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Veröffentlicht: 06.03.2016, 18:45 Uhr

Gefahren von Crystal Meth „Brauchst Du was? Sex?“

In der Schwulenszene von Berlin ist Crystal Meth weit verbreitet. Die Männer treffen sich, nehmen die Droge und feiern Orgien. Unterwegs im Nollendorfkiez.

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© Felix Schmitt Der Griff zur Spritze: Beim „Slammen“ ist die Wirkung von Crystal Meth noch stärker.

Wenn es dunkel wird, verwandelt sich der Nollendorfkiez in Berlin. Die Cafés auf der Motzstraße, Hauptschlagader der Schwulenszene, schließen. Die Schaufenster der Lack- und Leder-Geschäfte leuchten matt in die Nacht. Mütter mit Kinderwagen verschwinden in die angrenzenden Bezirke, Männer in Kapuzenpullis und engen Hosen erobern die Straßen. Wenn man sie länger als nötig anschaut, flüstern sie: „Brauchst Du was? Sex?“ Sie stehen an den Ecken, immer in Laufweite der Nachtclubs, viele haben einen osteuropäischen Akzent. Manchmal stehen dort auch Araber. Sie flüstern: „Brauchst Du was? Koka? Ecstasy? T?“ T steht in der Szene für Tina, Tina für Crystal Meth. Darum geht es im Nollendorfkiez: Sex und harte Drogen.

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Hier wurde vor wenigen Tagen der grüne Bundestagsabgeordnete Volker Beck erwischt, vermutlich mit Crystal Meth. Er kam wohl gerade aus der Wohnung eines Dealers. Der Fall zeigt, wie salonfähig die Droge geworden ist, besonders unter Schwulen. Nur: Warum? Was macht den Reiz einer Substanz aus, die Menschen in wenigen Monaten um Jahre altern lässt?

Alles war plötzlich klar, die Gedanken, die Welt

Einige Straßen weiter wohnt Torsten, 43 Jahre alt, seit vier Jahren abhängig. Wie ein Drogenabhängiger sieht er nicht aus, eher wie ein Yuppie, der ein bisschen zu viel arbeitet. Er trägt Dreitagebart, kurze Haare und guckt wie jemand, der es gewohnt ist, etwas vom Leben zu erwarten.

Crystal nahm er zum ersten Mal auf einer Sexparty, wo sich Männer mit Männern trafen. Normalerweise nahm Torsten zu solchen Anlässen Koks oder KO-Tropfen in geringer Dosis, um sich in Stimmung zu bringen. Mit Crystal Meth wollte er nichts zu tun haben. Er wusste, wie gefährlich die Droge war, kannte die Vorher-Nachher-Bilder aus den Medien, auf der linken Seite normale Menschen, auf der rechten eingefallene Wracks. Dieses Mal aber hatte ein Mann Crystal mitgebracht, den Torsten mochte, dem er vertraute. Der Mann erhitzte den Kristall in einer Ölpfeife, bis sich in der Glaskugel am unteren Ende eine weiße Wolke gebildet hatte. Der Mann inhalierte den Rauch und pustete ihn Torsten in den Mund.

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Die Droge schoss Torsten so schnell ins Hirn, dass er fast ohnmächtig wurde. Alles war plötzlich klar, die Gedanken, die Welt, und alles an dem Mann neben ihm war plötzlich geil: wie er roch, schmeckte, sich anfühlte. Torsten wollte ihn absorbieren. Er hatte sofort zwei Orgasmen. Dann kam das „Craving“, so heißt die unstillbare Gier, noch mehr von der Droge zu nehmen. Torsten rauchte selbst eine Pfeife. An diesem Tag begann seine Abhängigkeit.

Er ist ein Tier, gierig und geil

Crystal Meth ist ein Kristall und Metamphetamin, verwandt mit Amphetaminen, Aufputschmitteln, nur viel effektiver. Es überwindet sofort die Blut-Hirn-Schranke, flutet das Gehirn, und sorgt dort für einen Dopaminausstoß, der stärker ist als bei jeder anderen Droge, selbst Heroin. Wer Alkohol trinkt und raucht, hat etwa die doppelte Menge an Glückshormonen im Gehirn als ohne die Drogen, wer kokst, die sechsfache und wer Crystal Meth nimmt, die zwölffache. Jemand, der so glücklich ist, hat keine Hemmungen mehr. Er ist ein Tier, gierig und geil.

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