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Demographie-Gipfel Abstrakte Überlegungen zugunsten der Alten

 ·  Der Demographiegipfel ignoriert weiter die heutige Jugend. Innenminister Friedrich fordert zwar „Mut und Veränderungsbereitschaft jedes Einzelnen“. Doch die Bundesregierung konzentriert sich weiterhin fast ausschließlich auf die Wohlstandssicherung für die älteren Generationen.

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© F.A.Z. Der Vergleich zwischen 1950 und 2012 sowie die Prognose für 2060

Die Bundesregierung konzentriert sich bei ihrer Auseinandersetzung mit dem demographischen Wandel weiterhin fast ausschließlich auf die Wohlstandssicherung für die ältere Generationen. Nach der Vorstellung einer so genannten „Demographiestrategie“ im April durch das Innenministerium präsentierte nun die Bundesregierung beim „Demographiegipfel“ ihre Erwägungen zu einer alternden Gesellschaft. Der Entwurf blieb vorwiegend abstrakt.

Grundlage der Überlegungen sind zwei Tatsachen: Die Deutschen werden älter als je zuvor, Männer durchschnittlich 77, Frauen 82 Jahre alt. Zweitens, sie bekommen wenige Kinder. Im Laufe der kommenden Jahre, wenn die Nachkriegs- und Baby-Boom-Generation in Rente geht, wird die Zahl der Erwerbstätigen um etwa sechs Millionen sinken, eine Folge der niedrigen Geburtenraten der vergangenen Jahrzehnte. Zugleich wird die Zahl der Pensions- oder Rentenberechtigten stark steigen. Nach Schätzungen wird im Jahre 2060 jeder Dritte in Deutschland ein Rentner sein.

Nachdem die große Koalition bereits mit einer Rentengarantie das Wohlstandniveau dieser Generation gesetzlich abgesichert hat, versucht die zuständige Ministerin Ursula von der Leyen (CDU), den künftigen Rentner durch erhöhte Mindestrenten mehr Einkünfte zu verschaffen, als sie im gegenwärtigen System erworben haben. Auch die SPD-Führung setzt auf eine „Solidaritätsrente“, die von der nächsten Generation zusätzlich zu den bereits geschilderten Belastungen übernommen werden soll.

Im Vergleich zu den Nachkriegsgenerationen, die etwa zehn Prozent ihres Einkommens zur Finanzierung der Rente aufgebracht haben, hat sich der Anteil inzwischen verdoppelt und wird sich tendenziell in den nächsten Jahren, inklusiver privater Vorsorgeaufwendungen, insgesamt verdreifachen.
Das bedeutet insbesondere für die heutige Jugend eine enorme soziale und finanzielle Last.

Dennoch fehlt sowohl in dem im vergangenen November vorgelegten Demographiebericht wie auch in der Demographiestrategie ein Kapitel zu dieser Gesellschaftsgruppe. Stattdessen geht es um Themen wie Rentensicherung, altersgerechtes Wohnen, ländliche Räume. FDP-Politiker forderten, diesem Trend folgend, am Donnerstag die Wiederaufnahme eines baupolitischen Subventionsprogramms für „altersgerechtes Wohnen“.
Innenminister Friedrich (CSU) sagte zur Eröffnung des Treffens von Politikern und Verbandsvertretern in Berlin: „Wir wollen den demografischen Wandel positiv gestalten. Dafür brauchen wir Mut, Zuversicht und vor allem die Handlungs- und Veränderungsbereitschaft jedes Einzelnen.“ Es gehe gesellschaftspolitisch auch darum, „die Zeitsouveränität von Eltern zu erhöhen und die generationenübergreifende Unterstützung von Familien auszubauen“.

Hierbei ist die Betreuung der Kinder, aber auch die Pflege der Alten gemeint. Die Grünen-Politikerin Rößner sagte dazu: „Der Gipfel offenbart die Schwäche der Bundesregierung.“ Bei der Arbeits-, Pflege- und Gesundheitspolitik müsse dringend etwas getan werden, „aber das verschleppt die Bundesregierung.“ Der demographiepolitische Sprecher der SPD-Bundestagfraktion, der zweiundsiebzig Jahre alte frühere Parteivorsitzende Müntefering, sagte nach Agenturangaben: „Der Bund redet, aber er drückt sich vorm Handeln.“

Das Land der Alten - Bevölkerungsentwicklung in Deutschland

Die Zahl älterer Menschen steigt weltweit rapide:
Bis zur Mitte des Jahrhunderts wird sich der Anteil derer im
Rentenalter mehr als verdoppeln, wie aus einem Bericht der Vereinten Nationen hervorgeht. Der mit Abstand älteste Kontinent bleibt Europa - und Deutschland ist von der Entwicklung besonders betroffen: Die
Bevölkerung hierzulande schrumpft und wird immer älter.

Seit 2003 ist die Bevölkerungszahl in Deutschland rückläufig.
Zuletzt lag sie bei 81,7 Millionen. Nach Berechnungen des
Statistischen Bundesamts wird Deutschland bis 2060 rund 17 Millionen Einwohner verlieren - etwa ein Fünftel der Bevölkerung. Jeder Dritte wird dann 65 Jahre oder älter sein, jeder Siebte mindestens 80 Jahre. Die neuen Länder wird die Entwicklung besonders treffen: Dort werden
bis 2060 ein Drittel weniger Menschen leben als heute.

Die Lebenserwartung in Deutschland steigt seit mehr als 150 Jahren kontinuierlich an - pro Jahr um etwa drei Monate. Nach den Modellrechnungen wird sie bis 2060 für neugeborene Jungen bei 85 Jahren liegen, für neugeborene Mädchen bei 89,2 Jahren.

Die Alterung und Schrumpfung der Bevölkerung hat weitreichende Folgen für Arbeitsmarkt und Gesellschaft: Es droht ein starker Fachkräftemangel, auch die öffentliche Verwaltung bekommt Nachwuchsprobleme. Immer weniger arbeitende Menschen müssen immer mehr Rentner finanzieren. Die Kosten für die Gesundheitsversorgung der Bevölkerung werden steigen. Die Zahl der Pflegebedürftigen wächst: 2010 waren es rund 2,4 Millionen Menschen, bis 2030 könnten
es rund 3,4 Millionen sein. Außerdem wird es immer schwieriger, ländliche Gebiete ausreichend zu versorgen: mit Schulen, Busverbindungen oder Arztpraxen. (dpa)

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Jahrgang 1962, politischer Korrespondent in Berlin.

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