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Debatte über Schavans Doktorarbeit Wissenschaftsrat wehrt sich gegen Kritik

Der Vorsitzende des Wissenschaftsrats bestreitet, dass dessen Kritik an der Uni Düsseldorf wegen der Prüfung der Dissertation von Annette Schavan vom Bildungsministerium initiiert gewesen sei.

© dapd Vergrößern Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU): Ruf nach „Mehraugenprinzip“ bei der Prüfung ihrer Dissertation

Der Vorsitzende des Wissenschaftsrats, Wolfgang Marquardt, hat sich gegen den Vorwurf gewehrt, seine Kritik an der Universität Düsseldorf sei vom Bundesbildungsministerium initiiert gewesen. Die Allianz entscheide grundsätzlich selbst über die Veröffentlichung von Erklärung, sagte Marquardt am Montag. Der Wissenschaftsrat hatte in der Debatte darüber, ob es sich bei der Dissertation von Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) um ein Plagiat handelt, an wissenschaftliche Prinzipien erinnert - an das Mehraugenprinzip und die Trennung von Begutachtung und Entscheidung.

Hintergrund dieser Erklärung war die Tatsache, dass sich die Düsseldorfer Universität bei der Entscheidung, ein Verfahren zu Entziehung des Doktorgrades gegen Frau Schavan einzuleiten, auf nur ein Gutachten berufen hatte. Zudem handelt es sich bei dem Gutachter, dem Judaisten Stefan Rohrbacher, um ein Mitglied des über die Dissertation urteilenden Fakultätsrates. Ein weiteres Gutachten des Bonner Rechtswissenschaftlers Klaus Ferdinand hatte der Universität die Unbedenklichkeit dieses Vorgehens bescheinigt.

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Der Wissenschaftsrat hege nicht das geringste Misstrauen gegenüber der Universität Düsseldorf, sagte Marquardt. Man habe nur daran erinnern wollen, dass sich ein Verfahren zur Aberkennung eines Doktorgrades nicht allein auf verwaltungsverfahrensrechtliche Gesichtspunkte beschränken dürfe. Die Erklärung des Wissenschaftsrates war vor allem von Hochschullehrern kritisiert worden. Der Rat habe der Bundesbildungsministerin damit einen Bärendienst erwiesen und die Universität Düsseldorf ohne Not unter Druck gesetzt. Es handele sich um den Schulterschluss der Wissenschaftsfunktionäre mit der Politik, von deren Geldern sie abhängig seien, lautete der Vorwurf.

Kein Kavaliersdelikt

Der Wissenschaftsrat hatte sich schon einmal in der Plagiatsaffäre der Europaabgeordneten Sylvana Koch-Mehrin (FDP) zu Wort gemeldet. Plagiate in wissenschaftlichen Arbeiten seien alles andere als ein Kavaliersdelikt, deshalb halte man es für nicht akzeptabel, dass „Frau Koch-Mehrin im Ausschuss für Industrie, Forschung und Energie des Europäischen Parlaments Deutschland vertritt“, hatte der Rat damals mitgeteilt.

Marquardt, der für eine weitere Amtsperiode zum Vorsitzenden des Wissenschaftsrates gewählt wurde, kündigte ein neues Projekt an, das die Daten zu Forschungsaktivitäten und Forschungsprodukten vereinheitlichen soll. Geplant sind vier Arbeitsgruppen, die vom Bundesbildungsministerium finanziert werden, eine Arbeitsgruppe des Wissenschaftsrats wird die Arbeit als Beirat begleiten. Zugleich hat das Statistische Bundesamt angekündigt, die eigenen Klassifikationen der Daten zu überarbeiten.

Immer wieder sind Universitäten in der Vergangenheit auch Fehler in der Datenverarbeitung unterlaufen, so trat etwa an der Universität Würzburg ein Fehler in der Notenschlüsselumrechnung auf, der dazu geführt hat, dass die Dissertationen mit „magna cum laude“ als mit „summa“ bewertet an das statistische Landesamt gemeldet wurden. Nachträglich lassen sich solche falschen Angaben nicht korrigieren. Datenbezogene Forschung muss sich aber darauf verlassen können. Der Wissenschaftsrat hat deshalb empfohlen, die sozialempirische Forschung des HIS-Instituts für Hochschulforschung in Hannover auszubauen.

Quelle: F.A.Z.

 
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