01.09.2011 · Nachdem diese Woche im Internet unbearbeitete Depeschen der Enthüllungsplattform Wikileaks bekannt geworden waren, hat die Regierung in Washington die Organisation scharf kritisiert. Sie bringe Menschen in Gefahr.
Von Matthias Rüb, WashingtonDie Regierung in Washington hat die jüngste Veröffentlichung von unbearbeiteten Depeschen und Drahtberichten amerikanischer Diplomaten, die der Enthüllungsplattform Wikileaks schon vor Monaten in die Hände gefallen waren, scharf kritisiert. Durch die Veröffentlichung des Materials einschließlich der Klarnamen von Informanten und Gesprächspartnern amerikanischer Diplomaten würden nicht nur die diplomatischen Bemühungen und Sicherheitsinteressen der Vereinigten Staaten unterminiert, es werde auch „die Sicherheit von Personen einem Risiko ausgesetzt“, sagte Außenamtssprecherin Victoria Nuland. Man werde alles unternehmen, um „denen beizustehen, die durch diese illegalen Enthüllungen zu Schaden kommen könnten“.
Diese Woche waren im Internet umfangreiche Datensätze bekanntgeworden, aus denen zuvor nicht die Namen der Gesprächspartner amerikanischer Diplomaten gestrichen worden waren. Wie es zu dem Fehler kommen konnte, ist unklar. Wikileaks-Gründer Julian Assange wirft Mitarbeitern der britischen Zeitung „Guardian“ vor, Zugangsdaten und Passwörter zu einer geschützten Website mit dem Rohmaterial veröffentlicht zu haben.
„Guardian“ weist Vorwürfe zurück
Der „Guardian“ weist die Vorwürfe zurück und erinnert daran, dass Assange selbst in einem Gespräch Zugangscode und Passwort weitergegeben und zudem versichert habe, die Codes würden binnen weniger Stunden geändert. Zuletzt hatte auch Wikileaks selbst weitere Zehntausende Drahtberichte veröffentlicht, die ebenfalls die Namen von Gesprächspartnern enthielten. Bisher hatten Wikileaks und deren Medienpartner - neben „Guardian“ etwa „New York Times“ und „Spiegel“ - darauf geachtet, dass aus den Dokumenten vor deren Veröffentlichtung die Namen von Informanten gestrichen wurden, um diese nicht zu gefährden.
Insgesamt sollen wegen der Sicherheitspanne oder Nachlässigkeit zuletzt mehr als hundert Klarnamen von Informanten und Gesprächspartnern amerikanischer Diplomaten bekannt geworden sein. Die Daten sind nach Überzeugung des Pentagons von dem Heeres-Obergefreiten Bradley Manning vor Monaten an Wikileaks weitergeben worden. Manning wartet in einem Militärgefängnis auf seinen Prozess wegen Geheimnisverrats.
Matthias Rüb Jahrgang 1962, politischer Korrespondent für Nordamerika mit Sitz in Washington.
Jüngste Beiträge