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CIA-Affäre Masri will „Sam“ erkannt haben

22.02.2006 ·  Der von Amerikanern nach Afghanistan verschleppte Deutsche Masri will bei einer Gegenüberstellung angeblich einen BKA-Beamten identifiziert haben, der ihn dort mehrmals verhört haben soll. Die Staatsanwaltschaft zweifelt.

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Der von Amerikanern nach Skopje in Mazedonien und dann nach Afghanistan verschleppte deutsche Staatsbürger Masri will bei einer Gegenüberstellung angeblich einen Beamten des Bundeskriminalamts (BKA) als „zu 90 Prozent sicher“ den Deutschen identifiziert haben, der ihn während seiner Entführung in Afghanistan mehrfach aufgesucht habe.

Nach Angaben der Münchner Staatsanwaltschaft war die Identifizierung jedoch nicht eindeutig. Der Leitende Oberstaatsanwalt Schmidt-Sommerfeld sagte dieser Zeitung, es gebe keine Gewißheit, deshalb müsse der Sache weiter nachgegangen werden.

Gravierende Unterschiede bei der Beschreibung

Masri hatte vor einigen Wochen auf Fotos, die ihm von Dritten gezeigt worden waren, angeblich den deutschen Kriminalbeamten Gerhard L. als denjenigen bezeichnet, der sich ihm während seiner Haftzeit in Afghanistan als „Sam“ vorgestellt und fließend Deutsch gesprochen habe. Andererseits soll es zwischen der damaligen Personenbeschreibung durch Masri und dem tatsächlichen BKA-Beamten L. gravierende Unterschiede bei wesentlichen Körpermerkmalen und Sprache geben.

Bei dem Kriminalhauptkommissar handelt es sich um einen in Fachkreisen bekannten BKA-Sonderermittler mit langjähriger Erfahrung bei Terrorismusfällen mit Auslandsbezug. So ermittelte er nach dem Anschlag auf das Maison de France und auf die Discothek La Belle in Berlin bis hin nach Libyen.

„Bis zu 90 Prozent sicher“

L. war auf Veranlassung der Staatsanwaltschaft München am Montag dieser Woche mit acht anderen Personen zu einer Gegenüberstellung erschienen. Dabei hatte Masri mit angeblich „achtzig- bis neunzigprozentiger Wahrscheinlichkeit“ den Mann von dem Foto, beziehungsweise den angeblichen „Sam“ erkannt. Die Münchner Staatsanwaltschaft bestätigte entsprechende Auskünfte der „International Herald Tribune“ (IHT).

Nach Angaben Schmidt-Sommerfelds von der Staatsanwaltschaft München 1 hat der Deutsche libanesischer Herkunft den als „Sam“ bezeichneten deutschen Polizisten jedoch „nicht abschließend, klar und eindeutig“ identifizieren können. Man brauche aber Gewißheit und prüfe nun, ob der Betreffende während des Zeitraums der mutmaßlichen Entführung Masris - Januar 2004 bis Mai 2004 - in Afghanistan war. Nach Angaben der IHT habe der Polizist ausgesagt, im besagten Zeitraum „in Urlaub“ gewesen zu sein.

Nach anderslautenden Angaben ist Gerhard („Gerd“) L., dessen Berufsleben romantaugliche Züge nachgesagt werden, im Laufe seiner Tätigkeit noch nie in Afghanistan gewesen. Zu Masris Zeitangaben sei L. in Urlaub gewesen oder aber nachweislich an Dienstorten in Deutschland.

Dementi des Auswärtigen Amtes

Vom Auswärtigen Amt dementiert wurde die Behauptung, die deutsche Botschaft in Skopje sei schon wenige Tage nach der Festnahme Masris an der albanisch-mazedonischen Grenze Ende Dezember 2003 inoffiziell von mazedonischen Behörden über die Festnahme informiert worden, der angeblich eine Namensverwechslung zu Grunde gelegen habe.

Während seines mehrwöchigen Aufenthalts in einem Hotelzimmer in Skopje habe er, berichtet Masri, die amerikanischen und mazedonischen Vernehmer dort gebeten, die Botschaft kontaktieren zu dürfen. Dies sei, behauptet Masri, abgelehnt worden mit der Begründung: „Die wollen nicht mit Ihnen sprechen.“

„Ermittlungen noch nicht am Ende“

Nach bisherigem Stand der Erkenntnisse war zum ersten Bundesinnenminister Schily (SPD) am 31. Mai 2004 vom amerikanischen Botschafter Coats vertraulich über die Angelegenheit informiert worden, zwei Tage nach dem Rücktransport und der Freilassung Masris. Sowohl das Kanzleramt - damals unter Leitung des heutigen Außenministers Steinmeier (SPD) - als auch das Auswärtige Amt - damals von Joseph Fischer (Grüne) geführt - haben später angegeben, erst Wochen nach der Freilassung von dem Fall erfahren zu haben.

Nach Angaben Schmidt-Sommerfelds in München sind die Ermittlungen „durchaus noch nicht am Ende“. Man werde sowohl den Angaben des BKA-Mitarbeiters L. als auch denjenigen zur deutschen Botschaft in Skopje nachgehen.

PKG berät über geheimen Regierungsbericht

Der Fall Masri und andere Angelegenheiten im Zusammenhang mit geheimdienstlichen Handlungen und Kooperationen nach den Terroranschlägen von New York und Washington im September 2001 sind Gegenstand eines bislang geheimen Regierungsberichts, den die Mitglieder des parlamentarischen Kontrollgremiums (PKG) seit Montag in Händen haben. Das Gremium, dem Abgeordnete aller Fraktionen angehören, soll an diesem Mittwoch den etwa dreihundert Seiten umfassenden Bericht beraten. Größere Teile davon sollen dann öffentlich gemacht werden.

Der sicherheitspolitische Sprecher der Grünen-Fraktion, der Abgeordnete Wieland, sagte dieser Zeitung, falls die Angaben Masris und der „IHT“ stimmten, dann wäre das „ein ganz starkes Stück“. Wenn „Sam“ als deutscher Behördenmitarbeiter identifiziert werde, dann widerspreche das allen bisherigen Bekundungen der Bundesregierung.

Quelle: pca., Frankfurter Allgemeine Zeitung
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