Nein, er habe mit „seinem“ Minister nicht vorher gesprochen, hat einmal in der Rückschau dessen Sprecher erzählt, Jahre später, nachdem das Bömbchen - zur fraglichen Zeit natürlich eine Bombe - geplatzt war. Er habe auch nicht mit ihm reden müssen. Er habe gewusst, was sein Chef gedacht und auch gewusst, was der gewollt habe. Der Sprecher war wie der Chef: Politisch frech und gerne polarisierend, ohne Angst vor noch Mächtigeren - im fraglichen Falle vor Kanzlern und Parteivorsitzenden. Und natürlich, was nicht jeder Politiker immer und überall sein muss: Freundlich zu Journalisten, sie umgarnend, und nur manchmal leise drohend.
Es soll hier nicht die Rede sein von Sprechern, die ihren Dienst preußisch-tugendhaft versehen, die nur die Verlautbarungen ihres Hauses (Ministerium, Partei, Fraktion) verkünden. Das sind die Vorleser. Der Sprecher hat anders zu sein. Er muss das Alter Ego seines Chefs (Kanzler, Minister, Partei- oder Fraktionsvorsitzender) sein, er hat die Rolle des (politischen) Ausputzers zu erfüllen, nicht bloß nach Außen sprechend, sondern nach Innen beratend. Auch muss er das Ohr des Ministers in den politischen Raum sein, in dem es bekanntermaßen genügend Plaudertaschen gibt, die es genießen, wenn ihnen für die „gute Zusammenarbeit“ gedankt wird.
Ein Sprecher hat es gut: Er ist der Macht näher als andere, die nach der offiziellen Hierarchie über ihm stehen. Er kann Macht im Apparat ausüben. Doch es ist abgeleitete Macht. Im Binnenbetrieb darf der Sprecher niemals ein „ich will“ sagen. Er muss beim „der Chef möchte“ bleiben. Dann freilich kann er genießen, welche Macht seine Worte entfalten können. Doch der Sprecher muss aufpassen. Er darf den Bogen nicht überspannen. Er darf keinesfalls den Eindruck erwecken, eigentlich sei er der Bestimmende. Er kann nur den Freiraum füllen, der ihm gelassen wird. Vor allem hat er sich mit einer Rolle im sogenannten Hintergrund zufrieden zu geben, weshalb - fast naturgemäß nach öffentlicher Bekanntheit drängende - Journalisten nicht für das Amt taugen, welche Regel durch Ausnahmen bestätigt wird.
Neider und Konkurrenten
Steffen Seibert, früher ZDF-Moderator und nun Sprecher der Bundesregierung und der Bundeskanzlerin, ist so eine Ausnahme. „Ich versuche hilfreich zu sein“, hat er jetzt gesagt. „Freundlich und professionell“ gehe er mit Journalisten um. Auf minimalistische Weise hat er seine Rolle beschrieben - und zugleich hat er den Vorgaben seiner Chefin entsprochen, sich nicht in die Karten schauen zu lassen. So gehört sich das für einen Sprecher.
Denn ein Sprecher hat es schwer: Er ist (quasi) ein Leibeigener seines Chefs. Er ist nicht Herr seines Terminkalenders. Er ist auch Blitzableiter. Im Apparat hat er Neider und Konkurrenten, die feige den Sack schlagen, wenn sie den Esel meinen. Ein falsches Wort von ihm - und schon ist der Überbringer schlechter Nachrichten der eigentlich Schuldige. Wenn aber er selbst Gegenstand der Berichterstattung und des politischen Streits wird, ist sein Ende nahe.
Die Rache der Politik
Carsten Berg (Carberg)
- 27.10.2012, 14:01 Uhr
Entweder Herr Strepp lügt oder das ZDF
Klaus Letis (odysseus_8)
- 26.10.2012, 18:00 Uhr
Angriff auf die Bundesrepublik
Wolfgang Scholl (dalai7)
- 26.10.2012, 17:46 Uhr
Strepps Fehler dumm hochgespielt, der eigentliche Krimi wird aber v.d.
€-Spitzendilett. aufgeführt!
Gerhard Storm (gerhardstorm)
- 26.10.2012, 16:29 Uhr
"Loose cannon" oder nur...
Thomas Kobler (ThomasKobler)
- 26.10.2012, 16:16 Uhr