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SPD im Saarland : Die „rote Charlotte“ hält sich bereit

Langjährige Oberbürgermeisterin von Saarbrücken - und Wunschkandidat vieler Parteilinker: Charlotte Britz (SPD) Bild: AFP

Drei Mal hat Bundesjustizminister Heiko Maas im Saarland als Spitzenkandidat die Landtagswahl verloren. Schon jetzt stellen viele in der Saar-SPD deshalb die Gretchenfrage: Wer soll 2017 gegen Kramp-Karrenbauer antreten?

          Die Landtagswahl im Saarland ist noch zwei Jahre entfernt - doch in der saarländischen SPD haben die Gedankenspiele längst begonnen: Wer soll 2017 als Spitzenkandidat gegen Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) antreten und die SPD nach dann fast 18 Jahren endlich an die Regierung bringen? Dass Heiko Maas, der langjährige SPD-Landesvorsitzende und frühere saarländische Wirtschaftsminister, noch einmal als Spitzenkandidat antritt, gilt im Land als fast ausgeschlossen. Als Bundesjustizminister hat er in Berlin bislang durchaus reüssiert; kaum jemand rechnet in Saarbrücken derzeit damit, dass er noch einmal auf die landespolitische Bühne zurückkehren könnte. Maas wird „AKK“ also nicht mehr herausfordern - aber wer dann?

          Oliver Georgi

          Redakteur in der Politik.

          Vieles spricht dafür, dass auch die SPD eine Frau gegen Kramp-Karrenbauer ins Rennen schicken wird. Die meisten Chancen dürfte sich derzeit Anke Rehlinger ausrechnen, die Maas nach dessen Weggang nach Berlin als Wirtschaftsministerin und stellvertretende Ministerpräsidentin beerbte. Die frühere Leichathletin, die noch heute den saarländischen Rekord im Kugelstoßen hält, gilt als ehrgeizige, aber noch nicht allzu profilierte Nachwuchshoffnung in der SPD. Bei den Bürgern ist sie durchaus beliebt - gegen Kramp-Karrenbauer, deren Beliebtheitsgrad im Land fast Müllersche Verhältnisse angenommen hat, dürfte Rehlinger es trotzdem schwer haben.

          Bei einer Umfrage des Saarländischen Rundfunks gaben vor kurzem 27 Prozent der Befragten an, sie nicht zu kennen oder ihre Arbeit nicht beurteilen zu können. Daran änderte auch der radikale Reformvorschlag für die Erbschaftssteuer nichts, mit dem die 39 Jahre alte Rehlinger im März bundesweit für Aufsehen sorgte. Offiziell will sich Rehlinger noch nicht zu einer Kandidatur äußern: „Die Diskussion stellt sich zur Zeit noch nicht.“ Dass sie antreten will, daran zweifelt im Saarland aber kaum jemand.

          Neben Rehlinger bringt sich unterdessen noch jemand anderes in Stellung: die langjährige Saarbrücker Oberbürgermeisterin Charlotte Britz. Seit Jahren gilt sie vor allem in linken Parteikreisen als heimliche Spitzenkandidatin für eine Ära nach Heiko Maas, und immer, wenn dieser in der Vergangenheit wieder eine Wahl verloren hatte, wurde Britz’ Name umso lauter genannt.

          Schon im vergangenen Dezember warf „die rote Charlotte“, wie sie in Saarbrücken auch genannt wird, im „Saartalk“ mit der Saarbrücker Zeitung und dem Saarländischen Rundfunk ihren Hut für die Spitzenkandidatur in den Ring: „Jemand, der zehn Jahre eine Landeshauptstadt geführt hat, den drängt es natürlich.“ Auf die Frage, ob Rehlinger als stellvertretende Ministerpräsidentin nicht die „geborene Nachfolgerin“ von „AKK“ sei, antwortete Britz: „Auf den ersten Blick ist das so.“ Bevor sie schnell hinterherschob, falls die Partei das so entscheide, habe sie damit „überhaupt kein Problem“. Entscheidend sei: „Wer kann es am besten?“

          Vertraut: Heiko Maas, SPD-Landesvorsitzender im Saarland und mittlerweile Bundesjustizminister, im Dezember 2013 mit der damaligen saarländischen Justizministerin Anke Rehlinger

          In Saarbrücken wurde nicht erst auf den zweiten Blick verstanden, wen Britz damit meinte. Nach dem Interview schickte sie vorsorglich eine SMS an Rehlinger, um die Wogen zu glätten. Trotzdem waren aus Parteifreundinnen über Nacht potentielle Konkurrentinnen geworden - auch wenn Britz sich mittlerweile versöhnlicher gibt. „Die Partei wird zum gegebenen Zeitpunkt aufgrund einer inhaltlichen Ausrichtung entscheiden“, sagte sie der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (F.A.Z.). „Voraussetzung für eine Kandidatur wäre für mich, dass Parteispitze und Basis meine politischen Inhalte und mich als Person mittragen.“ Kommentar von Parteichef Maas? Keiner. „Personalfragen werden besprochen, wenn sie anstehen“, sagte er der F.A.Z. Nach Angaben von Parteisprecher Volker Weber wird die Entscheidung über die Spitzenkandidatur erst 2016 fallen.

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