http://www.faz.net/-gpf-763wx
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 28.01.2013, 17:04 Uhr

Debatte über Schavans Doktorarbeit Wissenschaftsrat wehrt sich gegen Kritik

Der Vorsitzende des Wissenschaftsrats bestreitet, dass dessen Kritik an der Uni Düsseldorf wegen der Prüfung der Dissertation von Annette Schavan vom Bildungsministerium initiiert gewesen sei.

von , Berlin
© dapd Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU): Ruf nach „Mehraugenprinzip“ bei der Prüfung ihrer Dissertation

Der Vorsitzende des Wissenschaftsrats, Wolfgang Marquardt, hat sich gegen den Vorwurf gewehrt, seine Kritik an der Universität Düsseldorf sei vom Bundesbildungsministerium initiiert gewesen. Die Allianz entscheide grundsätzlich selbst über die Veröffentlichung von Erklärung, sagte Marquardt am Montag. Der Wissenschaftsrat hatte in der Debatte darüber, ob es sich bei der Dissertation von Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) um ein Plagiat handelt, an wissenschaftliche Prinzipien erinnert - an das Mehraugenprinzip und die Trennung von Begutachtung und Entscheidung.

Heike Schmoll Folgen:

Hintergrund dieser Erklärung war die Tatsache, dass sich die Düsseldorfer Universität bei der Entscheidung, ein Verfahren zu Entziehung des Doktorgrades gegen Frau Schavan einzuleiten, auf nur ein Gutachten berufen hatte. Zudem handelt es sich bei dem Gutachter, dem Judaisten Stefan Rohrbacher, um ein Mitglied des über die Dissertation urteilenden Fakultätsrates. Ein weiteres Gutachten des Bonner Rechtswissenschaftlers Klaus Ferdinand hatte der Universität die Unbedenklichkeit dieses Vorgehens bescheinigt.

Mehr zum Thema

Der Wissenschaftsrat hege nicht das geringste Misstrauen gegenüber der Universität Düsseldorf, sagte Marquardt. Man habe nur daran erinnern wollen, dass sich ein Verfahren zur Aberkennung eines Doktorgrades nicht allein auf verwaltungsverfahrensrechtliche Gesichtspunkte beschränken dürfe. Die Erklärung des Wissenschaftsrates war vor allem von Hochschullehrern kritisiert worden. Der Rat habe der Bundesbildungsministerin damit einen Bärendienst erwiesen und die Universität Düsseldorf ohne Not unter Druck gesetzt. Es handele sich um den Schulterschluss der Wissenschaftsfunktionäre mit der Politik, von deren Geldern sie abhängig seien, lautete der Vorwurf.

Kein Kavaliersdelikt

Der Wissenschaftsrat hatte sich schon einmal in der Plagiatsaffäre der Europaabgeordneten Sylvana Koch-Mehrin (FDP) zu Wort gemeldet. Plagiate in wissenschaftlichen Arbeiten seien alles andere als ein Kavaliersdelikt, deshalb halte man es für nicht akzeptabel, dass „Frau Koch-Mehrin im Ausschuss für Industrie, Forschung und Energie des Europäischen Parlaments Deutschland vertritt“, hatte der Rat damals mitgeteilt.

Marquardt, der für eine weitere Amtsperiode zum Vorsitzenden des Wissenschaftsrates gewählt wurde, kündigte ein neues Projekt an, das die Daten zu Forschungsaktivitäten und Forschungsprodukten vereinheitlichen soll. Geplant sind vier Arbeitsgruppen, die vom Bundesbildungsministerium finanziert werden, eine Arbeitsgruppe des Wissenschaftsrats wird die Arbeit als Beirat begleiten. Zugleich hat das Statistische Bundesamt angekündigt, die eigenen Klassifikationen der Daten zu überarbeiten.

Immer wieder sind Universitäten in der Vergangenheit auch Fehler in der Datenverarbeitung unterlaufen, so trat etwa an der Universität Würzburg ein Fehler in der Notenschlüsselumrechnung auf, der dazu geführt hat, dass die Dissertationen mit „magna cum laude“ als mit „summa“ bewertet an das statistische Landesamt gemeldet wurden. Nachträglich lassen sich solche falschen Angaben nicht korrigieren. Datenbezogene Forschung muss sich aber darauf verlassen können. Der Wissenschaftsrat hat deshalb empfohlen, die sozialempirische Forschung des HIS-Instituts für Hochschulforschung in Hannover auszubauen.

Quelle: F.A.Z.

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Arthur Koestler Die Signaturen der Lebensgefahr

1940 schrieb Arthur Koestler einen Schlüsselroman der Stalinära: Sonnenfinsternis. Das Originalmanuskript galt als verschollen. Durch Zufall hat es nun ein Kasseler Doktorand wiederentdeckt. Mehr Von Tobias Rüther

24.04.2016, 14:20 Uhr | Feuilleton
Berlin Computerspiel will Beitrag zur Demenzforschung leisten

Sea Hero Quest mutet an wie ein völlig normales Computerspiel. Doch die Art und Weise, wie der jeweilige Spieler die Hindernisse umschifft, ist interessant für die Demenz-Forschung. Mehr

05.05.2016, 13:27 Uhr | Gesellschaft
Quantenphysik Die Maschine und ihre Meister

Im Kollektiv lösen Physik-Laien schwierige Quantenrätsel schneller als jeder Computer – mit dem Videospiel Quantum Moves und menschlicher Intuition. Mehr Von Rainer Scharf

05.05.2016, 00:40 Uhr | Wissen
Universität Basel Demonstranten stören Vortrag von Blatter

Der frühere Fifa-Chef Joseph Blatter hat an der Universität Basel zu einer Podiumsdiskussion eingeladen. Demonstranten störten die Veranstaltung und riefen Die Fifa muss weg. Mehr

16.04.2016, 16:31 Uhr | Sport
Interview zu CO₂-Rekordwert Die Messwerte mahnen zum Handeln

Die Keeling-Kurve, eines der wichtigsten Werkzeuge der Klimaforschung, zeigt einen starken Anstieg der Kohlendioxid-Konzentration (CO₂) in der Atmosphäre. Was dringend geboten ist, um den Trend zu stoppen, erklärt der amerikanische Klimaforscher Ralph Keeling. Mehr

21.04.2016, 12:12 Uhr | Wissen

Europäischer Basar

Von Reinhard Müller

In der Flüchtlingskrise geht es um einen Handel mit der Türkei. Dazu gehören dort rechtsstaatliche Bedingungen. Das ist keine Fragen von Buchstaben – da geht es um Wirklichkeit. Und die trägt in der Türkei einen autoritären Schleier. Mehr 10