auf den Einsatz von Lückentexten und vorformulierten Antworten sowie vielen Fotokopien, die Schüler täglich erhalten. Tendenziell gebe es einen Zusammenhang zwischen Lernleistung und Güte der Handschrift. „Wer gut und versiert schreibt, prägt sich Geschriebenes besser und konzentrierter ein.“

          Forscher gegen Einsatz digitaler Medien in der Grundschule

          In der Tat gibt es einen in anderen Studien nachgewiesenen Zusammenhang zwischen dem motorischen und dem visuellen Gedächtnis. Wer mit der Hand schreibt, entwickelt eine visuelle und motorische Darstellung und steigert durch das Zusammenwirken zweier Gedächtnisbereiche den Lerneffekt. Kraus kritisierte eine „angestrengte Erleichterungspädagogik“, die für ständig sinkende Anforderungen sorge.

          Er forderte die Kultusministerkonferenz auf, für mehr Einheitlichkeit beim Erlernen der Schrift in allen Bundesländern zu sorgen. Vom Einsatz digitaler Medien in der Grundschule, wie vom Bundestag gefordert, hält Kraus nichts. Befragt wurde für die Umfrage eine repräsentativ ausgewählte Gruppe von 2000 Lehrern aus allen Schularten und in sämtlichen Ländern. Lehrern aus Grundschulen und weiterführenden Schulen wurden getrennte Fragebögen vorgelegt.

          Die Präsidentin der Kultusministerkonferenz, Sachsens Kultusministerin Brunhild Kurth (CDU), kündigte unterdessen an, dass die sichere Beherrschung der Handschrift auch bei den Zusammenkünften der Kultusminister eine Rolle spielen werde, und verwies auf die sächsischen Erfahrungen. An den sächsischen Grundschulen sollten alle Schüler am Ende der Grundschulzeit sicher und geläufig schreiben können. Sachsen habe schulartübergreifend ein Gesamtkonzept „Sprachliche Bildung“ entwickelt, in dem die Eckwerte für die Schulen festgelegt sind. Ein wichtiger Aspekt in diesem Gesamtkonzept sei das motorische Schreiben, dessen Vermittlung auch an den weiterführenden Schulen nicht vergessen werden dürfe. Noten gibt es an den weiterführenden Schulen allerdings nicht mehr.

          „Handschriftliches kann man nicht einfach löschen, man muss gut überlegen, bevor man schreibt. Damit wird das strukturierte Denken gefördert, und man ist mit dem Inhalt intensiver verbunden“, sagte Kurth. In fast allen Bundesländern lernen die Grundschüler zwei Schriften. Sie beginnen mit der Druckschrift, die später zu einer Schreibschrift übergeleitet wird, die sich je nach Bundesland unterscheiden kann. Fachleute vermuten, dass durch das Verwerfen der gerade gelernten Druckschrift und dem Erlernen der Schreibschrift die ausreichende Übung auf der Strecke bleibt. Sie plädieren dafür, dass möglichst nur eine verbundene Schrift sicher gelernt wird, weil diese motorisch besser gespeichert wird. Sowohl Rechtschreibung als auch Grammatik sind bei Schülern mit verbundener Handschrift besser entwickelt.

          Quelle: F.A.Z.

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