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CSU-Treffen in Trudering : Söder im Bierzelt-Wahlkampf

  • -Aktualisiert am

In Trachtenjacke: Schon bei seinem Besuch in Brüssel gab sich Markus Söder betont bayerisch. Bild: dpa

Markus Söder hat ein klares Ziel: Die Verteidigung der absoluten Mehrheit in Bayern. Im Bierzelt in München-Trudering gibt er sich dafür volksnah und lobt die eigene Leistung.

          Dieser Mann braucht keine 100 Tage Schonfrist: Markus Söder, erst seit 54 Tagen Ministerpräsident Bayerns, wird am Dienstagabend in royalem Prunk bei der Truderinger Festwoche begrüßt. Vorbei an den Böllerschützen, musikalisch begleitet vom Musikverein und umringt von Fahnenträgern marschiert Söder hinein in die Herzkammer des bayerischen Brauchtums: das Bierzelt. Vergangenes Jahr hielt Angela Merkel hier, im Truderinger Festzelt, ihre vielbeachtete Rede, in der sie sagte, die Zeiten, in denen wir uns auf andere verlassen könnten, seien „ein Stück weit vorbei“.

          Der neue Ministerpräsident gibt sich volksnah. Vor seiner Rede nimmt er sich betont viel Zeit, um mit den Böllerschützen über das Schießen zu plaudern und sich bei den Gästen im Festzelt zu erkundigen, ob das halbe Hendl denn auch schmecke. Im Oktober gilt es bei der Landtagswahl für die CSU die absolute Mehrheit zu verteidigen. Söder präsentiert sich dafür heimatverbunden. Den Anzug hat er gegen Jeans und eine schlichte Trachtenjacke eingetauscht und im Gegensatz zum vergangenen Jahr hat die CSU sich dieses Jahr keine CDU-Politprominenz einfliegen lassen. „Heute haben wir hier nicht die Bundeskanzlerin zu Besuch, sondern das, was zu Bayern gehört: unseren Ministerpräsidenten Markus Söder“, kündigt der sonst sehr sachliche CSU-Generalsekretär Markus Blume begeistert seinen Landesvater an.

          Söder, der gerade noch in der ersten Reihe sitzend mit seiner neuen Wissenschaftsministerin Marion Kiechle gegessen hatte, erhebt sich unter dem Applaus der gut 1500 Bierzeltbesucher, geht auf die Bühne und gibt gleich mal den Ton für den Abend an: Die Zahlen in Bayern seien „perfekt“, sagt er, und das Land ganz grundsätzlich extrem erfolgreich. Europa gehe es gut, fährt er fort, aber nur weil es Deutschland gutgehe. Und Deutschland gehe es nur gut, weil – na klar – weil es Bayern gut gehe.

          „Stellen Sie sich vor, wir wären hier in Südengland, dann hätten wir jetzt schlechte Stimmung wegen des Brexits. Oder in Italien, dann hätten wir keine Regierung oder in Katalonien, dann wären manche Politiker womöglich aus dem Gefängnis zugeschaltet.“ Die Pointe sitzt, der Saal lacht. In Bayern, so die Botschaft, ist dagegen alles bestens.

          Söder betont die Großartigkeit des Freistaates

          Tatsächlich hat Markus Söder in den ersten Wochen seiner Regierungszeit viel Geld in die Hand genommen, um die bayerischen Wähler von sich zu überzeugen: Pflegegeld, Baukindergeld Plus, Familiengeld, 500.000 Wohnungen sollen bis 2025 gebaut werden und eine eigene Grenzpolizei will er schaffen. Söder führt genüsslich all die Vorhaben, die schon seit seiner Regierungserklärung bekannt sind, auf und erntet dafür Applaus.

          Immer wieder betont Söder in seiner Rede die Großartigkeit des Freistaates, wie viel toller der Münchner Flughafen im Vergleich zum unfertigen Berliner Flughafen sei, wie viel friedlicher der G7-Gipfel auf Schloss Elmau war, im Vergleich zum G20-Treffen in Hamburg. Der Rest des Landes mache sich über das Kreuz in den Bayerischen Behörden lustig, „aber wir Bayern stehen dazu!“ In Berlin müsse man die Bayern doch eigentlich mit einem Blumenstrauß begrüßen, sagt Söder, ob der ganzen Transferleistungen, die der Freistaat leiste. „Stattdessen sagen die immer nur: mehr, mehr, mehr.“

          Söder appelliert an den Korpsgeist der Bayern und bezeichnet die CSU als einzige Partei, die die Interessen der Freistaates auch durchsetzen könne. Die FDP traue sich nicht in Regierungsverantwortung und die SPD sei nurmehr eine Kleinpartei – aktuelle Umfragen sehen die SPD bei 12 Prozent in Bayern. Die AfD dagegen erwähnt Söder mit keinem Wort, obwohl sie im Oktober voraussichtlich zum ersten Mal in den Bayerischen Landtag einziehen wird und der CSU mit einer harten Flüchtlingspolitik viele Wähler streitig macht.

          Die Flüchtlingspolitik spricht Söder dafür an diesem Abend immer wieder an. „Wer hierher kommt und wirklich Hilfe benötigt, der soll sie in Bayern bekommen“, sagt er und bekommt dafür dürftigen Applaus. „Aber wenn der Rechtsstaat einen Asylantrag ablehnt, dann muss derjenige unser Land auch wirklich verlassen!“, schiebt er hinterher und der Saal jubelt lautstark.

          Ungefähr eine Stunde redet Söder, dann der obligatorische Schluck aus dem Maßkrug, stehend dargebrachte Ovationen, Bayernhymne und Deutschlandlied. Hier, im gutbürgerlichen Stadtteil Trudering, einer CSU-Hochburg in München, hatte Söder Heimspiel. Gestern waren schon Natascha Kohnen und Hubertus Heil von der SPD hier, aber da sei der Saal nicht einmal ansatzweise voll gewesen, frotzeln einige Rentner nach der Rede und geklatscht hätten die SPD-Mitglieder auch nur aus Kadavergehorsam. Der Ministerpräsident taucht derweil durch die jubelnden Menschenmassen, Bierbänke und Schweinshaxen hindurch zu seiner BMW-Limousine und lässt sich in die Nacht chauffieren. 158 Tage noch bis zur Wahl.

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