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David McAllister Wulffs Ziehsohn

02.07.2010 ·  Wulffs Nachfolger David McAllister, der derzeit jüngste Ministerpräsident, wird viel Temperament nachgesagt. Wofür er politisch steht, ist indes nicht immer klar. Als Fraktionsvorsitzender konnte er Generalist sein - jetzt wird er sich in Einzelheiten festlegen müssen.

Von Robert von Lucius
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David McAllister ist Christian Wulffs politischer Ziehsohn. Am Donnerstag ist er ihm im Amt des niedersächsischen Ministerpräsidenten nachgefolgt.

Vom neuen Bundespräsidenten unterscheidet er sich nicht nur dem Alter nach. Der mit 39 Jahren derzeit jüngste Ministerpräsident Deutschlands ist ein politischer Mensch durch und durch. Das werden seine vorerst aus dem Kabinett Wulff übernommene Minister vermutlich bald spüren. Auch Berlin wird es auf mittlere Sicht merken – McAllisters Temperament lässt erwarten, dass er Dinge vorantreibt. In den letzten Jahren wurde in Hannover eher bedächtig regiert; so fühlten sich manche im Lande und auch in Ministerien nicht ausreichend gelenkt.

Zwischen Selbstironie und Selbstdarstellung

Der bisherige Rechtsanwalt McAllister bindet andere durch sein schlagfertiges, geschliffenes Wort, wobei er zwischen Selbstironie und Selbstdarstellung wechselt. Auf Parteitagen und Volksfesten reißt er mit – vor Fernsehkameras wirkt er schüchterner. Seit sein Weg in die Staatskanzlei klar war, nahm er sich zurück. Er wird weder Wulffs präsidiale Art kopieren, noch dessen neuer Vorliebe für glanzvolle Auftritte nacheifern.

Bodenhaftung besitzt David McAllister in einem für Berufspolitiker seines Rangs ungewöhnlichem Maß. Seine Kumpel aus seinen Jugendjahren vom Bolzplatz in Bad Bederkesa nahe der Nordseeküste trifft er regelmäßig. Während Niedersachsen anders als die süddeutschen Bundesländer in den letzten Jahren in Brüssel keine bemerkenswerte Rolle spielte, hält der Vater von zwei Töchtern nicht nur dank seines schottischen Vaters und britischen Zweitpasses enge Bindungen zur englischsprachigen Welt und zu den europäischen Institutionen.

Klare Positionen fehlen

Wofür McAllister zwischen konservativen, liberalen und sozialen Gedanken eigentlich steht, ist indes auch engen Mitarbeitern nicht immer klar. Während er zur Integration von Ausländern und zu Umweltfragen die CDU öffnet, fehlen Festlegungen zur Wirtschaftspolitik, zur für Niedersachsen entscheidenden Kernenergie, auch zum Schulwesen. Als Fraktionsvorsitzender konnte er Generalist sein – jetzt wird er sich in Einzelheiten festlegen müssen. Seine erste Bewährungsprobe wird die Sparklausur des Kabinetts in vier Wochen sein.

Die Möglichkeit, dass Wulff im Falle einer Niederlage in der Bundesversammlung in Hannover bleibt, forderte von dem CDU-Landes- und Landtagsfraktionsvorsitzenden ein noch höheres Maß von Loyalität als sonst. Wenn der Parteitaktiker das für nötig erachtet, weiß McAllister, der sonst das freie und klare Wort liebt, sich zurückzunehmen. Das plant er offenbar auch in Richtung Berlin, zumindest zunächst. Wulff riet ihm, sich einen stellvertretenden CDU-Bundesvorsitz zu bemühen; auch Kanzlerin Merkel, die ihn für eine der Führungsfiguren der nächsten CDU-Generation hält, soll ihn dazu ermutigt haben. McAllister aber will den „niedersächsischen Posten“ in der Partei der Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen überlassen.

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Jahrgang 1949, politischer Korrespondent für Niedersachsen, Sachen-Anhalt und Bremen mit Sitz in Hannover.

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