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De Maizière-Kritik an Soldaten Geteiltes Echo

Die Kritik des Verteidigungsministers an dem Wunsch seiner Soldaten nach Anerkennung ist auf unterschiedliche Reaktionen gestoßen. Vertreter der Opposition äußern Zustimmung und Ablehnung. Die FDP übt Kritik. Die Union schweigt.

© dpa Vergrößern Minister trifft Truppe: Verteidigungsminister Thomas de Maizière am Montag in Kahramanmaras (Türkei)

Soldaten der Bundeswehr sollten aufhören, nach Anerkennung zu gieren - mit dieser Ermahnung ist Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) bei Sicherheitspolitikern im Bundestag auf ein geteiltes Echo gestoßen. De Maizière hatte im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (F.A.S.)  gesagt, Soldaten hätten einen verständlichen, aber oft übertriebenen Wunsch nach Wertschätzung. Dabei sei die öffentliche Zuwendung zur Bundeswehr im Zuge des Afghanistaneinsatzes deutlich gewachsen. Etliche Soldaten glaubten jedoch, dass sie viel weniger anerkannt würden. Sie seien „geradezu süchtig“ nach Anerkennung. De Maizière fügte hinzu: „Die Wertschätzung anderer bekommt man nicht dadurch, dass man danach fragt, sondern dass man gute Arbeit leistet.“

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Vertreter der Oppositionsparteien im Bundestag reagierten unterschiedlich auf die Worte des Verteidigungsministers. Omid Nouripour, sicherheitspolitischer Sprecher der Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen, kritisierte Thomas de Maizière gegenüber FAZ.NET: „Der Minister sollte sich besser um die Belange seiner Soldaten kümmern, statt sie öffentlich zu rügen“, sagte der Frankfurter Bundestagsabgeordnete. So bleibe de Maizère etwa eine Antwort darauf schuldig, welche Vorschläge er für die verbesserte Vereinbarkeit von Privatleben und Soldatenberuf leisten wolle.

Auch in der Fraktion der Partei „Die Linke“ stießen die Äußerungen des Ministers auf Ablehnung. Der sicherheitspolitische Sprecher der Fraktion, Paul Schäfer kritisierte gegenüber der F.A.Z., die Klage des Ministers über Anerkennungssucht sei „heuchlerisch“. Über Jahre hätten Verteidigungsminister mit Gefechtsmedaillen, Ehrenmalen und Gedenkstätten die Anerkennungssucht selbst befördert. Ziele wie „Einsatzbelastungen zu reduzieren, für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu sorgen und den Fürsorgeauftrag ernst zu nehmen“, seien dabei auf der Strecke geblieben, so Schäfer.

De Maizière besucht deutsche «Patriot»-Soldaten in der Türkei Truppenbesuch: Minister de Maizière lässt sich vom deutschen Kontingentführer Oberst Markus Ellermann die Patriot-Stellung bei Kahramanmaras zeigen © dpa Bilderstrecke 

Kritik erntete Verteidigungsminister auch aus den Reihen des liberalen Koalitionspartners. Die FDP-Sicherheitspolitikerin Elke Hoff verwies gegenüber FAZ.NET auf erhebliche Entbehrungen und Ausstattungsdefizite, die deutsche Soldaten in der Vergangenheit hätten tragen müssen. „Diese Erfahrung fehlen dem Verteidigungsminister vielleicht.“ Die Art und Weise, wie Bundeswehrangehörige Anerkennung einforderten, sei im Vergleich zu anderen Streitkräften noch „zurückhaltend“. Hoff verwies auf das deutlich größere Traditionsbewussten etwa in Frankreich und in Großbritannien. In Amerika werde gar einen richtigen „Heldenkult“ um Soldaten gemacht

Auf Verständnis stieß de Maizière hingegen bei den Sozialdemokraten. Der verteidigungspolitische Sprecher der SPD, Rainer Arnold, kritisierte zwar die Wortwahl des Ministers. „Man muss den Soldaten aber auch hin und wieder sagen, dass sie nicht überempfindlich sein sollen“, sagte Arnold der F.A.Z. Manche Bundeswehrangehörigen neigten dazu, fehlende Zustimmung zu Auslandseinsätzen mit fehlender Anerkennung zu verwechseln. Dabei werde keiner Berufsgruppe im Bundestag häufiger gedankt wie den Soldaten.

Der verteidigungspolitische Sprecher der CDU/CSU, Ernst-Reinhard Beck, wollte sich zum Interview des Ministers nicht äußern. Man wolle die Worte des Ministers nicht kommentieren, hieß es aus der Arbeitsgemeinschaft Verteidigung der Unionsfraktion. Wenn Soldaten, größeres Bedürfnis nach Respekt und Wahrnehmung hätten, liege das daran, dass sie viel zu lange viel zu wenig davon bekommen hätten.

Quelle: FAZ.NET

 
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Veröffentlicht: 25.02.2013, 16:36 Uhr