Home
http://www.faz.net/-gpf-763wx
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Debatte über Schavans Doktorarbeit Wissenschaftsrat wehrt sich gegen Kritik

Der Vorsitzende des Wissenschaftsrats bestreitet, dass dessen Kritik an der Uni Düsseldorf wegen der Prüfung der Dissertation von Annette Schavan vom Bildungsministerium initiiert gewesen sei.

© dapd Vergrößern Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU): Ruf nach „Mehraugenprinzip“ bei der Prüfung ihrer Dissertation

Der Vorsitzende des Wissenschaftsrats, Wolfgang Marquardt, hat sich gegen den Vorwurf gewehrt, seine Kritik an der Universität Düsseldorf sei vom Bundesbildungsministerium initiiert gewesen. Die Allianz entscheide grundsätzlich selbst über die Veröffentlichung von Erklärung, sagte Marquardt am Montag. Der Wissenschaftsrat hatte in der Debatte darüber, ob es sich bei der Dissertation von Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) um ein Plagiat handelt, an wissenschaftliche Prinzipien erinnert - an das Mehraugenprinzip und die Trennung von Begutachtung und Entscheidung.

Heike Schmoll Folgen:    

Hintergrund dieser Erklärung war die Tatsache, dass sich die Düsseldorfer Universität bei der Entscheidung, ein Verfahren zu Entziehung des Doktorgrades gegen Frau Schavan einzuleiten, auf nur ein Gutachten berufen hatte. Zudem handelt es sich bei dem Gutachter, dem Judaisten Stefan Rohrbacher, um ein Mitglied des über die Dissertation urteilenden Fakultätsrates. Ein weiteres Gutachten des Bonner Rechtswissenschaftlers Klaus Ferdinand hatte der Universität die Unbedenklichkeit dieses Vorgehens bescheinigt.

Mehr zum Thema

Der Wissenschaftsrat hege nicht das geringste Misstrauen gegenüber der Universität Düsseldorf, sagte Marquardt. Man habe nur daran erinnern wollen, dass sich ein Verfahren zur Aberkennung eines Doktorgrades nicht allein auf verwaltungsverfahrensrechtliche Gesichtspunkte beschränken dürfe. Die Erklärung des Wissenschaftsrates war vor allem von Hochschullehrern kritisiert worden. Der Rat habe der Bundesbildungsministerin damit einen Bärendienst erwiesen und die Universität Düsseldorf ohne Not unter Druck gesetzt. Es handele sich um den Schulterschluss der Wissenschaftsfunktionäre mit der Politik, von deren Geldern sie abhängig seien, lautete der Vorwurf.

Kein Kavaliersdelikt

Der Wissenschaftsrat hatte sich schon einmal in der Plagiatsaffäre der Europaabgeordneten Sylvana Koch-Mehrin (FDP) zu Wort gemeldet. Plagiate in wissenschaftlichen Arbeiten seien alles andere als ein Kavaliersdelikt, deshalb halte man es für nicht akzeptabel, dass „Frau Koch-Mehrin im Ausschuss für Industrie, Forschung und Energie des Europäischen Parlaments Deutschland vertritt“, hatte der Rat damals mitgeteilt.

Marquardt, der für eine weitere Amtsperiode zum Vorsitzenden des Wissenschaftsrates gewählt wurde, kündigte ein neues Projekt an, das die Daten zu Forschungsaktivitäten und Forschungsprodukten vereinheitlichen soll. Geplant sind vier Arbeitsgruppen, die vom Bundesbildungsministerium finanziert werden, eine Arbeitsgruppe des Wissenschaftsrats wird die Arbeit als Beirat begleiten. Zugleich hat das Statistische Bundesamt angekündigt, die eigenen Klassifikationen der Daten zu überarbeiten.

Immer wieder sind Universitäten in der Vergangenheit auch Fehler in der Datenverarbeitung unterlaufen, so trat etwa an der Universität Würzburg ein Fehler in der Notenschlüsselumrechnung auf, der dazu geführt hat, dass die Dissertationen mit „magna cum laude“ als mit „summa“ bewertet an das statistische Landesamt gemeldet wurden. Nachträglich lassen sich solche falschen Angaben nicht korrigieren. Datenbezogene Forschung muss sich aber darauf verlassen können. Der Wissenschaftsrat hat deshalb empfohlen, die sozialempirische Forschung des HIS-Instituts für Hochschulforschung in Hannover auszubauen.

Quelle: F.A.Z.

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Plagiate an Hochschulen Fälschen ohne Folgen

Die Plagiatsforscherin Debora Weber-Wulff geht mit den deutschen Hochschulen hart ins Gericht: Abkupfern werde dickfellig hingenommen, Solidarität sei wichtiger als saubere Wissenschaft. Sie hat Recht. Mehr Von Theodor Ebert

19.04.2015, 08:00 Uhr | Beruf-Chance
Forschung aus Brasilien Spucke von Zecken könnte gegen Krebs helfen

Der Speichel von Zecken kann möglicherweise gegen Krebs helfen. Brasilianische Forscher kamen zu vielversprechenden Ergebnissen. Nach Ansicht der Forscher am Butantan Institut in São Paulo könnte der Speichel der Spinnentiere extrem wertvoll im Kampf gegen Krebs sein. Mehr

17.11.2014, 13:15 Uhr | Wissen
Deutsche Rüstungsindustrie Waffen aus tiefen Tälern

Der Südwesten ist das Zentrum der deutschen Waffenproduktion, die Unternehmen der Rüstungsindustrie beschäftigen Tausende. Doch die Politik geht jetzt auf Distanz zur Branche. Mehr Von Oliver Schmale, Rüdiger Soldt, Stuttgart, Oberndorf

24.04.2015, 08:53 Uhr | Politik
Trailer "State Festival" On/Off

Ein sehr professionell gemachter Film des französischen Regisseurs Thierry Lorenzi. Ein Mann und eine Frau, die offensichtlich auch ein Pärchen sind, forschen und leben auf einer Raumstation. Mehr

28.10.2014, 10:20 Uhr | Wissen
Küche 4.0 Wenn der Roboter das Sushi macht

Für kommende Generationen könnte die Zusammenarbeit mit Robotern völlig natürlich werden. Was die Maschinen schon heute alles können. Mehr Von Uwe Marx, Hannover

18.04.2015, 21:24 Uhr | Wirtschaft
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 28.01.2013, 17:04 Uhr

Leugnen und vergessen

Von Rainer Hermann

Der Völkermord an den Armeniern war eine Voraussetzung für die Gründung der Republik. Ihn einzugestehen würde für die Türken bedeuten, diese zu beflecken. Mehr 30 25