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Der BND und der Mauerbau Jemand hat die Absicht ...

04.08.2011 ·  Der Bundesnachrichtendienst sah lange keinen Anlass, sein Tun öffentlich zu erörtern. Hat er den Bau der Mauer vorhergesehen? Bisher geheime Aktenteile geben nun Lagemeldungen aus den Wochen vor dem Mauerbau preis.

Von Peter Carstens
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Hat der Bundesnachrichtendienst (BND) den Bau der Mauer vorhergesehen? Wusste der Dienst, was im Sommer 1961 in Berlin-Pankow und Moskau geplant wurde? Solche Fragen blieben Jahrzehnte im Geheimen, denn der Dienst pflegte kaum Kontakt zur Forschung und sah keinen Anlass, sein Tun öffentlich zu erörtern. Das beginnt sich seit einigen Jahren zu ändern. Die systematische Aufarbeitung von den bräunlichen Anfängen bis zur Rolle des Dienstes beim Ende des Kalten Krieges könnte das konstruktivste Vermächtnis des im Winter scheidenden BND-Präsidenten Ernst Uhrlau sein.

Seit dem Frühjahr arbeitet eine externe Forschergruppe gemeinsam mit Haushistorikern des BND an dieser Aufgabe. Nun übergibt der BND etwa 5000 bisher überwiegend geheime Seiten dem Bundesarchiv. Anhand derer können sich dann auch forschende Dritte ein Bild von der Arbeitsweise des BND machen. Die Historikergruppe will nicht jahrelang lesend und schreibend hinter den Pullacher Mauern verbringen, ehe sie ein umfangreiches Werk nach Art der Publikation „Das Amt“ (über das Außenministerium) übergibt. Vielmehr soll die interessierte Öffentlichkeit auch an den Zwischenschritten der Aktenfreigabe beteiligt werden.

„Maßnahmen im Anlaufen“

Die Aktenteile, die nun bald im Bestand 206 des Bundesarchivs ankommen sollen, enthalten unter anderem Lagemeldungen aus den Wochen vor dem Mauerbau. So berichtet etwa ein Informant am 29. Juni 1961, sechs Wochen vor dem Mauerbau am 13. August, per „geheim-dringendes Fernschreiben“ an die BND-Zentrale über Veränderungen bei den „bewaffneten Organen des Ministeriums des Inneren“ am Ring um Berlin. Angeblich werde ein Truppenteil der Volkspolizei aus der Kaserne Rummelsburg auf die umliegenden Privatquartiere verteilt, um Platz für die Bewaffneten einer dorthin verlegten „Volkspolizei-Bereitschaft“ zu schaffen.

20 Jahre nach ihrem Fall: Die Geschichte der Berliner Mauer

Der Kommandeur der Stammmannschaft habe „in einer Ansprache während eines Appells der Einheit“ gesagt, die „Regierung der DDR wolle mehr Volkspolizisten in Berlin zur Verfügung haben“. Nach Einschätzung des BND-Berichterstatters „verdichtet sich der Eindruck, dass hier Maßnahmen im Anlaufen sind, die in Zusammenhang mit der angekündigten Regelung der Berlin-Frage stehen könnten“.

Fa Flora an fa Senkmueller

Kurz vor dem Mauerbau erfährt der BND („an fa flora von fa senkmueller“) ein Informant habe „soeben aus Ost-Berliner Quelle erfahren, dass Maßnahmen vorbereitet werden, die Sektorengrenze zwischen dem 12. und 18.8.1961 zu schließen, um den nicht mehr kontrollierbaren Flüchtlingsstrom zu unterbinden“. Die BND-Funkaufklärung stellt zur selben Zeit fest, dass in den Räumen Zossen und Fürstenwalde (bei Berlin) sowie Leipzig bei den Einheiten der Westgruppe der sowjetischen Streitkräfte neue Unterfunkstellen im Funkbetrieb errichtet werden, was auf eine erhöhte Einsatzbereitschaft und Mobilisierung schließen ließ.

Aus solchen Puzzleteilchen hat der BND auch damals schon Analysen erarbeitet, die nun ebenfalls freigegeben werden. Ergänzt werden die Dokumente durch Korrespondenzen etwa aus Moskau, von wo eine Quelle der Kategorie C („nicht immer zuverlässig“) fünf Tage nach Mauerbau berichtet, ein sowjetischer Funktionär habe gesagt, die „Probleme“ in Berlin hätten sich durch die Schließung der Sektorengrenze „vereinfacht“. Die Sowjetunion sei aber bereit, die Sektorengrenze wieder zu öffnen, wenn die Vereinigten Staaten „Maßnahmen treffen, um Westberlin gegenüber dem Osten politisch zu neutralisieren“.

Sowjetischer Funktionär: Realistischer Wechselkurs zur West-Mark

Dazu gehörte: Die Rundfunksender Rias und SFB müssen (in ihrer jetzigen Form) „verschwinden“, zur westdeutschen Mark müsse „ein realistischer Wechselkurs gefunden werden“. Immerhin: „Die Anwesenheit alliierter Truppen in Berlin störe nicht“. Falls die Amerikaner bereit seien „dem Gedanken einer politischen Neutralisierung West-Berlins näherzutreten“, werde die Sowjetunion auch nicht die Kontrolle der Zugangswege an Ulbricht übertragen. Solche und andere Meldungen aus dem damaligen Alltag des Nachrichtendienstes könnten es ermöglichen, die Geschichte der Teile Deutschlands nicht neu, aber doch genauer zu schreiben.

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Jahrgang 1962, politischer Korrespondent in Berlin.

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