18.07.2010 · Seit 2001 regierte Ole von Beust in Hamburg. Mal allein mit absoluter Mehrheit, mal im Mitte-Rechts-Bündnis mit Ronald Schill und zuletzt in einer schwarz-grünen Koalition. Von Beust war ein beliebter Bürgermeister, zuletzt hatte seine Popularität jedoch gelitten.
Von Frank Pergande HamburgOle von Beust hat die Politik im Elternhaus kennen gelernt. Sein Vater war Gründer und erster Vorsitzender der Jungen Union in der Hansestadt und über Jahrzehnte hinweg Bezirksamtsleiter von Wandsbek. Seine Mutter, die aus Mecklenburg stammte, war in der Zeit des Nationalsozialismus als „Halbjüdin“ eingestuft. Sein eigentlicher Name lautet Carl-Friedrich Arp Freiherr von Beust. Als er 18 Jahre alt war, ließ er sich im Standesamt den Namen Ole eintragen. Er wurde Rechtsanwalt, und er war von Anfang an in der CDU dabei.
1992 kam er in den Landesvorstand. Es war die Zeit, als die Hamburger CDU sich von ihrem langjährigen Vorsitzenden Jürgen Echternach trennte und der Bundestagsabgeordnete Dirk Fischer Parteivorsitzender wurde. Als die CDU 1993 wieder einmal die Wahl krachend verlor, meldete sich von Beust zu Wort und hielt ein mitreißendes Plädoyer für einen Neuanfang in der Partei. Er wurde prompt zum Vorsitzenden der CDU-Bürgerschaftsfraktion gewählt. Einmal versuchte er, gegen Fischer für das Amt des Parteivorsitzenden zu kandidieren. Später bezeichnete er es als Glück, dass ihm das nicht gelang. So konnte er der Partei gegenüber stets seine Freiheit bewahren. 2001 wurde Ole von Beust Spitzenkandidat. Ihm gelang es trotz eines schlechten Wahlergebnisses für die CDU, eine Koalition unter seiner Führung zu schmieden - mit FDP und Schill-Partei.
Kein „Parteisoldat“
Von Beust gehört in die Hamburger Zirkel der CDU wie etwa in einen geheimnisumwitterten Freundeskreis, dessen Mitgliederliste erst kürzlich veröffentlicht wurde. Aber zugleich war er anders, kein „Parteisoldat“, unkonventionell im Auftreten und Denken. Er brachte Leichtigkeit und so etwas wie Lebenslust in die Politik; schnell übersah man dabei, dass auch er sich notfalls mit Härte durchzusetzen verstand. Er galt als Hoffnungsträger der Union, als „ewig jugendlich“ wurde er auch ein wenig bespöttelt. Wie er zunächst in die Partei ausstrahlte, wirkte er auch in die Stadt.
Von Beust wurde ein beliebter Bürgermeister. Er ist vielleicht der beliebteste Bürgermeister, den Hamburg je hatte. Dass er die Dreierkoalition 2003 schließlich aufgab, war eine seiner typischen Bauchentscheidungen. Bei der vorgezogenen Bürgerschaftswahl gelang ihm die absolute Mehrheit für die CDU - in Hamburg, wo die SPD jahrzehntelang den Senat geführt hatte, eine Sensation. Seitdem konnte man sich Hamburg nicht mehr ohne Bürgermeister von Beust vorstellen.
Urbanität, Bürgerlichkeit und Lebensgenuss
Vier Jahre später war ihm klar, dass die CDU nicht noch einmal ein derartiges Ergebnis erzielen würde. Er arbeitete auf eine Koalition mit den Grünen hin, um eine linke Mehrheit in der Stadt zu verhindern. Es war machtpolitisches Kalkül, aber auch innere Überzeugung. Das Bündnis gelang. Welchem anderen CDU-Politiker hätte man einen solchen Schritt zugetraut? Von Beust verkörpert Urbanität, Bürgerlichkeit und Lebensgenuss, dabei eben auch hanseatisches Verantwortungsgefühl für die gesamte Gesellschaft. Seine Homosexualität spielte dabei eine Rolle.
Der Bürgermeister war bislang der Garant dafür, dass Schwarz-Grün auch schwierige Klippen umschiffen konnte. Sein Einfluss dürfte dafür reichen, dass dies auch unter seinem Nachfolger Christoph Ahlhaus so bleibt. Auch Kultursenatorin Karin von Welck hat am Sonntag mitgeteilt, dass sie zurücktreten wird.
Sie war die einzige parteilose Senatorin und seit 2004 im Amt, vom Bürgermeister sehr geschätzt, aber auch wie er immer stärker daran verzweifelnd, wie einzelne Interessengruppen den Blick auf die gesamte Stadt verloren. Von Beust unterstützte stets Angela Merkel. Beide eint der realistische Blick auf politische Mehrheitsverhältnisse und der Mangel an Pathos. Für seine schwarz-grüne Koalition war ihm die Kanzlerin dankbar, eröffnete sie doch neue Möglichkeiten für den Fall, dass die FDP als Partner verlorengehen sollte.
Rückzug ins Private
mmer wieder wurde vermutet, dass Beust in die Bundespolitik wechseln würde. Angebote gab es wohl von der Kanzlerin, aber sie haben ihn scheinbar nicht überzeugt. Das Umweltressort wurde ihm zugetraut, weil er inzwischen auch Umweltbeauftragter der CDU geworden war. Von Beust selbst betonte immer, wie gern er Bürgermeister sei. Das wirkte authentisch.
Die Gründe, aus denen er die Politik nach neun Jahren im Amt verlassen will, sind mit denen von Friedrich Merz oder Roland Koch nicht zu vergleichen. Er will wieder stärker als Privatmann leben können. Seine Entscheidung für den Rücktritt fiel denn auch - auf Sylt.