08.08.2008 · Der frühere Wirtschaftsminister gibt sich bei seiner Stellungsnahme locker. Er will nicht irgendwelche Versprechen abgeben; das innerparteiliche Verfahren solle seinen Lauf nehmen. Clement beharrt auf seiner Position: Von einer Regierung, die von der Linken abhängig sei, halte er gar nichts.
Von Peter Schilder, BonnSchwungvoll steigt Wolfgang Clement vom Fahrrad. Er hat den kürzesten Weg, die Rheinuferpromenade, gewählt, um von seiner Wohnung in Bonn-Plittersdorf zum Rheinhotel Dreesen zu gelangen. In weißem Hemd und weißer Hose sieht er aus wie ein Urlauber. Seine Erscheinung bekräftigt, was er später mehrfach wiederholt. „Wer sei er denn? Eine Privatperson. Außer Diensten.“ Diese Privatperson erweckt aber ungeheures öffentliches Interesse. Satellitenübertragungswagen verstopfen die kleine Straße vor dem Hotel. Drinnen drängen sich eine Vielzahl von Kameraleuten, Assistenten und Journalisten in einem viel zu kleinen Raum. Es hatte sich schnell herumgesprochen, dass Wolfgang Clement an diesem Donnerstag eine Erklärung abgeben wolle.
Es selbst scheint nicht überrascht von der großen Wirkung seiner wenigen Anrufe. Er schlängelt sich nach vorne durch, wo die Mikrofone stehen. Ein großes Fenster hinter seinem Rücken gibt den Blick frei auf das idyllische Rhein-Panorama. Das dumpfe Tuckern eines Lastkahns verschluckt zeitweilig Clements Worte. Der frühere Bundeswirtschaftsminister gibt sich locker, vielleicht ein bisschen zu locker. Damit verrät er doch innere Anspannung. Die Debatte um seine Person hat ein Maß erreicht, das ihm offenbar keinen Spaß mehr bereitet: „Der Personalisierung möchte ich ein Ende machen.“
Nicht hier, um irgendwelche Versprechen abzugeben
Dazu hat er eine Erklärung aufgeschrieben, die fünf Punkte umfasst. Teils liest er sie vor, teils spricht er frei. Immer wenn es drauf ankommt, bleibt er nah am Text. Etwa als er den hessischen Parteifreunden sein Bedauern ausdrückt, die sich „in ihrem Bemühen um einen Wahlerfolg im Stich gelassen fühlten“. Später erläutert er, wen er gemeint habe: die Genossen an der Basis, die Plakate geklebt und sich abgerackert hätten. Dann kommt er schnell auf seine eigentliche Absicht zu sprechen. Nämlich die Debatte um die „energiepolitische und energiewirtschaftliche Zukunft unseres Landes“ in Gang zu halten. Da mag nun einmal das Energiekonzept von Frau Ypsilanti „gut gemeint“ sein. Aber nach seiner Überzeugung führt es „in die Irre“. An dieser Debatte werde er sich weiterhin beteiligen. Sein Tonfall ist sanft und werbend, selbst dort, wo er auf seinem Standpunkt beharrt. Beharrlichkeit und Nachgiebigkeit sollen sich offenbar die Waage halten.
Schließlich, nämlich fünftens, kommt es zum Schwur. Da hält sich Clement wieder an den Text: „Ich bin und bleibe Sozialdemokrat und will auch künftig im Rahmen meiner heutigen Möglichkeiten zum Erfolg der Sozialdemokratie beitragen. Das schließt selbstverständlich ein Verhalten in den gegebenen Regeln ein, so wie ich es in meinem politischen Leben stets praktiziert habe.“ War das jetzt das Versprechen, Ruhe zu geben, das die Bochumer Genossen eingefordert hatten? „Nein, nein“, schränkt Clement auf Nachfrage sofort ein. Er sei nicht hier, um irgendwelche Versprechen abzugeben, sondern eine „Erklärung“. Das innerparteiliche Verfahren solle seinen Lauf nehmen.
Er nimmt die Partei in die Pflicht
Er beharrt auf seiner Position: Von einer Regierung, die von der Linken abhängig sei, halte er gar nichts. Er erinnert an Rudolf Scharping, der seinerzeit geraten habe, bei Entscheidungen von nationaler Bedeutung die Bundesebene der Partei einzuschalten. Die Duldung einer Landesregierung durch die Linke habe solchen Stellenwert – ebenso die Energiepolitik. So nimmt er die Partei in die Pflicht.
In den vergangenen Wochen habe er viele Briefe und E-Mails von Menschen erhalten, die ihm etwas bedeuteten. Das habe ihn zu dieser Stellungnahme bewegt. Auch ist wohl viel telefoniert worden zwischen Berlin, Düsseldorf und Bonn. Clement wiederholt seine Worte geduldig in jede Kamera und jedes Mikrofon. Dann steigt der frühere nordrhein-westfälische Ministerpräsident wieder auf sein Rad – ganz unspektakulär.
Die Erklärung...
Walter Wasilewski (wwasilewski)
- 07.08.2008, 19:45 Uhr
was war das denn?
Arnulf Neumann (commentatore)
- 07.08.2008, 19:50 Uhr
Aha
Benedikt Gresser (Benediktus)
- 07.08.2008, 22:10 Uhr
Scharping
Julius Franzot (JFranzot)
- 08.08.2008, 02:07 Uhr
Nehmen Sie das nicht in den Mund,was Sie schon mal gegessen haben,sagte jemand..
Daniel Kleiner (Kleinermann1)
- 08.08.2008, 07:53 Uhr