Die Kreativität in seiner Partei regt der CSU-Vorsitzende Horst Seehofer an. Lange Zeit wirkte das Angebot im „CSU-Shop“, wie er im landesüblichen Idiom heißt, ein wenig aus der Zeit genommen, mit Bikinis und Badehosen im weiß-blauen Rautenmuster. Doch jetzt offeriert die Partei ein T-Shirt (Navy, weißer Aufdruck, V-Neck), auf dem ein Satz Seehofers aufgedruckt ist, der keiner Erläuterung bedarf: „Das können Sie alles senden!“ Wer bislang rätselte, wie der CSU-Slogan „Näher am Menschen“ zu verstehen sei, braucht nun nur 13 Euro aus dem Portemonnaie nehmen, um Seehofer ganz nah, hautnah zu sein.
T-Shirts mit weiteren Losungen des Vorsitzenden dürften im CSU-Shop rasch folgen, schließlich arbeitet Seehofer ohne Unterlass an Sätzen, die nach baumwollener Materialisierung schreien. Am Dienstag brauchte er in der „Süddeutschen Zeitung“ ganze vier Worte für einen Satz, der auch ein geflügeltes Wort werden wird: „Ich meine das ernst.“ Seehofer wollte damit beglaubigen, dass er nach der Landtagswahl, sollten die Wähler der CSU-Regierungszeit ein Ende setzen, auch in der Opposition für Bayern werkeln werde, für die gesamte fünfjährige Legislaturperiode selbstverständlich.
„Ich meine das ernst“
Ja, er erwäge sogar, es nicht mit einer Kandidatur auf der oberbayerischen CSU-Liste zu belassen, sondern in einem Stimmkreis anzutreten, sagte Seehofer, um zu demonstrieren, wie ernst es ihm sei. Viel ernster als Norbert Röttgen, um den Namen doch einmal zu nennen; und viel ernster als Christian Ude, der SPD-Herausforderer in Bayern, der nur Ministerpräsident, aber nicht Vorsitzender einer Oppositionsfraktion werden will. Ude ließ sogleich wissen, wie ernst es ihm sein werde, als Ministerpräsident den Oppositionsführer Seehofer ernstzunehmen.
„Ich meine das ernst“ - dieser Satz reicht aber weit über den bayerischen Kosmos hinaus: Er könnte, auf ein T-Shirt gebannt, die politische Kommunikation in Berlin ungemein erleichtern. Schließlich kann Seehofer nicht nach jedem Satz zum Betreuungsgeld, zur Finanztransaktionsteuer, zu Volksbefragungen in wichtigen EU-Fragen immer anfügen: „Ich meine das ernst.“ Es würde jede Rede- und Sendezeit sprengen, zumal auch noch die textile Botschaft gilt: „Das können Sie alles senden!“
Horst Seehofer
Dietmar Blum (derEifeler)
- 20.06.2012, 12:30 Uhr