Home
http://www.faz.net/-gpf-75ect
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

DDR Koalition will heimliche Arzneitests aufklären

Westdeutsche Pharmaunternehmen sollen in den achtziger Jahren Medikamente an ahnungslosen Patienten in der DDR getestet haben. Das berichten mehrere ostdeutsche Zeitungen. Die DDR habe dafür Geld erhalten. CDU und FDP wollen den Vorwürfen nachgehen.

Union und FDP wollen Berichten über Medikamententests an DDR-Bürgern nachgehen. Der Ostbeauftragte der Bundesregierung, Christoph Bergner (CDU), forderte Konsequenzen, falls westdeutsche Pharmaunternehmen tatsächlich Arzneimittel an ahnungslosen DDR-Patienten ausprobiert haben sollten. Thüringens FDP-Generalsekretär Patrick Kurth sagte, die Meldungen zeigten, dass die Machenschaften des SED-Regimes nicht nur Ostdeutschland beträfen.

Medienberichten nach haben westdeutsche Pharmaunternehmen in den achtziger Jahren Medikamente an offenbar ahnungslosen DDR-Bürgern getestet und dafür hohe Summen an die DDR gezahlt. Bergner sagte der „Mitteldeutschen Zeitung“ aus Halle: „Das kann auch heute noch Konsequenzen haben - im Sinne von Entschädigung, möglicherweise sogar von strafrechtlicher Verfolgung.“ Experimente ohne Einwilligung der Betroffenen seien ein Skandal. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Fälle, die jetzt Aufregung verursachen, im Einklang mit dem westdeutschen Recht gewesen sind“, sagte er.

Ostbeauftragter: „Vorwürfe treffen ins Mark“

Bergner plädierte gleichwohl für eine differenzierte Aufarbeitung. So seien viele Ärzte in der DDR froh gewesen, wenn sie überhaupt Medikamente bekommen hätten. Auch könne man die westdeutsche Pharmaindustrie nicht über einen Kamm scheren.

Kurth forderte einen schärferen Blick auf die Rolle der alten Bundesrepublik in dem Skandal. „Der Vorwurf geht ins Mark unseres gesellschaftlichen Gewissens und weckt beschämende Erinnerungen an die dunkelste Zeit der deutschen Geschichte im Nationalsozialismus“, sagte der Sprecher für Aufbau Ost der FDP-Bundestagsfraktion. Sollten die Vorwürfe zutreffen, dürfe es nicht bei einer gewichtigen Würdigung der Opfer bleiben. Daher wolle er sich für eine parlamentarische Behandlung der Vorfälle einsetzen.

Der Vorsitzende der Union der Opferverbände Kommunistischer Gewaltherrschaft, Rainer Wagner, sagte der „Mitteldeutschen Zeitung“: „Hier kommt westliche Profitgier zusammen mit kommunistischer Skrupellosigkeit. Die Vorgänge müssen lückenlos aufgeklärt und die Opfer entschädigt werden.“ Eine Entschuldigung sei das Mindeste.

Mehr zum Thema

Quelle: AP

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Schmerztherapie Cannabis für Kinder

Wenn Cannabis Medikament sein soll, wird die Diskussion emotional und unsachlich. Das Nachsehen haben dabei kranke Kinder – denn auch sie können von der Wirkung der Pflanze profitieren. Mehr Von Lucia Schmidt

22.04.2015, 10:13 Uhr | Gesellschaft
Parkinson Verständnis durch Zitter-Simulation

Eine britische Theatergruppe hat ein interaktives Gerät entwickelt, mit dem man in die Rolle eines Parkinson-Patienten schlüpfen kann. Die Installation wird ums Handgelenk geschnallt und erzeugt Schwingungen von sechs Hertz. Mehr

08.12.2014, 10:32 Uhr | Wissen
Chefärztin Elke Jäger Krebs ist kein Todesurteil

Obwohl sich bösartige Zellen ziemlich gut tarnen, erwartet die Chefärztin für Onkologie am Nordwestkrankenhaus ein Feuerwerk an neuen Behandlungsmethoden. Elke Jäger über rothaarige Tumorzellen und Sport als Therapie. Mehr

17.04.2015, 10:24 Uhr | Rhein-Main
Oldenburg Lebenslang für Ex-Krankenpfleger

Das Landgericht Oldenburg verurteilte Niels H. wegen Mordes an Patienten, Mordversuchs und gefährlicher Körperverletzung. Hinterbliebene begrüßten das Urteil. Mehr

26.02.2015, 18:05 Uhr | Gesellschaft
Zuckererkrankung Diabetiker werden häufiger depressiv

Der Psychologe Bernhard Kulzer erklärt, wie Zucker und seelische Probleme aufeinander wirken – und was zu tun ist. Mehr

18.04.2015, 15:04 Uhr | Gesellschaft
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 29.12.2012, 15:25 Uhr

Leugnen und vergessen

Von Rainer Hermann

Der Völkermord an den Armeniern war eine Voraussetzung für die Gründung der Republik. Ihn einzugestehen würde für die Türken bedeuten, diese zu beflecken. Mehr 30 25