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Deutsche Bahn Schlussstrich und Neuanfang

13.05.2009 ·  Schnell und hart greift der neue Bahn-Chef Grube durch. Er will einen Schlussstrich ziehen unter die „Datenaffäre“, die die Arbeit in den Führungsetagen lähmt. Er nutzt das große Stühlerücken „aus Gründen der Hygiene“, um Veränderungen an der Konzernstruktur vorzunehmen.

Von Kerstin Schwenn, Berlin
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Jeder neue Vorstandsvorsitzende setzt Marken - vor allem, wenn er ein Unternehmen in der Krise übernimmt. In der Deutschen Bahn ist die „Datenaffäre“ derzeit sichtbares Zeichen einer Krise. Der neue Bahnchef Grube hat seine Aufräumarbeiten im Konzern deshalb an dieser Stelle begonnen. Schnell und hart greift er durch. Die Liste der Führungskräfte, die künftig nicht mehr für die Bahn arbeiten werden, ist lang geworden. Grube will einen Schlussstrich ziehen unter die Affäre, die die Arbeit in den Führungsetagen seit Monaten lähmt.

Der Bericht der Sonderermittler der Wirtschaftsprüfergesellschaft KPMG, den diese am Mittwoch dem Aufsichtsrat vorgelegt haben, lässt keinen Zweifel an gravierenden Verfehlungen: Jahrelang konnten Konzernrevision und Konzernsicherheit im Verein mit der Personalabteilung Hunderttausende von Mitarbeiterdaten mit denen von Lieferanten vergleichen. Sie bedienten sich dabei unlauterer Methoden, machten sich womöglich gar strafbar. Jahrelang wurde der E-Mail-Verkehr der Bahnmitarbeiter systematisch überwacht - in dem panischen Bemühen, undichte Stellen aufzudecken, durch die interne Informationen etwa an Abgeordnete oder Journalisten flossen.

„Komische Handlungsanweisungen“

Der Aufsichtsratsvorsitzende Werner Müller, der sich selbst vorwerfen lassen musste, als Aufseher nicht eher reagiert zu haben, sprach am Mittwoch von einem „erschreckenden Ausmaß“ des Datenmissbrauchs. Es sei unbefriedigend, dass nicht habe ermittelt werden können, wer „diese komischen Handlungsanweisungen“ gegeben habe. Keinem Vorstandsmitglied konnten die Sonderprüfer eine Kenntnis oder gar eine Beteiligung nachweisen.

Dennoch müssen jetzt alle gehen, in deren Ressort die Verantwortung für Personal, Datenschutz und Korruptionsbekämpfung fällt: Der 61 Jahre alte Norbert Bensel, heute Logistikvorstand, war von 2002 bis 2005 Personalvorstand. In diese Zeit fiel ein Teil der umstrittenen Datenüberprüfungen. Hernach hatte Margret Suckale das Amt inne, sie hat ihren Wechsel zum Chemiekonzern BASF schon mitgeteilt. Dem 64 Jahre alten Otto Wiesheu, ehemals bayerischer Wirtschaftsminister, unterstand die Konzernsicherheit. Sein Vertrag wäre im kommenden Jahr ohnehin ausgelaufen.

Die übrigen künftigen Ex-Vorstände können noch länger mit einer Überweisung ihrer Bezüge rechnen. Auch der mit großer Geste eingeführte Antikorruptionsbeauftragte, der Frankfurter Staatsanwalt Wolfgang Schaupensteiner, muss den Konzern nach zwei Jahren nun wieder verlassen.

Vorerst an Bord bleibt der erfahrene Finanzvorstand Diethelm Sack. Er hatte zunächst angekündigt, das Unternehmen mit Mehdorn verlassen zu wollen, scheint sich aber nun mit dem Gedanken an eine Zusammenarbeit mit Grube anzufreunden.

„Aus Gründen der Hygiene“

Überdies ist hingegen bestätigt, dass Konzern-Personalvorstand Norbert Hansen nicht länger am Vorstandstisch sitzen wird. Müller hat mit ihm, der schwer erkrankt ist, eine Vertragsaufhebung vereinbart. Die Arbeitnehmer im Aufsichtsrat werden bei der Neubesetzung dieses Postens ein klares Wort mitreden. Der Weggang von Hansen, der bis voriges Jahr die Gewerkschaft Transnet leitete, kommt ihnen gelegen. Sie haben ihm den Wechsel in den Bahnvorstand nie verziehen.

Grube zieht nicht nur „aus Gründen der Hygiene“ einen Schlussstrich unter die Datenaffäre. Er nutzt das Revirement, um erste Veränderungen an der Konzernstruktur vorzunehmen. Zum einen will er ein neues Vorstandsressort Compliance, Datenschutz und Recht schaffen. Das bisher von Wiesheu beackerte Feld „Wirtschaft und Politik“ will Grube selbst übernehmen - verfügt er doch aus seiner früheren Tätigkeit als Daimler-Vorstand und Verwaltungsratsvorsitzender des Luftfahrtkonzerns EADS über beste Kontakte zur Politik, bis hin zur Kanzlerin.

Ferner bindet er die beiden im Zuge des geplanten Börsengangs getrennten Gesellschaften DB-Holding und DB Mobility Logistics wieder enger zusammen: Beide werden künftig von nur noch einem Personalvorstand geführt. Die Aufteilung in Hansen und Frau Suckale habe sich nicht als praktikabel erwiesen, erläuterte Aufsichtsrat Müller. Er verhehlte nicht, dass die Personalunion im Falle eines Börsengangs zu Schwierigkeiten führen könnte. Doch die Teilprivatisierung ist in Berlin ohnehin kein Thema mehr: Nach ihrer mittelfristigen Finanzplanung, die der Aufsichtsrat am Mittwoch billigte, wird die Deutsche Bahn frühestens 2012/2013 wieder so viel wert sein wie im „Börsenjahr 2008“. Bis dahin, so Müller, bedeutete jede Teilprivatisierung, Erlöse zu verschenken.

Jeder neue Vorstandsvorsitzende setzt Marken - vor allem, wenn er ein Unternehmen in der Krise übernimmt. In der Deutschen Bahn ist die „Datenaffäre“ derzeit sichtbares Zeichen einer Krise. Der neue Bahnchef Grube hat seine Aufräumarbeiten im Konzern deshalb an dieser Stelle begonnen. Schnell und hart greift er durch. Die Liste der Führungskräfte, die künftig nicht mehr für die Bahn arbeiten werden, ist lang geworden. Grube will einen Schlussstrich ziehen unter die Affäre, die die Arbeit in den Führungsetagen seit Monaten lähmt.

Der Bericht der Sonderermittler der Wirtschaftsprüfergesellschaft KPMG, den diese am Mittwoch dem Aufsichtsrat vorgelegt haben, lässt keinen Zweifel an gravierenden Verfehlungen: Jahrelang konnten Konzernrevision und Konzernsicherheit im Verein mit der Personalabteilung Hunderttausende von Mitarbeiterdaten mit denen von Lieferanten vergleichen. Sie bedienten sich dabei unlauterer Methoden, machten sich womöglich gar strafbar. Jahrelang wurde der E-Mail-Verkehr der Bahnmitarbeiter systematisch überwacht - in dem panischen Bemühen, undichte Stellen aufzudecken, durch die interne Informationen etwa an Abgeordnete oder Journalisten flossen.

„Komische Handlungsanweisungen“

Der Aufsichtsratsvorsitzende Werner Müller, der sich selbst vorwerfen lassen musste, als Aufseher nicht eher reagiert zu haben, sprach am Mittwoch von einem „erschreckenden Ausmaß“ des Datenmissbrauchs. Es sei unbefriedigend, dass nicht habe ermittelt werden können, wer „diese komischen Handlungsanweisungen“ gegeben habe. Keinem Vorstandsmitglied konnten die Sonderprüfer eine Kenntnis oder gar eine Beteiligung nachweisen.

Dennoch müssen jetzt alle gehen, in deren Ressort die Verantwortung für Personal, Datenschutz und Korruptionsbekämpfung fällt: Der 61 Jahre alte Norbert Bensel, heute Logistikvorstand, war von 2002 bis 2005 Personalvorstand. In diese Zeit fiel ein Teil der umstrittenen Datenüberprüfungen. Hernach hatte Margret Suckale das Amt inne, sie hat ihren Wechsel zum Chemiekonzern BASF schon mitgeteilt. Dem 64 Jahre alten Otto Wiesheu, ehemals bayerischer Wirtschaftsminister, unterstand die Konzernsicherheit. Sein Vertrag wäre im kommenden Jahr ohnehin ausgelaufen.

Die übrigen künftigen Ex-Vorstände können noch länger mit einer Überweisung ihrer Bezüge rechnen. Auch der mit großer Geste eingeführte Antikorruptionsbeauftragte, der Frankfurter Staatsanwalt Wolfgang Schaupensteiner, muss den Konzern nach zwei Jahren nun wieder verlassen.

Vorerst an Bord bleibt der erfahrene Finanzvorstand Diethelm Sack. Er hatte zunächst angekündigt, das Unternehmen mit Mehdorn verlassen zu wollen, scheint sich aber nun mit dem Gedanken an eine Zusammenarbeit mit Grube anzufreunden.

„Aus Gründen der Hygiene“

Überdies ist hingegen bestätigt, dass Konzern-Personalvorstand Norbert Hansen nicht länger am Vorstandstisch sitzen wird. Müller hat mit ihm, der schwer erkrankt ist, eine Vertragsaufhebung vereinbart. Die Arbeitnehmer im Aufsichtsrat werden bei der Neubesetzung dieses Postens ein klares Wort mitreden. Der Weggang von Hansen, der bis voriges Jahr die Gewerkschaft Transnet leitete, kommt ihnen gelegen. Sie haben ihm den Wechsel in den Bahnvorstand nie verziehen.

Grube zieht nicht nur „aus Gründen der Hygiene“ einen Schlussstrich unter die Datenaffäre. Er nutzt das Revirement, um erste Veränderungen an der Konzernstruktur vorzunehmen. Zum einen will er ein neues Vorstandsressort Compliance, Datenschutz und Recht schaffen. Das bisher von Wiesheu beackerte Feld „Wirtschaft und Politik“ will Grube selbst übernehmen - verfügt er doch aus seiner früheren Tätigkeit als Daimler-Vorstand und Verwaltungsratsvorsitzender des Luftfahrtkonzerns EADS über beste Kontakte zur Politik, bis hin zur Kanzlerin.

Ferner bindet er die beiden im Zuge des geplanten Börsengangs getrennten Gesellschaften DB-Holding und DB Mobility Logistics wieder enger zusammen: Beide werden künftig von nur noch einem Personalvorstand geführt. Die Aufteilung in Hansen und Frau Suckale habe sich nicht als praktikabel erwiesen, erläuterte Aufsichtsrat Müller. Er verhehlte nicht, dass die Personalunion im Falle eines Börsengangs zu Schwierigkeiten führen könnte. Doch die Teilprivatisierung ist in Berlin ohnehin kein Thema mehr: Nach ihrer mittelfristigen Finanzplanung, die der Aufsichtsrat am Mittwoch billigte, wird die Deutsche Bahn frühestens 2012/2013 wieder so viel wert sein wie im „Börsenjahr 2008“. Bis dahin, so Müller, bedeutete jede Teilprivatisierung, Erlöse zu verschenken.

Quelle: F.A.Z.
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Jahrgang 1963, Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.

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