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CSU-Chef Seehofer : Crazy Horst

  • -Aktualisiert am

Volkstribun und Einsiedler - Horst Seehofer Bild: Jan Rickhoff

Für CSU-Chef Horst Seehofer ist die Landtagswahl 2013 die Schlacht am Little Bighorn: Es geht um alles. Rücksicht kennt der bayerische Ministerpräsident nicht.

          Angela Merkel sollte einmal Mut fassen und mit Horst Seehofer zum Legoland nach Günzburg fahren. Es muss ja nicht gleich eine gemeinsame Übernachtung im Ritterzelt sein. Eine Visite im „Miniland“ des Vergnügungsparks genügt. Seehofer war in dieser Woche schon einmal da und hat nicht nur die gewünschten Fernsehbilder abgeliefert, indem er sein Körpermaß von 193 Zentimetern über einem Miniaturmodell des Berliner Reichstags aufragen ließ, samt sendefähiger Sottisen - „So sehen wir das aus München“. Er zeigte auch, wie richtiges Regieren geht, den Umgang mit dem Koalitionspartner eingeschlossen.

          Eckart Lohse

          Leiter der Parlamentsredaktion in Berlin.

          Als ihn der Geschäftsführer des Vergnügungsparks bat, in der bayerischen Tourismuswerbung stärker einzelne Glanzpunkte herauszustellen - er meinte selbstverständlich das Legoland -, und zur Illustration ausführte, die CSU werbe schließlich auch nur mit dem Konterfei Seehofers statt mit einer Bildercollage kleinerer Talente, war der bayerische Ministerpräsident sogleich Feuer und Flamme. Ein Referent der Staatskanzlei wurde gefragt, ob er das notiert habe, verbunden mit dem Versprechen, dass noch in diesem Jahr die Tourismuswerbung geändert werde.

          Nicht überall ist Legoland

          So macht Politik Spaß! Leider ist nicht überall Legoland und nicht überall Bayern, auch wenn sich Seehofer so verhält, wenn er zum Beispiel mal wieder wissen lässt, dass er jederzeit im Berliner Politikbetrieb den Stecker herausziehen kann, wenn es beim Betreuungsgeld oder beim Euro nicht läuft, wie er will. Für die Tourismuswerbung ist in Bayern übrigens der Wirtschaftsminister zuständig, der Martin Zeil heißt und von der FDP ist. Seehofer fragte in Günzburg noch, ob denn Zeil schon einmal das Legoland besucht habe. Das wurde verneint.

          Mitunter dürfen in Seehofers Reich sogar andere etwas sagen, wenn sie denn da sind. Als in dieser Woche sein Kabinett auf einer Klausurtagung am Tegernsee die Eckpunkte für den Landeshaushalt 2013/2014 auf den Weg brachte, durften an seiner Seite gleich zwei Minister das Wort ergreifen. Mochte Zeil tapsig Bayern zu einer „Oase der Stabilität in einem Meer der Schuldensünder“ verklären; mochte Markus Söder, das ewige Jungtalent der CSU, das gegenwärtig den Finanzminister gibt, von einem olympischen Haushalt des „Schneller, höher, weiter“ fabulieren: Seehofer machte in der pompösen Villa, in der im Dritten Reich Hitlers Paladin Max Amann residierte und die jetzt der Staatsregierung als Bildungszentrum dient, gute Miene zu beider ungelenkem Spiel. Dass Seehofer auch ganz anders kann, weiß niemand besser als Söder: Als er bei einem Empfang im Münchner Prinz-Carl-Palais - an prunkvollen Kulissen fehlt es der CSU in Bayern nicht, auch wenn sonst ihre Gewissheit schwindet, die Nachfolgeorganisation der Wittelsbacher zu sein - nach einer Rede Seehofers heftig applaudierte, ließ sein Chef den Kommentar folgen, so sei es brav von einem Thronfolger.

          Bei Seehofers Ironie, mit der er sein politisches Raubtiergebiss verblendet hat, besteht meist Verwechslungsgefahr mit Zynismus. Denn Söder könnte sich die Hände für ein Erbe wund klatschen, das möglicherweise zum Pflichtteil eines Oppositionssitzes im Münchner Maximilianeum schrumpft. Die Landtagswahl im Herbst nächsten Jahres ist politisch gesehen zwar noch Lichtjahre entfernt; aber die CSU weiß, dass ein Wunder geschehen muss, wenn am Wahltag wieder die Formel „50 Prozent plus X“ in Kraft gesetzt werden sollte. Bislang sprechen die demoskopischen Daten dafür, dass sie sich auf ein „40 Prozent plus X“ einstellen muss. Und je nach Größe des X, je nach Abschneiden der FDP und je nach dem Ergebnis von SPD, Grünen und Freien Wählern, die mit einem gemeinsamen Regierungsbündnis kokettieren, ist alles möglich - von einer Alleinregierung der CSU mit einer Mehrheit der Mandate bis zum Wechsel in die Opposition.

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