Home
http://www.faz.net/-gpg-6yjvt
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER

David Gill Gaucks zielstrebiger Vertrauter

Er ist kein Vielredner, kein Schnellsprecher, schon gar gar nicht ein Lautsprecher: Bundespräsident Gauck macht mit David Gill einen langjährigen Vertrauten zu seinem wichtigsten Mitarbeiter im Schloss Bellevue.

© dpa Vergrößern Ein Gauck-Vertrauter: Der neue Staatssekretär im Bundespräsidialamt David Gill

Der neue Chef des Bundespräsidialamtes steigt die Treppe auf leisen Sohlen hinauf. Er ist kein Vielredner, kein Schnellsprecher, schon gar nicht ein Lautsprecher. Eher neigt er dazu, sich nicht größer, sondern kleiner zu machen als er ist.

Reinhard Bingener Folgen:  

Die Karriere David Gills zeugt von hoher Standfestigkeit und bemerkenswerter Anpassungsfähigkeit. Sie beruht weniger darauf, im rechten Moment den Finger gehoben zu haben, als darauf, zielstrebig die Voraussetzungen dafür geschaffen zu haben, von anderen gefragt zu werden.

David Gill und Gauck © dapd Vergrößern Gill und Gauck: Die Beiden kennen und vertrauen sich schon seit über zwanzig Jahren

Der bis dato Letzte, der ihn fragte, ist Joachim Gauck. Schon am Tag nach seiner Kür zum Präsidentschaftskandidaten entschied er sich, den EKD-Oberkirchenrat künftig zu seinem wichtigsten Mitarbeiter zu machen. Die beiden Männer sind enge Vertraute. Kennengelernt haben sie sich im Frühjahr 1990 - der junge, 24 Jahre alte Theologiestudent aus Sachsen war damals Vorsitzender des Bürgerkomitees zur Auflösung der Berliner Stasi-Zentrale, der Pfarrer aus Mecklenburg neugewählter Abgeordneter der Volkskammer. Gill wurde Sekretär Gaucks, nach Errichtung der Stasi-Unterlagenbehörde dessen Sprecher. Sein Studium brach er dafür ab.

Wie andere junge ostdeutsche Politiker war Gill damals bereit, den eingeschlagenen Weg zu verlassen und sich den neuen Erfordernissen anzupassen. Und an Mut mangelte es ihm nicht. Um 1987 herum, als kaum einer an ein offenes Aufbegehren gegen die SED dachte, erlaubte sich Gill bereits, das Regime ein wenig zu piesacken.

Wenn er sich über das Weltgeschehen informieren wollte, spazierte er an verdutzten DDR-Posten vorbei in die amerikanische Botschaft in Ost-Berlin, um die dort in der Bibliothek ausliegenden West-Zeitungen zu lesen. Die Angelegenheit zog Kreise und beschäftigte das MfS.

Distanz zum SED-Regime

Denn Gills Vater war Bischof der pietistischen Herrnhuter Brüdergemeine. Theodor Gill war bekannt dafür, darauf Acht zu geben, dass die pietistische Gemeinschaft nicht nur die bekannten, blau eingebundenen Losungen herausgab und Weihnachtssterne bastelte, sondern auch die nötige Distanz zum SED-Regime hielt. Seine sieben Kinder waren deshalb Repressionen ausgesetzt, der Staat verstellte ihnen den Zugang zur höheren Bildung. Das zweitjüngste Kind David lernte Klempner, bevor er am Kirchlichen Oberseminar Abitur machte und mit der Theologie begann.

Nach zwei Jahren in der Gauck-Behörde entschied sich Gill 1992, abermals einen neuen Weg einzuschlagen. Um sich das Handwerkszeug für die spannendsten Aufgaben im neuen Staat anzueignen, begann er ein Jura-Studium. Während zweier Semester in Philadelphia lernte er seine Frau Sheila kennen, mit der er zwei Töchter hat.

Nach dem Verlassen der Universität arbeitete Gill im Bundespräsidialamt, im Innenministerium, beim Berliner Datenschutzbeauftragten und seit 2004 als Kirchenjurist im Berliner Büro der EKD am Gendarmenmarkt. Gill hat darauf geachtet und viel dafür getan, dass die DDR-Vergangenheit nicht zu seinem Lebensthema wird. Auch in dieser Hinsicht könnte Joachim Gaucks Präsdientschaft von Davil Gill profitieren.

Mehr zum Thema

Quelle: F.A.Z.

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Tunesiens neuer Präsident Mit ausgestreckter Hand

In Tunesien ist der alte Politikveteran Béji Caid Essebsi zum Präsidenten gewählt worden. Er will auch mit seinem Widersacher zusammenarbeiten. Doch folgt nun tatsächlich die Aussöhnung? Mehr Von Christoph Ehrhardt

22.12.2014, 17:13 Uhr | Politik
Emir von Katar distanziert sich von Extremisten

Der Emir von Katar hat Darstellungen zurückgewiesen, sein Land finanziere extremistische islamistische Organisationen. Nach Gesprächen mit Bundespräsident Joachim Gauck und Bundeskanzlerin Angela Merkel hieß es außerdem, Katar sei der internationalen Allianz im Kampf gegen IS beigetreten. Mehr

17.09.2014, 16:40 Uhr | Politik
Debatte über Protest-Märsche Gauck: Pegida nicht so viel Beachtung schenken

Bundespräsident Joachim Gauck spricht sich bei dem Besuch eines Flüchtlingshilfevereins in Magdeburg dafür aus, fremdenfeindlichen Chaoten und Strömungen, die wenig hilfreich sind, nicht so viel Beachtung zu schenken. Ähnlich äußert sich der Kölner Kardinal Woelki. Mehr

12.12.2014, 12:46 Uhr | Politik
Das ging daneben Tschechische Demonstranten bewerfen Gauck mit Eiern

Bundespräsident Joachim Gauck ist bei seinem Besuch in Prag mit Eiern beworfen worden. Dabei sollte eigentlich jemand ganz anderes getroffen werden. Mehr

18.11.2014, 11:38 Uhr | Politik
NPD gegen Schwesig Karlsruhe weist Klage als unbegründet zurück

Die NPD muss abermals eine Niederlage vor dem Bundesverfassungsgericht hinnehmen: Die Karlsruher Richter lehnten ein Klage gegen Familienministerin Schwesig ab. Sie hatte sich gegen die Rechtsextremen ausgesprochen. Mehr

16.12.2014, 11:48 Uhr | Politik
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 19.03.2012, 14:16 Uhr