http://www.faz.net/-gpf-8edin

Gefahren von Crystal Meth : „Brauchst Du was? Sex?“

Der Griff zur Spritze: Beim „Slammen“ ist die Wirkung von Crystal Meth noch stärker. Bild: Felix Schmitt

In der Schwulenszene von Berlin ist Crystal Meth weit verbreitet. Die Männer treffen sich, nehmen die Droge und feiern Orgien. Unterwegs im Nollendorfkiez.

          Wenn es dunkel wird, verwandelt sich der Nollendorfkiez in Berlin. Die Cafés auf der Motzstraße, Hauptschlagader der Schwulenszene, schließen. Die Schaufenster der Lack- und Leder-Geschäfte leuchten matt in die Nacht. Mütter mit Kinderwagen verschwinden in die angrenzenden Bezirke, Männer in Kapuzenpullis und engen Hosen erobern die Straßen. Wenn man sie länger als nötig anschaut, flüstern sie: „Brauchst Du was? Sex?“ Sie stehen an den Ecken, immer in Laufweite der Nachtclubs, viele haben einen osteuropäischen Akzent. Manchmal stehen dort auch Araber. Sie flüstern: „Brauchst Du was? Koka? Ecstasy? T?“ T steht in der Szene für Tina, Tina für Crystal Meth. Darum geht es im Nollendorfkiez: Sex und harte Drogen.

          Morten Freidel

          Redakteur in der Politik der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Hier wurde vor wenigen Tagen der grüne Bundestagsabgeordnete Volker Beck erwischt, vermutlich mit Crystal Meth. Er kam wohl gerade aus der Wohnung eines Dealers. Der Fall zeigt, wie salonfähig die Droge geworden ist, besonders unter Schwulen. Nur: Warum? Was macht den Reiz einer Substanz aus, die Menschen in wenigen Monaten um Jahre altern lässt?

          Alles war plötzlich klar, die Gedanken, die Welt

          Einige Straßen weiter wohnt Torsten, 43 Jahre alt, seit vier Jahren abhängig. Wie ein Drogenabhängiger sieht er nicht aus, eher wie ein Yuppie, der ein bisschen zu viel arbeitet. Er trägt Dreitagebart, kurze Haare und guckt wie jemand, der es gewohnt ist, etwas vom Leben zu erwarten.

          Crystal nahm er zum ersten Mal auf einer Sexparty, wo sich Männer mit Männern trafen. Normalerweise nahm Torsten zu solchen Anlässen Koks oder KO-Tropfen in geringer Dosis, um sich in Stimmung zu bringen. Mit Crystal Meth wollte er nichts zu tun haben. Er wusste, wie gefährlich die Droge war, kannte die Vorher-Nachher-Bilder aus den Medien, auf der linken Seite normale Menschen, auf der rechten eingefallene Wracks. Dieses Mal aber hatte ein Mann Crystal mitgebracht, den Torsten mochte, dem er vertraute. Der Mann erhitzte den Kristall in einer Ölpfeife, bis sich in der Glaskugel am unteren Ende eine weiße Wolke gebildet hatte. Der Mann inhalierte den Rauch und pustete ihn Torsten in den Mund.

          Die Droge schoss Torsten so schnell ins Hirn, dass er fast ohnmächtig wurde. Alles war plötzlich klar, die Gedanken, die Welt, und alles an dem Mann neben ihm war plötzlich geil: wie er roch, schmeckte, sich anfühlte. Torsten wollte ihn absorbieren. Er hatte sofort zwei Orgasmen. Dann kam das „Craving“, so heißt die unstillbare Gier, noch mehr von der Droge zu nehmen. Torsten rauchte selbst eine Pfeife. An diesem Tag begann seine Abhängigkeit.

          Er ist ein Tier, gierig und geil

          Crystal Meth ist ein Kristall und Metamphetamin, verwandt mit Amphetaminen, Aufputschmitteln, nur viel effektiver. Es überwindet sofort die Blut-Hirn-Schranke, flutet das Gehirn, und sorgt dort für einen Dopaminausstoß, der stärker ist als bei jeder anderen Droge, selbst Heroin. Wer Alkohol trinkt und raucht, hat etwa die doppelte Menge an Glückshormonen im Gehirn als ohne die Drogen, wer kokst, die sechsfache und wer Crystal Meth nimmt, die zwölffache. Jemand, der so glücklich ist, hat keine Hemmungen mehr. Er ist ein Tier, gierig und geil.

          Weitere Themen

          Eine heilsame Lehre?

          Verurteilung nach Massenrausch : Eine heilsame Lehre?

          Die Drogen sollten das Bewusstsein erweitern, doch das Experiment ging schief: Mehrere Menschen kamen unter Lebensgefahr ins Krankenhaus. Der Veranstalter ist jetzt zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden. Ein Berufsverbot verhängte das Gericht nicht.

          Emma Stone im Tennis-Geschlechterkampf Video-Seite öffnen

          „Battle of Sexes“ : Emma Stone im Tennis-Geschlechterkampf

          Anfang der 1970er Jahre macht Billie Jean King im Damentennis keine andere was vor. Doch der Tennisstar will mehr: gleiches Geld für Frauen wie Männer in ihrem Sport. Bobby Riggs, Ex-Champion der Männer und Parade-Macho, bietet King ein ganz besonderes Spiel an.

          Neobarock wohnen auf Kreta Video-Seite öffnen

          Innenarchitektur : Neobarock wohnen auf Kreta

          Neobarocke Möbel und Kronleuchter im Wohnzimmer, moderne Lampen und bunte Stühle aus Plexiglas. Das sind Gestaltungselemente, die ein Haus in der Stadt Chania auf Kreta so ungewöhnlich machen.

          Topmeldungen

          Mitfühlende Mutter Merkel: Doch Minderheit ist Mist!

          Fraktur : So viel Dank war nie

          Es fehlte eigentlich nur noch, dass der Cem dem Horst bei einem Joint das „du“ anbot.

          SPD bewegt sich : Große Koalition für Schulz kein Tabu mehr

          Nun soll die SPD-Basis das letzte Wort über eine mögliche dritte große Koalition mit der Union haben. Dies kündigte SPD-Parteichef Martin Schulz an. Auch die Tolerierung einer von Merkel geführten Minderheitsregierung käme als Option in Frage.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.