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Deutsch-Französische Brigade : Sag’ zum Abschied leise au revoir

Auf die deutsch-französische Kohäsion: Soldaten vor der Kantine in Donaueschingen Bild: Wohlfahrt, Rainer

Die Deutsch-Französische Brigade wird immer wieder als Symbolarmee oder Sprachlabor geschmäht. Jetzt droht sogar der Abzug der Franzosen aus dem letzten deutschen Standort.

          Im ersten Stock des Kasinos umhüllen zwei hölzerne kleine Weinfässer zwei große Einwegverpackungen. Rosé und Rouge. Die französischen Soldaten dürfen sich zum Mittag in der „Cercle mess St-Maurice“ ein Glas Wein oder Bier gönnen. Ihren deutschen Kameraden ist das nicht erlaubt. Das sind die feinen Unterschiede im Alltag der Deutsch-Französischen Brigade.

          Rüdiger Soldt

          Politischer Korrespondent in Baden-Württemberg.

          Michaela Wiegel

          Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.

          Die Deutsch-Französische Brigade ist auf fünf Standorte in Deutschland und in Frankreich verteilt – im Süden Baden-Württembergs, im Elsass und in Lothringen. Ihre Geschichte ist eine einzige Berg-und-Tal-Fahrt. Immer, wenn die Franzosen oder die Deutschen ihre Armeen neu ordneten, wurde auch heftig über die Arbeit der Deutsch-Französischen Brigade diskutiert.

          Neue Diskussionen, denn Paris muss sparen

          Was vielleicht auch daran liegt, dass diesem in Europa einmaligen binationalen Kampfverband, der 1987 von Helmut Kohl und François Mitterrand aus der Taufe gehoben wurde, über lange Zeit viel Missachtung entgegenschlug: „Symbolarmee“, „Sprachlabor“, „Eintagsfliege“ lauteten die Kommentare von Politikern und – häufiger noch – skeptischen Militärs.

          Jetzt gibt es eine neue Diskussion über den Abzug der Franzosen, weil die Regierung in Paris im Verteidigungshaushalt sparen muss. Das 110. Infanterieregiment in der Foch-Kaserne in Donaueschingen steht zur Disposition. Einerseits könnten die Franzosen viel Geld sparen, wenn das traditionsreiche Infanterieregiment auf französischem Boden stationiert würde. Andererseits unterhält Frankreich – anders als Deutschland – seit Jahrzehnten ständige militärische Stützpunkte im Ausland.

          Die wichtigsten liegen auf dem afrikanischen Kontinent. 2009 hat Frankreich eine neue Militärbasis in Abu Dhabi eingeweiht. Der Stützpunkt am Persischen Golf ist von Sparmaßnahmen nicht betroffen. In Donaueschingen wurde in den vergangenen Jahren viel investiert: das neue Kasino, ein modernes Waffenlager, das festungsartig viel Platz auf dem Kasernengelände einnimmt. Die Investitionskosten haben sich Deutsche und Franzosen geteilt.

          Weil die Vergangenheit so blutig war

          In der „Salle d’honneur“ haben die Franzosen eine kleine Ausstellung zur großen Geschichte ihres 110. Infanterieregiments aufgebaut, das seit 1965 in Donaueschingen stationiert ist. Schon im amerikanischen Unabhängigkeitskrieg gab es eine Einheit mit diesem Namen. In dem Erinnerungszimmer sind Schlachtaufstellungen aus beiden Weltkriegen zu sehen. Weil die Vergangenheit so blutig war, gibt es die Deutsch-Französische Brigade.

          Einmal in der Woche lassen Colonel Olivier Waché und Oberstleutnant Christoph Kuhlmann deutsche und französische Kompanien und Bataillone auf dem Antrittsplatz vor dem Kasino aufmarschieren. Das soll dem Kennenlernen dienen und die „Kohäsion“ in der Brigade stärken. „Es ist natürlich ein Vorteil, dass das französische 110. Infanterieregiment hier stationiert ist.

          Würde es abgezogen, würde die praktische Zusammenarbeit auf unserer Ebene schwieriger, es wäre umständlicher, für gemeinsame Ausbildungen wären größere Distanzen zu überwinden“, sagt Kuhlmann. Colonel Waché pflichtet ihm bei: „Wenn mein Infanterieregiment verlegt würde, könnten wir das alltägliche Leben nicht zusammen führen, die Partnergemeinden wären weiter entfernt. Die Existenz der Brigade ist davon aber nicht im Kern betroffen, wir machen unsere Übungen schon heute außerhalb des Schwarzwalds, auf Übungsplätzen in Frankreich oder im Norden Deutschlands.“

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